Bundesweite Innenstadt-Studie

Note 3 für die Bremer City

Thema Zwischennutzung: Pop-up-Galerie des Bremer Künstlers Johann Büsen – bis zum 28. März im früheren Wellensteyn-Store an der Knochenhauerstraße 9.
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Thema Zwischennutzung: Pop-up-Galerie des Bremer Künstlers Johann Büsen – bis zum 28. März im früheren Wellensteyn-Store an der Knochenhauerstraße 9.

Bremen – Viele Durchschnittsnoten für die Bremer Innenstadt - das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Die City-Akteure sehen die Zukunft weiter in einem Mix aus Handel und Wohnen. Pendler sollen in Zukunft verstärkt mit dem Zug nach Bremen kommen und sich per Rad in der Stadt bewegen.

  • 37,5 Prozent der City-Besucher kommen aus dem Umland.
  • Experten sehen Verbesserungsbedarf im Einzelhandel.
  • Zwischennutzung bleibt kurzfristig das Zauberwort für die Bremer City.

Der Titel klingt wie ein Hohn, hat man die Bremer City in ihrem gegenwärtigen Zustand vor Augen: „Vitale Innenstädte“. Es ist der Titel einer Studie der Marktforscher vom Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln. Und da hat Bremen auch gute Noten bekommen, betont die Einzelhändlervereinigung City-Initiative am Donnerstag. Unterdessen will Bau- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) mehr Pendler dazu bewegen, mit Zug und Rad in die Stadt zu kommen.

Im Pandemieherbst 2020 sind Innenstadtbesucher in 107 deutschen Städten aller Größen und Regionen befragt worden. Erreichbarkeit, Einkaufsverhalten, Corona – das unter anderem waren die Themen. Bremen wird dabei in der „Ortsgrößenklasse“ mit mehr als 500 000 Einwohnern mit Düsseldorf, Dortmund, Hannover, Köln, Leipzig und Stuttgart verglichen.

Die Studie zeigt, dass Besucher der Bremer Innenstadt – ähnlich wie bei einer vorherigen Erhebung im Jahr 2018 –zu 62,5 Prozent aus Bremen und zu 37,5 Prozent aus dem Umland kommen. 36,9 Prozent der Befragten erklären, die Innenstadt wegen der Corona-Krise seltener zu besuchen. Die Attraktivität der City wird erneut mit der Gesamtnote 3 bewertet – „befriedigend“. „Insbesondere im Bereich der Freizeit-, Dienstleistungs- und Veranstaltungsangebote sowie der Digitalisierung gibt es noch Aufholbedarf“, heißt es bei der City-Initiative.

Einkaufsbummel bleibt City-Thema Nummer Eins

Und während alle Welt vom zukünftigen Wohnen in der City schwärmt, ergibt die Umfrage: „Nach wie vor ist der Einkaufsbummel das Motiv Nummer Eins, um in die Bremer Innenstadt zu kommen.“ Allerdings bekommt auch das Einzelhandelsangebot insgesamt nur die Schulnote 3. Einige Branchen verschlechterten sich im Vergleich zu 2018: Bekleidung von 2,4 auf 2,8; Sport, Spiel und Hobby von 2,6 auf 3,1. „Gut“ schneiden Bücher, Drogerien und Apotheken ab.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass im Einzelhandel der größte Handlungsbedarf besteht, aber auch das größte Verbesserungspotenzial liegt“, so Carolin Reuther, die Geschäftsführerin der City-Initiative. „Innovative Zwischennutzungskonzepte und die aktuellen Wettbewerbe um Pop-up- und Concept-Stores können dafür erste starke Impulse geben. Gleichzeitig ist es wichtig, die seit langem besprochene Nutzungsdurchmischung voranzutreiben, ein Mehr an Wohnen, Bildung, Handwerk, Freizeit und Erlebnis zu schaffen.“ Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke): „Wir müssen am Hauptbesuchsgrund, dem Einkaufserlebnis, weiter arbeiten.“

Mittelmäßige Noten für Sauberkeit und Parken

Aspekte wie Sauberkeit, Sicherheit und Verweilmöglichkeiten werden in der Umfrage mit der Note mit 2,7 bewertet – schlechter als 2018 und schlechter als der Durchschnitt der „Ortsgrößenklasse“ (jeweils 2,4). Nur eine 2,7 gibt‘s auch für die Erreichbarkeit mit Auto und Motorrad; die Parkmöglichkeiten liegen unverändert bei 3,3 – beide Werte entsprechen dem Durchschnitt, heißt es. Besser als im Durchschnitt der Vergleichsstädte wird die Erreichbarkeit der City per Fahrrad benotet – mit 1,8 nämlich (Durchschnitt 2,2).

Thema Sauberkeit: Taubenkot sorgt in der Lloyd-Passage für Probleme.

Die Studie zeige „deutlich“, dass die Bremer Innenstadt „vor enormen Herausforderungen steht“, sagt Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer. „Der Handel bleibt ein zentraler Anziehungspunkt für die Menschen, muss aber um vielfältige Gastronomie, Arbeits- und Freizeitangebote und nicht zuletzt um innerstädtisches Wohnen ergänzt werden.“ Fonger wiederholt die Forderung des „Aktionsbündnisses Innenstadt“ nach einem „umsetzungsorientierten Masterplan“ für die City.

Denn: City-Bewohner „beleben die Innenstadt und stärken die Umsätze“, sagt Senatorin Schaefer. Was die Anzahl der Radfahrer betrifft, sieht sie „Ausbaupotenzial“.

Mehr Pendler sollen mit Zug und Rad fahren

Dabei denkt sie offenbar auch an Pendler. Motto: „Mit dem Fahrrad zum Bahnhof“. Pendlern, die für ihren (Arbeits-) Weg die Kombination aus Zug und Fahrrad wählen, stehen gegenwärtig 4 500 Fahrradstellplätze an Bremer Bahnhöfen sowie in der Fahrradstation am Hauptbahnhof zur Verfügung.

Bis Ende 2025 soll das „Bike-and-Ride“-Angebot an 14 Bahnhöfen im Stadtgebiet für 4,2 Millionen Euro verbessert werden, kündigte Schaefers Ressort am Donnerstag an. Der Bund beteilige sich mit Fördermitteln „in Höhe von 75 bis 80 Prozent der Gesamtkosten“ daran.

Geplant sind mehr als 1 000 neue Stellplätze, bessere Beleuchtung an den Abstellstationen; dazu mehr Sicherheit, mehr Dächer, mehr Lademöglichkeiten. Die Parkraumgesellschaft Brepark soll die neuen „Bike-and-Ride“-Anlagen aus Holz und Stahl bewirtschaften. Los geht‘s nicht in der City, sondern an den Bahnhöfen Mahndorf und Neustadt.

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