Vor 60 Jahren: NDL nimmt seinen Passagierdienst nach Ostasien wieder auf

Im Nordseesturm erprobt

Mit dem Kombischiff „Schwabenstein“ nahm der Norddeutsche Lloyd vor 60 Jahren seinen Dienst nach Ostasien wieder auf. Doch das Projekt erwies sich als Zuschussgeschäft.
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Mit dem Kombischiff „Schwabenstein“ nahm der Norddeutsche Lloyd vor 60 Jahren seinen Dienst nach Ostasien wieder auf. Doch das Projekt erwies sich als Zuschussgeschäft.

Bremen - Von Harald Focke„Ein Schiff, wie wir es heute brauchen“, urteilte der damalige Bundesverkehrsminister Hans Christoph Seebohm, als er in Bremen die „Schwabenstein“ des Norddeutschen Lloyd (NDL) vor seiner Jungfernfahrt nach Yokohama besichtigte. Mit dem neuen Kombischiff nahm der Lloyd vor 60 Jahren am 28. Januar 1954 seinen Passagierdienst nach Ostasien wieder auf, der seit 1939 unterbrochen war.

Obwohl Mitte Januar ein Orkan über die Nordsee gefegt war, hatte der Lloyd die „Schwabenstein“ mit Kapitän Heinz Vollmers auf Probefahrt in die Nordsee geschickt. Der Sturm trieb sie mit über 18 Knoten vor sich her, mehr als ihre Dienstgeschwindigkeit. Zurück nach Bremerhaven brauchte sie die vierfache Zeit.

Gleich in der ersten Phase des Wiederaufbaus hatte der Lloyd Anfang der 50er Jahre beim Bremer Vulkan in Vegesack drei Ostasien-Liner bestellt. Die baugleichen „Hessenstein“ und „Bayernstein“ folgten der „Schwabenstein“ im Juni 1954 und Januar 1955. Sie waren fast 165 Meter lang und beförderten außer Fracht 85 Passagiere erster Klasse.

Formal gehörten die Schiffe der Orlanda-Reederei, einer Tochter des Lloyd. Der charterte sie, um nicht mit ihnen für seine Vorkriegsschulden im Ausland haften zu müssen. Nach dem Londoner Schuldenabkommen war das Provisorium im Mai 1955 zu Ende.

Über ihre eigentliche Aufgabe hinaus, Fahrgäste und Ladung sicher zu transportieren, sollte die „Schwabenstein“ international um Sympathien für den Lloyd werben und Kontakte aus der Vorkriegszeit neu beleben. Mehr als drei Monate dauerte die Rundreise von Bremen über Southampton und Antwerpen durch das Mittelmeer und den Suez kanal nach Singapur, Manila, Hongkong bis Yokohama und zurück. Vor dem Krieg hatte der NDL auf dieser Route die Schnelldampfer „Potsdam“, „Gneisenau“ und „Scharnhorst“ eingesetzt.

Ihre Nachfolger waren kleiner und langsamer. Beim Komfort konnten sie bedingt mithalten. Alle Kabinen lagen außen und boten Klimaanlage, Bad oder Dusche und Toilette; die Gesellschaftsräume aber waren allein wegen der Größe nicht vergleichbar.

An Bord waren zunächst oft mehr Briten als Bundesbürger. Denen fehlte noch das Geld. Anfangs haperte es auch mit der Ladung. Der Handel zwischen Asien und Deutschland war kaum entwickelt. In Fernost fehlte es an Kaufkraft für deutsche Maschinen, und den Deutschen konnten die Asiaten damals noch nicht viel bieten. Das sollte sich bald ändern.

Vermutlich hat der Lloyd mit seinen Ostasien-Kombis kaum Geld verdient. Nach nur zwölf Dienstjahren verkaufte er sie 1967 noch vor der Container-Zeit. In den Jahren 1978 und 1979 endeten die drei Bremer Schiffe auf der Abwrackwerft.

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