Bremen: Freiwillige Tests für Schüler

Noch weniger Leben

 André Vater mit Handy und Maske vor einer Stellwand mit QR-Code.
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Per Handy und QR-Code: André Vater, Vorstandsvorsitzender der Bremer Heimstiftung, zeigt, wie einfach die Registrierung über Alert Germany funktioniert.

Bremen bleibt auf Linie. Der Lockdown wird verlängert. Die Präsenzpflicht an Schulen wird eine weitere Woche aufgehoben.

  • Das Leben verharrt im Stand-by-Modus.
  • Bildungsressort bietet Coronatests für alle Schüler an.
  • Maskenverweigerer sorgen für Ärger.

Bremen – Weiter geht’s. Auch im Land Bremen wird der Lockdown bis 31. Januar verlängert, das öffentliche Leben verharrt im Stand-by-Modus. Einzelhandelsgeschäfte, Frisörsalons, Tattoostudios, Sporthallen, Hotels, Restaurants, Clubs und Kneipen bleiben geschlossen. Und die Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich sollen noch einmal massiv verschärft werden. Soll heißen: Es geht fast gar nichts mehr. Ein Haushalt darf noch eine nicht im Haushalt lebende Person empfangen. Die sozialen Kontakte werden gegen Null gefahren. Kinder allerdings werden in Bremen dabei nicht mitgezählt.

Der Lockdown müsse „leider“ verlängert werden, weil die Zahlen noch zu hoch seien und große Unsicherheit wegen der Virusmutation aus Großbritannien herrsche. „Ziel bleibt es, durch die Verlängerung bis Ende Januar an Sicherheit zu gewinnen und das Infektionsgeschehen weiter zu drücken“, sagte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) am Abend. Ein Inzidenzwert von unter 50 bleibe die angestrebte Marke. 

Die Präsenzpflicht in den Schulen wird auch in der Wochen vom 11. bis 15. Januar aufgehoben, die Ferien werden allerdings nicht verlängert. Die Schulen bleiben grundsätzlich offen. Es werde Präsenz- und Distanzunterricht erteilt. Außerdem können sich ab Donnerstag alle 73 000 Schülerinnen und Schüler sowie die 11 200 Beschäftigten der Schulen auf Covid-19 testen lassen. Die PCR-Tests seien freiwillig und kostenlos, teilte das Bildungsressort mit. Die Aktion solle sicherstellen, dass keine große Zahl an Infizierten aus den Ferien in die Schulen zurückkehrt, hieß es. Außerdem könne so das Infektionsgeschehen in den Schulen besser eingeschätzt werden. Die Testergebnisse sollen binnen 24 bis 36 Stunden nach dem Test vorliegen.

GEW fordert Distanzlernen mit Notbetreuung

Aus Sicht der Lehrergewerkschaft GEW ist es „unverständlich, warum in Bremen lediglich die Präsenzpflicht aufgehoben wird, statt klar zu sagen, dass Distanzlernen mit Notbetreuung ergänzt wird.“ Landesvorstandssprecher Jan Ströh sagt: „Der Konflikt wird dadurch einfach den Familien aufgebürdet und für die Schulen ist die Situation schwer planbar.“ Gleichzeitig gelte es jetzt, die Zeit bis Ende Januar zu nutzen, tragfähige Lösungen zu entwickeln, die es ermöglichen Schulen wieder so zu öffnen, dass Bildung und Gesundheitsschutz zu vereinen sind. „Dazu muss das pädagogische Personal aufgestockt werden, um mindestens bis Ostern mit kleineren Gruppen im Wechselunterricht zu arbeiten und entsprechende Betreuungsangebote machen zu können, die sowohl jüngere als auch bildungsbenachteiligte Schüler unterstützen“, ergänzt Landesvorstandssprecherin Elke Suhr.

Maskenverweigerer sorgen für Ärger

Uneinsichtige Zeitgenossen sorgen derweil weiter für Schlagzeilen. So haben zwei aggressive Maskenverweigerer in Walle einen 51-jährigen Mann am Kopf verletzt. Die 40 und 45   Jahre alten Männer wurden vorübergehend festgenommen, sagte am Dienstag Polizeisprecherin Franka Haedke. Ihren Angaben nach hatte der Streit am Vorabend in einer Straßenbahn begonnen, in der die zwei Männer Alkohol tranken, laut Musik hörten und keinen Mund-Nasen-Schutz trugen. Als Fahrgäste sich beschwerten, wurden die Männer aggressiv. Ihr Ärger richtete sich vor allem gegen den 51-Jährigen. Als dieser ausstieg, folgten sie ihm und griffen ihn an. Durch einen Schlag mit einer Glasflasche erlitt er eine Platzwunde am Kopf. Gegen die 40 und 45 Jahre alten Männer laufen Verfahren wegen Körperverletzung und Verstoßes gegen die Coronaregeln.

Am späten Montagabend hat ein 24-jähriger Maskenverweigerer im Hauptbahnhof Sicherheitsdienstmitarbeiter der Bahn angegriffen. Nach Angaben von Bundespolizeisprecher Holger Jureczko eskalierte die Situation, als die Bahn-Leute den maskenlosen 24-Jährigen zum Ausgang schieben wollten. „Es flogen die Fäuste, ein Bahn-Mitarbeiter erlitt Hautabschürfungen am Kopf“, so Jureczko. Ein unbekannter Zeuge half, den 24-Jährigen zu Boden zu bringen und zu fixieren. Bundespolizisten nahmen ihn zur Vernehmung mit auf die Wache. Ermittlungen wegen Körperverletzung dauern an.

Neues digitales System

Als nach eigenen Angaben bundesweit erste Sozialeinrichtung setzt die Bremer Heimstiftung ein neues digitales System ein, um Falle eines Corona-Ausbruchs die Nachverfolgung von Kontakten durch die Gesundheitsämter zu erleichtern. Besucher der Altenhilfeeinrichtungen des mit mehr als 30 Standorten, rund 3 000 Wohn- und Pflegeplätzen und 2 500 Mitarbeitern nach eigenen Angaben größten Pflegeanbieters in Bremen könnten sich über die Kamerafunktion ihres Handys mittels eines QR-Codes in den Eingangsbereichen der Häuser im System „Alert Germany“ registrieren, teilte die Stiftung am Dienstag mit. Die dort hinterlassenen Daten seien mit Ausnahme der Telefonnummer verschlüsselt und würden bei Bedarf dem zuständigen Gesundheitsamt übermittelt.

Der Einsatz von „Alert Germany“ entlaste die Gesundheitsämter, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bremer Heimstiftung, André Vater. „Mit der Einführung des neuen Systems wird die Zettelwirtschaft als Registrierungsmaßnahme beendet.“ Das System sei nach allen datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten geprüft, sagte Vater.

Derweil hat eine Umfrage des Regionalmagazins „buten un binnen“ ergeben, dass sich die Bewohner von Pflegeheimen zum größten Teil gegen Corona impfen lassen wollen. Unter den Altenpflegekräften ist die Impfbereitschaft aber geringer. Auf gerade mal 30 bis 40 Prozent schätzt die Pflegedirektorin der Bremer Heimstiftung, Susanne Brockmann, den Anteil der Impfwilligen unter den Beschäftigten.

138 Neuinfektionen

Das Gesundheitsressort hat am Mittwoch für das Land Bremen 138 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet, 121 in der Stadt Bremen und 17 in Bremerhaven. Es wurde kein weiteres Todesopfer registriert. Damit sind im kleinsten Bundesland seit Beginn der Pandemie 210 Menschen mit oder an Corona gestorben. Derzeit sind 1 149 Menschen im Land Bremen aktiv infiziert. Die Inzidenzwerte sind auf 75,2 in Bremen und 56,1 in Bremerhaven erneut leicht gesunken. In den Bremer Kliniken werden 148 Corona-Patienten stationär behandelt, davon 23 auf Intensivstationen, von denen elf beatmet werden. Die Gesamtzahl der Corona-Impfungen im Land Bremen ist laut Gesundheitsressort auf 3 480 gestiegen.

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