Rückzug des Sponsors und Massenentlassung: „Center TV“ in Schwierigkeiten

Noch längere Sendeschleife

Bremen - Von Klaus WolschnerNein, eine gütliche Einigung gab es nicht: Vor dem Arbeitsgericht traf „Executive Producer“ Malte Bastian – das ist so etwas wie ein Chefredakteur – auf den Anwalt von „Center TV“. Bastian war im November ohne Angaben von Gründen mit sofortiger Wirkung „freigestellt“ worden,

Er klagt gegen seine Kündigung, die Center TV nach der Freistellung nachgeschoben hatte. Auch anderen geht es nicht besser: Mehr als ein Viertel der Beschäftigten soll raus, darunter auch der IT-Chef. Das gilt arbeitsrechtlich als „Massenentlassung“, mit dem Betriebsrat von Center TV wird über einen Sozialplan und Abfindungen verhandelt. Die liegen aber kaum über ein oder zwei Monatsgehältern – „Center TV“ Bremen gibt es erst seit fünf Jahren und die meisten der Rausgeworfenen waren nicht lange dabei.

Begründung für die Massenentlassungen: „Den Wegfall eines Hauptwerbepartners gilt es zu kompensieren.“ Von „Aufrechterhaltung der Qualität“, „Verdichtung des Programms“ und „Verbesserung der Kostenstruktur“ ist die Rede. Konkret: Bisher hatte „Center TV“ täglich zwei Stunden Fernsehen produziert, der Rest läuft in einer Sendeschleife. Die Programmgestaltung ist Bestandteil der Lizenz privater Sender. Mitte Januar hat „Center TV“ beim Landesmedienrat die Genehmigung dafür beantragt, in Zukunft nur noch eine Stunde „frisch“ zu produzieren.

Der „Hauptwerbepartner“, der weggefallen ist, heißt Sparkasse Bremen. Beinahe 300 000 Euro hat sie pro Jahr über „Werbung“ und Sponsoring zugeschossen. Auch ihre Gesellschafteranteile (15 Prozent) soll die Sparkasse gekündigt haben – fristgerecht zum 31. Dezember, so sagen für gewöhnlich gut unterrichtete Kreise. Die Sparkasse bestätigt den Sponsoring-Rückzug, dementiert aber die Kündigung der Anteile.

Andere Gesellschafter, die Sparkassen-Anteile übernehmen könnten, wären die Weser-Kurier-Gruppe (bisher 21,6 Prozent) und die EWE-Medientochter new content Media Group (49,9 Prozent). Der Geschäftsführer von „Center TV“, Ralf-Richard Becker, ein gelernter Autoverkäufer, sucht derweil neue „Sponsoren“.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von „Center TV“ sind nicht neu. „Bereits im Jahresabschluss für 2011 wies der Sender einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 141 000 Euro aus“, berichtete der Medienbranchendienst „Kress-Report“. Auch andere „Center-TV“-Heimatsender, etwa in Aachen oder Köln, haben wirtschaftliche Schwierigkeiten. Vor einem Jahr hat der Regionalsender „Center TV“ Ruhr Konkurs angemeldet. „Der Sendebetrieb aus dem Studio in Aachen ist eingestellt“, heißt es auf der Webseite von „Center TV“ Aachen. Auf der Internetseite von „Center TV“ Bremen steht über die Halbierung des aktuell produzierten Programms kein Wort.

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