„Positive Effekte“

CDU nimmt Medizin-Studiengang in Konzept „Bremen 2035“ auf

Hier könnte nach den Vorstellungen der CDU der Medizin-Campus für den klinischen Teil der Ausbildung entstehen: das Gebäude der Prof.-Hess-Kinderklinik entlang der Bismarckstraße. J Foto: Sussek
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Hier könnte nach den Vorstellungen der CDU der Medizin-Campus für den klinischen Teil der Ausbildung entstehen: das Gebäude der Prof.-Hess-Kinderklinik entlang der Bismarckstraße.

Bremen - Von Ralf Sussek. Eine Vollfakultät für Medizin in Bremen? Die CDU findet die Idee schlüssig. Und die Fraktion hat am Montag einen entsprechenden Antrag beschlossen. Danach soll die Bürgerschaft beschließen, dass der rot-grüne Bremer Senat eine Machbarkeitsstudie zur Gründung einer solchen Fakultät an der Universität in Auftrag gibt.

Das Projekt reiht sich in das CDU-Konzept „Bremen 2035“ ein. Unter diesem Titel hatte die CDU-Fraktion vor einem guten Jahr ihre Kriterien zur Nutzung der finanziellen Handlungsspielräume ab 2020 vorgestellt. Das Ziel: die Schulden des Landes signifikant abzubauen und gleichzeitig die Wirtschafts- und Finanzkraft durch Investitionen zu stärken.

Die zusätzlichen 400 Millionen Euro sollen nach dem Willen der Christdemokraten komplett in die Schuldentilgung fließen. Die sich daraus ergebenden Zinseinsparungen (2021 bis 2035 1,44 Milliarden Euro) plus die jährlichen 87 Millionen Euro aus der Umsatzsteuerverteilung (insgesamt bis 2035 1,39 Milliarden Euro) sollen dagegen für Investitionen eingesetzt werden.

Die Projekte müssen demnach finanz- und wirtschaftsstärkende Kriterien erfüllen oder die Verbesserung der Bildung zum Ziel haben. Zwei Projekte hat die CDU bereits vorgestellt: der Neustädter Hafen als Wohnquartier sowie die Abschaffung der Kita-Gebühren. Nun also der dritte Vorschlag.

Meyer-Heder sieht gute Voraussetzungen

„Eine medizinische Fakultät wäre kein reiner Ausgabeposten – im Gegenteil: Wirtschaftswachstum, Ausgründungen, neue Arbeitsplätze und neue Einwohner für das Land brächten positive Effekte mit sich“, sagte CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder am Montag. Gute Voraussetzungen für die Einrichtung sieht er in der wissenschaftlichen Landschaft Bremens mit dem Uni-Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften, mehreren naturwissenschaftlichen Instituten und darin, dass alle größeren Kliniken als Lehrkrankenhäuser für die Universitätsmedizin in Göttingen, Hannover und Hamburg fungieren. 

„Erfahrung, Ausbildungskapazitäten, lehrfähiges Personal und fachliche Breite wären höchstwahrscheinlich schon jetzt in Grundzügen sichergestellt“. so Meyer-Heder. Durch die Umstrukturierung des Klinikums Bremen Mitte (KBM) und die Eröffnung des Teil- und Ersatzneubaus würden hochmoderne Räumlichkeiten zur Verfügung stehen.

„Angestrebt sind zunächst 100 Plätze“, ergänzte der Fraktionsvorsitzende Thomas Röwekamp. Er plädiert für eine „Vollversion“ der medizinischen Ausbildung. „Das würde der Uni nach dem Verlust des Exzellenzstatus bei einer neuen Bewerbungsrunde einen ordentlichen Schub geben. Bei einer Trennung würde der Wissenschaftsstandort kaum profitieren. Auch sonst ergibt sie keinen Sinn.“

Langfristig mindestens 100 Millionen Euro jährlich

Das heißt: Ein vorklinischer Teil soll auf dem Campus der Universität Bremen angesiedelt werden, um auf die dort schon existierenden Strukturen aufzubauen. Am klinischen Teil sollen sich alle Krankenhäuser gleichberechtigt beteiligen, ob städtisch oder in freier Trägerschaft.

Ein Medizincampus könnte laut CDU auf dem Gelände des KBM entstehen. Röwekamp: „Da böten sich die Bestandsgebäude der Prof.-Hess-Kinderklinik oder der Augenklinik an. Die Wohnbebauung im Hulsberg-Viertel soll so wenig wie möglich beeinträchtigt werden.“

In der Gründungsphase geht die CDU von mindestens 25 Millionen Euro pro Jahr aus. Langfristig müssten jährlich mindestens 100 Millionen Euro aufgewandt werden. „Es wäre ein finanzieller Kraftakt für Bremen, aber eben auch mit Potenzialen und Chancen“, so Röwekamp.

Gesundheitssenatorin Quante-Brandt (SPD) hat für das Vorhaben bereits Ablehnung signalisiert. Zu teuer, so das Argument. Heißt: kein Medizin-Studiengang. Für eine rein klinische Lösung mit Anbindung an das KBM sei man aber aufgeschlossen, hieß es auf Nachfrage dieser Zeitung.

Kommentar: Spannende Idee

Von Elisabeth Gnuschke

Endlich mal eine frische, eine spannende Idee aus der Politik! Das gibt es viel zu wenig. Die CDU möchte in Bremen einen Medizin-Studiengang aufbauen. Warum eigentlich nicht? Die Universität, die ihr Image der „roten Kaderschmiede“ lange abgestreift und sich einen sehr guten (zeitweise sogar amtlich bestätigten exzellenten) Ruf erarbeitet hat, bietet den Fachbereich Gesundheitswissenschaften. Es gibt zudem Berührungspunkte mit anderen Bremer Hochschulen sowie namhaften außeruniversitären Einrichtungen wie beispielsweise dem Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin (Mevis). 100 Studienplätze möchte die CDU einrichten. 

Ja, das kostet. Erstmal um die 25 Millionen Euro für die Einrichtung, später wohl etwa 100 Millionen Euro jährlich. Das ist – in der Tat – eine enorme Herausforderung. Doch die sollte die Politik annehmen. In der gesamten Region fehlen Ärzte. Das Studium lässt sich mit Auflagen verbinden, so, dass auch das Umland von Bremen profitieren könnte. Und Bremen selbst muss endlich mal mutig sein, etwas Neues anpacken und nicht immer nur sein Image als Armenhaus der Republik betonen. Recht hat die CDU, wenn sie das Jammern beenden und für Aufbruch stehen will. Die Herausforderung wird nach der Wahl im Mai 2019 vermutlich nicht das (jetzt noch) SPD-geführte Gesundheitsressort sein, dem ein Medizin-Studiengang zu teuer ist, sondern das Anwerben von klinischem und wissenschaftlichem Fachpersonal.

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