Ein weiterer schwerer Schlag für die Innenstadt

Niedergang der Bremer City: Modehaus Zara schließt - Parken soll bald teurer werden

Das spanische Modehaus Zara an der Obernstraße ist 2014 eröffnet worden.
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Das spanische Modehaus Zara an der Obernstraße ist 2014 eröffnet worden.
  • Thomas Kuzaj
    vonThomas Kuzaj
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Bremen – Nach der angekündigten Kaufhof-Schließung und dem Aus für die Neubaupläne auf dem Sparkassen-Areal am Brill setzt sich der Niedergang der Bremer Innenstadt fort: Karstadt Sports (Sögestraße) wird ebenfalls geschlossen. Und auch die Modekette Zara (Obernstraße) macht dicht. Unterdessen will das Verkehrsressort das Parken in der Innenstadt deutlich teurer machen – Ziel: 3,20 Euro pro Stunde.

  • Es haben in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt in Bremen schließen müssen
  • Nach dem Galeria-Kaufhof-Aus, verabschiedet sich jetzt auch das Modehaus Zara aus der Bremer City
  • Aber es kommt noch schlimmer: Eine extreme Erhöhung der Parkgebühren ist geplant

Niedergang der Bremer City: Zara verlässt die Obernstraße - Karstadt Sports schließt Filiale an der Sögestraße

Was war der Jubel groß, als Zara im April 2014 mit seiner damals 73. Filiale die City in Bremen beehrte. Die Bremer empfingen das spanische Unternehmen mit offenen Armen, das neue Geschäft im früheren Brinkmann-Haus galt als Aufwertung. „Das stärkt unsere Innenstadt und die Obernstraße bekommt neuen Schwung“, so die City-Initiative. Chef-Wirtschaftsförderer Andreas Heyer sprach von einer „erstklassigen“ Nachricht: „Das ist ein großer Zuwachs für die Bremer Innenstadt. Mit der Ansiedlung wird die Attraktivität der City gesteigert und Bremen gewinnt eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze hinzu.“

Nun wird Bremen sie wieder verlieren. 43 Mitarbeiter sind bei Zara in der Obernstraße beschäftigt, heißt es bei der Gewerkschaft Verdi. Dem Betriebsrat soll die unfrohe Botschaft der Filialschließung am Dienstagnachmittag überbracht worden sein. Die Beschäftigten wurden am Dienstagabend von der Nachricht überrascht. Gerade die Textilwirtschaft, sagt Carolin Reuther von der City-Initiative, ist für die Innenstadt „absolut wichtig“. Ein weiterer schwerer Schlag für die City ist die Schließung des Geschäfts von Karstadt Sports (früher: Karstadt-Sporthaus) an der Sögestraße. Nach Medienberichten soll das Haus schon Ende Oktober schließen, noch vor der heißen Phase des Weihnachtsgeschäfts also. Dem Vernehmen nach ist den etwa 40 Bremer Beschäftigten mitgeteilt worden, dass es sich bei dem Bremer Haus um eine „Schließungsfiliale“ handele. Neben den Mitarbeitern sind von den Schließungen der großen Häuser noch mehr Menschen betroffen – Reinigungs- und Schließdienste verlieren Aufträge, Untermieter wie Cafés und Friseurbetriebe Kundenfrequenz.

Im Galeria-Kaufhof-Gebäude, das der Frankfurter Investmentgesellschaft DIC-Gruppe gehört, gibt es einen Edeka-Supermarkt im Untergeschoss. In den oberen Etagen liegt der Elektromarkt Saturn. „Aktuell prüfen und bewerten wir die Situation und befinden uns hierzu auch in Gesprächen mit allen Beteiligten. Der Standort des Saturn-Marktes in der Papenstraße ist für unsere Kunden absolut relevant und damit auch für uns weiterhin interessant“, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens auf Nachfrage.

Niedergang der Bremer City: Parkgebühren sollen erhöht werden - 3,20 Euro pro Stunde in der Innenstadt

Während der Einzelhandel – auch mit innovativen Konzepten – gegen den Niedergang der Bremer Innenstadt ankämpft, erinnert sich das Verkehrsressort von Senatorin Maike Schaefer (Grüne) an die im rot-grün-roten Koalitionsvertrag erwähnte Anpassung der Innenstadt-Parkgebühren. Anpassung bedeutet natürlich: Erhöhung. Eigentlich sollte das Thema am Dienstag im Senat behandelt werden. Dann flog es überraschend von der Tagesordnung. Warum? „Es gibt noch Beratungsbedarf“, hieß es dazu am Mittwoch im Ressort. Am Donnerstag sollte das Thema in der Deputation drankommen. Mittwoch wurde es zurückgezogen.

Insgesamt geht es laut Vorlage um Verkehrslenkung durch Parkraumbewirtschaftung. Die Parkgebühren sind seit 2006 nicht erhöht worden. In Zone 1 (Altstadt, Bahnhofsvorstadt) betragen sie 50 Cent für jede angefangene Viertelstunde, in Zone 2 (Uni) 50 Cent je angefangene Stunde; in Zone 3 (übriges Stadtgebiet) kostet‘s für jede angefangene halbe Stunde 50 Cent. Gutachter hatten dem Ressort 2018 vorgeschlagen, die Gebühren jeweils auf 60 Cent zu erhöhen.

Doch Maike Schaefer will mehr. Nämlich jeweils 80 Cent. „Die Parkgebühr beträgt somit künftig beispielsweise für eine Stunde Parken im öffentlichen Straßenraum in der Innenstadt 3,20 Euro. Im Vergleich dazu betragen die Parkgebühren in den innerstädtischen Parkhäusern der Brepark je angefangene 30 Minuten 90 Cent, das heißt: eine Stunde Parken kostet dort 1,80 Euro“, heißt es in der Vorlage.

Niedergang der Bremer City: Parkhöchstdauer soll in Innenstadt auf 90 Minuten gesenkt werden

In der Innenstadt (190 Parkscheinautomaten) sollte die Parkhöchstdauer zudem noch in diesem Jahr von 120 Minuten auf 90 Minuten gesenkt werden. Parkgebühren sind auch für neue Bereiche geplant, so für die 180 Parkplätze unterhalb der Hochbrücke der B6. Auch Tagestickets sind vorgesehen. Für 2021 werden im Vergleich zum laufenden Jahr „Mehreinnahmen von geschätzt 699 000 Euro“ erwartet.

Aber wie gesagt – der Senatsbeschluss dazu blieb aus, Thema zurückgezogen, Pläne ausgebremst. Es bleibt der Gesprächsbedarf.

Das Thema jetzt aufzubringen, sei das „falsche Signal“ gewesen, so Carolin Reuther von der City-Initiative. „Ich bin froh, dass die Vorlage vom Tisch ist.“ Und: „Es sollten keine Mobilitätsgruppen ausgeschlossen werden.“ Wichtig sei ein ganzheitliches Verkehrskonzept, das auch Aufenthaltsqualität schaffe.

Zum Niedergang der Bremer Innenstadt ein Kommentar von Thomas Kuzaj: „Gefährliche Tiefschläge“

Galeria Kaufhof dicht, Karstadt Sports dicht, Zara dicht – die Kette schlechter Nachrichten aus der Bremer Innenstadt reißt nicht ab. Dass die Pläne von US-Architekturstar Daniel Libeskind für das Sparkassen-Areal nicht verwirklicht werden, wirkt vor diesem Hintergrund als noch stärkerer Tiefschlag. Denn wenn der Einzelhandel allein nicht mehr stark genug ist, um Innenstädte zu füllen, dann muss etwas anderes an seine Seite treten. Zum Beispiel Architektur, über die man spricht. Wohnraum, Leben, Gastronomie. Stattdessen nun am Brill: Büroflächen. In einer Zeit, in der Unternehmen zunehmend auf Home Office setzen…

Was bekommt die Bremer Innenstadt? Schauen wir uns um: Imbisskost in der Sögestraße („Gyros, Pizza, Pasta“), demnächst folgt ein Drogeriemarkt im Roland-Haus an der Ecke von Sögestraße und Lloydpassage – das kann nicht die Zukunft der Bremer City sein, das gibt es in ausreichender Fülle schon anderswo. Billig-Läden, wie sie sich in City-Lagen ausbreiten, ebenfalls.

Einziger Lichtblick ist da das soeben fertiggestellte Johann-Jacobs-Haus an der Obernstraße. Es wurde geplant, als Aufbruchstimmung herrschte – Aufbruchstimmung auch wegen der Pläne des Investors Kurt Zech, der das Parkhaus Mitte abreißen und rundherum etwas Neues aufbauen will, ein neu gedachtes Herz der Stadt. Die zunehmende Zahl der Rück- und Tiefschläge aber ist nicht gut für die Atmosphäre des Aufbruchs. Bremen muss aufpassen, dass die Stimmung nicht kippt!

In diesem Zusammenhang wirkt die Nachricht von einer geplanten Erhöhung der Parkgebühren, nun ja, nicht gerade stimmungsaufhellend. 3,20 Euro pro Stunde für das Parken in der Bremer Innenstadt? Das trifft vor allem jene, die nicht mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Einkaufsbummel in die Stadt kommen – es trifft die Menschen aus dem Umland. 3,20 Euro pro Stunde, um durch Drogeriemärkte und Imbissbetriebe zu bummeln? Nein, danke.

Von Thomas Kuzaj

Niedergang der Bremer City: Diese Geschäfte haben bereits die Innenstadt verlassen

  • Galeria Karstadt Kaufhof: Die Warenhauskette kündigte kürzlich seine Schließung in der Bremer Innenstadt an. Wann es soweit sein wird, ist noch nichts bekannt.
  • Karstadt Sports: Auch der Standort der Tochter des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof soll voraussichtlich Ende Oktober geschlossen werden.
  • H. W. Meyer: Das alteingesessene Modehaus am Hanseatenhof verschwand Ende 2012 aus dem Bremer Stadtbild.
  • Roland-Kleidung: Das Fachgeschäft für Damen- und Herrenmode an der Sögestraße schloss Ende 2018.
  • Kult: Die Modekette verabschiedete sich 2019 von ihrem Standort an der Sögestraße und eröffnete ein Geschäft im Weserpark. Auch in der Waterfront ist die Görgens-Gruppe mit Kult und Olymp & Hades vertreten.
  • United Colors of Benetton: Das italienische Modeunternehmen zog sich 2019 aus der Filiale an der Obernstraße zurück. Im Weserpark gibt es allerdings noch einen Store.
  • Esprit: Die Modekette schloss im Juni 2019 ihre Filiale in der Bremer Obernstraße. Esprit ist jedoch auch weiterhin in der Waterfront zu finden.
  • Brax: Das Modegeschäft verabschiedete sich Mitte Mai 2019 von der Bremer Innenstadt, bleibt allerdings auch weiterhin im Outlet bestehen.
  • Mango: Die Modekette zog 2019 aus ihrer Filiale an der Obernstraße aus. In der City war zwar Schluss, der Store ist aber auch weiterhin im Weserpark zu finden.
  • Hespen: Das Modehaus Karl Hespen Am Wall bot Markenkleidung für Frauen an. Es musste jedoch 2013 schließen.
  • Schuhhaus Wachendorf: 2016 ging Inhaber Peter Schöler in den Ruhestand und auch sein Schuhgeschäft verschwand damit aus der Bremer Innenstadt.
  • William: Herrenausstatter Conrad Stindt zog sich Ende August 2017 mit seinem Geschäft an der Knochenhauerstraße aus der City zurück.
  • Runners Point: Das Schuhgeschäft gab den Standort an der Sögestraße auf und ist somit nur noch in der Waterfront vertreten.
  • Timberland: Der Store war früher einmal am Schüsselkorb zu finden.
  • Promod: Die Modekette hat in Deutschland Insolvenz angemeldet und ist aus der Filiale an der Obernstraße ausgezogen.
  • Zara: Die Modekette kündigte jetzt ihre Schließung in der Obernstraße an.

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