„Discomeilen-Prozess“: Verteidigung fordert Freisprüche für Brüder

„Nicht mehr seriös aufklärbar“

Bremen - Von Judith ChristiansenBREMEN · „Freispruch“, so die Forderung der Verteidiger für die beiden Angeklagten im so genannten „Discomeilen-Prozess“ vor dem Bremer Landgericht. Obwohl zuletzt verkündet worden war, dass die Schlussvorträge der Verteidigung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden würden, durfte diese gestern doch mithören.

Angeklagt sind zwei 29- und 33-jährigen Brüder, weil sie im Januar 2006 vor der Bar „Tollhaus“ auf mehrere Personen geschossen haben sollen. Ursache der Schießerei war eine Auseinandersetzung zweier „Türsteherclans“. Bei zwei der angeschossenen Personen sei es lediglich Glück gewesen, dass sie nicht gestorben seien, so der Staatsanwalt. Eines der Opfer wurde ins Bein und den Fuß getroffen, ein anderes am Bauch verletzt. Eine dritte Person soll einen Streifschuss an der Hüfte erlitten haben und eine weitere Person einen Lungendurchschuss.

„Die Vorgänge sind nicht mehr seriös aufklärbar“, so Verteidiger Dr. Stefan Hoffmann. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer darauf hingewiesen, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, was passiert sein könnte. Dass der 29-Jährige mit einer schwarzen oder silbernen Pistole geschossen habe, oder sogar mit einer ganz anderen Waffe. Allerdings waren, so die Verteidiger, weder Patronen noch Hülsen unidentifizierter Waffen am Tatort. Hoffmann warf dem Staatsanwalt gestern vor, nicht in Betracht gezogen zu haben, dass sein Mandant nicht geschossen haben könnte. „Dieses Vorgehen ist exemplarisch für das ganze Verfahren“, meinte er. „Wogegen soll sich mein Mandant verteidigen? Gegen eine unbekannte Waffe, für die es keine Hülsen und Projektile gibt?“

Auch die Hauptbelastungszeugen sind nach Ansicht der Anwälte nicht glaubwürdig. „Die Aussagen sind nach eigenen Interessen taktisch ausgerichtet und nicht nach der Wahrheit“, sagte Verteidiger Norbert Bons. „Das ist eine Strategie, die sich wie ein roter Faden durch die Aussagen zieht.“ Einer der Zeugen soll lange selbst Beschuldigter gewesen sein, bis er mit einem Mal eine Waffe präsentiert hat, die anderthalb Jahre nach der Tat auf einer Leuchtreklame gefunden worden sei, aber nachweislich einige Tage vor dem Fund noch nicht dort gelegen habe. Ein Zeuge soll sogar ausgesagt haben, dass sich die Seite der Opfer damit brüste, einen der Hauptbelastungszeugen für 15 000 Euro gekauft zu haben.

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