„Commander“: Nach dem Unfall kommt das Prüfsystem selbst auf den Prüfstand

„Nicht kraftschlüssig“

Reinhard Viering, zuständig für die Bauaufsicht, zeigt ein Foto der „Commander“-Beschädigung. Rechts neben ihm sitzt Bau-Staatsrat Wolfgang Golasowski. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ursache des Unfalls auf der Osterwiese soll eine mangelhafte Schweißnaht gewesen sein. Das Schadensbild spreche dafür, sagte Bau-Staatsrat Wolfgang Golasowski gestern. Am Ostersonntag hatte sich im Fahrgeschäft „Commander“ eine Gondel teilweise gelöst – und das in voller Fahrt. Nun geraten die Prüfungen von Karussells in die Diskussion. Gibt es gefährliche Lücken im System?

„Wir können nur erahnen, was passiert wäre, wenn die Gondel sich ganz selbstständig gemacht hätte“, sagte Abteilungsleiter Reinhard Viering, der im Ressort für die Bauaufsicht zuständig ist. Viering dokumentierte die jüngere Geschichte des 1992 gebauten „Commanders“. Das Fahrgeschäft wurde demnach 2009 und 2010 in zwei Etappen umgebaut. Zuvor hatten sich Verschleißerscheinungen gezeigt. Also wurden acht der 20 Gondel-Lager vergrößert und verstärkt sowie neu mit den Auslegern verschweißt.

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Verletzte bei Karussell-Unfall auf der Bremer Osterwiese

Kommentar unseres Redakteurs Thomas Kuzaj

Chronologie der Karussell-Unfälle in den letzten zehn Jahren

Im Mai 2010 brach auf einer Kirmes in Lüdenscheid ein noch nicht erneuertes Lager. Eine Gondel riss ab. Neun Menschen wurden verletzt. Danach wurden auch die restlichen zwölf Lager und Lagerköpfe erneuert. „Die ausführende Firma mit Sitz in Nordrhein-Westfalen hat uns 2010 schriftlich erklärt, dass Schweißnähte auf Risse überprüft wurden“, hieß es gestern im Bauressort. Der Tüv Nord habe 2010 und 2011 „in mehreren Schritten“ Unterlagen vorgelegt und „bescheinigt, dass die Umrüstung geprüft wurde und sich dabei keine Mängel ergeben haben“, sagte Viering.

Keine Mängel festgestellt

Wenig später, im Juli vorigen Jahres, war der Tüv Rheinland mit einer turnusmäßigen Sonderprüfung dran. Ergebnis: keine Mängel; nächster Sonderprüftermin: 2017. Zudem gibt es jährliche Verlängerungsprüfungen, die für die Betriebsgenehmigung nötig sind. Geprüft wird, wenn das Karussell aufgebaut ist. Der Tüv Rheinland prüfte den „Commander“ auf der Osterwiese – am Tag vor dem Unfall, bei dem ein 14-jähriges Mädchen und ein 33-jähriger Mann leicht verletzt wurden.

Karussell-Unfall auf der Bremer Osterwiese

Ein Polizeiwagen steht am Montag vor dem abgesperrten Fahrgeschäft "Commander" auf der Osterwiese in Bremen. Am Sonntag war hier eine Gondel war bei voller Fahrt fast ganz aus ihrer Halterung gerissen. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa
Auf der Bremer Osterwiese auf der Bürgerweide hat es am Nachmittag erneut einen Unfall mit einem Karussell geben. Am Ostersonntag löste sich die Gondel eines Fahrgeschäfts. © dpa

Dass eine Schweißnaht nicht intakt war und die Stahlteile deshalb nicht richtig miteinander verbunden waren, sahen die Prüfer nicht. Sie konnten auch gar nicht sehen, dass die Naht – wie die Fachleute sagen – „nicht kraftschlüssig“ war. Sie war ja verdeckt.

„Niemand kann mit bloßem Auge unter eine Schweißnaht blicken“, sagte Viering. Die Sichtprüfung am aufgebauten Fahrgeschäft auf der Osterwiese ist einfach nicht geeignet, eine mangelhafte Schweißnaht festzustellen.

„Es gibt mehrere Verfahren, Kraftschlüssigkeit zu testen“, sagte Staatsrat Golasowski. Die Herstellerfirma habe eines dieser Verfahren angewandt, bei dem Farbe auf die Naht gestrichen wird. Es gibt aber auch Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen.

Naht offenbar schon länger defekt

Offenbar war die Verbindung am „Commander“ schon längere Zeit „nicht kraftschlüssig“. Rostspuren sind ein Zeichen dafür, „dass dieser Riss schon längere Zeit da war und Wasser eindringen konnte“, sagte Golasowski.

All das trotz so vieler Tests und Prüfungen? Es stellt sich die Frage, ob die bestehenden Prüfsysteme ausreichend sind. Nirgendwo gibt es so viele Prüfungen wie in Deutschland. „Wir haben den sichersten Standard weltweit“, sagte Rudi Robrahn vom Schaustellerbund. Nun mag es zwar viele Prüfungen geben, aber sind es auch die richtigen?

Diese Frage beschäftigt nun offenbar Politik und Verwaltung – nicht zuletzt mit Blick auch auf den „Krake“-Unfall auf dem Bremer Freimarkt im vergangenen Oktober. In beiden Fällen spielten „nicht alte“ Bauteile eine Rolle, wie Golasowski sagte. Und weiter: „Wir werden uns dem Thema Schweißnähte intensiver widmen müssen und mit dem Tüv über Prüf methoden reden – und uns überlegen, ob wir Prüfverfahren vorgeben.“

Bald gibt es Gelegenheit dazu. Ende April tagt in Bremen der Arbeitskreis „Fliegende Bauten“, in dem die Bundesländer, die Schausteller und der Tüv vertreten sind.

http://www.bauumwelt.bremen.de

http://www.osterwiese.com

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