Nicht einmal die Hälfte der „versorgten“ Bewerber bekommt auch einen Ausbildungsplatz

Die Zahlenspiele der Arbeitsagentur

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Eine junge Frau steht vor einem Aufsteller, an dem ein Zettel mit der Aufschrift „Ausbildung“ hängt.

Bremen - Von Jörg Esser. Eine Versorgungsquote von 96 Prozent. Und gerademal 186 unversorgte Bewerber im Land Bremen. Die Zahlen für das Ausbildungsjahr 2014 (Stichtag: 30. September) klingen gut. Auf den ersten Blick jedenfalls. Und nur auf den ersten Blick.

Schüler der Klasse 10/2 der Gesamtschule Ost (GSO) haben sich im Rahmen einer Wahlwette gegen junge Bürgerschaftsabgeordnete in die Statistiken vertieft. Und die Politiker wachgerüttelt. Die SPD-Bürgerschaftsfraktion reagierte – und stellte eine Kleine Anfrage zum Thema „Bewerberinnen und Bewerber um einen Arbeitsplatz“ an den Senat. Die Antworten haben die Schüler „beunruhigt“, sagt der pensionierte Lehrer Hans-Wolfram Stein, der seit vielen Jahren Regionalkoordinator des Bundeswettbewerbs „Demokratisch Handeln“ ist und das Schülerprojekt zur Bürgerschaftswahl betreut.

Den Angaben zufolge wurden im Ausbildungsjahr 2014 bei der 4566 junge Menschen als „ausbildungsreif eingestuft und als ausbildungssuchend geführt“ – 3297 in Bremen und 1269 in Bremerhaven. 53,5 Prozent aller Bewerber haben bereits ein Jahr zuvor einen Schulabschluss gemacht. Laut Senat ist das „ein bemerkenswert hoher Anteil“.

Weiter geht’s ... mit den „Erfolgsmeldungen“: Demnach konnte die Agentur für Arbeit 1408 junge Leute „in eine ungeförderte duale oder schulische Ausbildung überleiten“. Das sind nur knapp mehr als 30 Prozent. Rechnet man (finanziell) geförderte Lehrstellen hinzu und die 109 Ausbildungssuchenden, die ein Studium aufgenommen haben, sind es 1953 junge Männer und Frauen, die eine „berufsqualifizierende Maßnahme eingeschlagen haben“. Von 4566 sind das dann immerhin knapp 43 Prozent.

186 Bewerber werden, wie eingangs erwähnt, in der Statistik als „unversorgte Bewerber“ gezählt. „Diese Jugendlichen haben keine Ausbildung aufgenommen und sind auch nicht in ein Alternativangebot eingemündet“, heißt es in der Senatsantwort auf die SPD-Anfrage. 1184 Bewerber nutzen den Angaben zufolge ein Alternativangebot. Soll heißen: Sie befinden sich in irgendwelchen Warteschleifen – sei es ein Job (309), ein Praktikum (337), eine weitere Schulausbildung (462) oder eine sozialdienstliche Tätigkeit (76).

Bleibt ein großer Rest, der durchs statistische Sieb gefallen ist. „Für 1429 Bewerber gibt es bei der Agentur für Arbeit keine Erkenntnisse zum Verbleib.“ Nichts Genaues weiß man. Aber womöglich haben diese Jugendlichen in Eigeninitiative einen Ausbildungsplatz gefunden. Noch etwas ist der Schülergruppe sauer aufgestoßen: Nicht jeder Jugendliche, der eine Lehrstelle sucht, wird auch als Bewerber gezählt. Die Arbeitsagentur stuft einige Jugendliche im Vorfeld als „noch nicht ausbildungsfähig“ ein. Eine „differenzierte Statistik“ über deren Zahl werde nicht geführt, heißt es.

Am Mittwoch, 29. April, um 11.30 Uhr diskutieren die Schüler in der GSO-Aula mit Politikern von SPD, Grünen, CDU und Linken über Ausbildungsplätze und „Einmündungsquoten“.

je

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