Deutsch-chinesisches Konsortium soll die Jacobs-Uni retten und verändern

Bremer Neustart mit Künstlicher Intelligenz

Ein Mann geht an der Bibliothek der Jacobs-Universität auf dem Campus in Grohn vorbei. Die bedrohte Uni hat möglicherweise doch eine Zukunft. Ein deutsch-chinesisches Konsortium soll den Campusbetrieb ganz auf Künstliche Intelligenz ausrichten.
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Ein Mann geht an der Bibliothek der Jacobs-Universität auf dem Campus in Grohn vorbei. Die bedrohte Uni hat möglicherweise doch eine Zukunft. Ein deutsch-chinesisches Konsortium soll den Campusbetrieb ganz auf Künstliche Intelligenz ausrichten.

Bremen – „Ein Weltkonzern will sich am Standort Bremen engagieren. Das ist schon etwas Besonderes.“ Mit diesen Worten reagierte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) am Dienstag auf die Pläne zur Neuausrichtung der Jacobs-Universität in Grohn. Bei dem Weltkonzern handelt es sich um SAP.

Das Softwareunternehmen sowie das chinesische Softwareentwicklungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen Neusoft und das Deutsche Zentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) wollen die Jacobs-Uni in ein Zentrum für Künstliche Intelligenz umwandeln.

Mit dem – so der Arbeitstitel – „Hanse Artificial Intelligence Campus“ würde es eine Zukunft für die 2001 als Privat-Uni gegründete Einrichtung im Bremer Norden geben, an der gegenwärtig mehr als 1 500 junge Menschen aus gut 120 Ländern studieren. Der weitere Betrieb der Uni schien fraglich, nachdem der wichtigste Geldgeber – die Jacobs Foundation – im Frühjahr angekündigt hatte, die Anteile an der Universität zum 31.  Dezember abzugeben.

Bremer Bürgermeister Bovenschulte: Künstliche Intelligenz ist Zukunftsthema

Seither waren Gespräche mit möglichen neuen Investoren im Gange. Mit dem deutsch-chinesischen Konsortium zeichnet sich nun eine Lösung ab, die Bürgermeister Bovenschulte für „hervorragend“ hält – nicht zuletzt wegen der Ausrichtung auf das Thema Künstliche Intelligenz, bei dem „Bremen ohnehin schon stark“ sei. „Künstliche Intelligenz ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen.“

Am Freitag wollen die drei Partner des Konsortiums und Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (SPD) einen „Letter of Intent“ unterzeichnen. Mehr als eine bloße Absichtserklärung, wie es am Dienstag im Rathaus hieß. Aber eben auch noch kein rechtsgültig ausformulierter Vertrag. Wie geht es dann weiter? Laufen die Verhandlungen „sehr, sehr, sehr gut“ (Schilling), dann wäre eine Übergabe ans Konsortium direkt zum 31. Dezember möglich. Wahrscheinlicher ist, dass es „einige Monate“ länger dauert. Angestrebt wird Ende Juni 2021. Damit wäre Bremen dann auch finanziell aus dem Thema heraus. Bis zur Übergabe wird Bremen die von der Jacobs Foundation gehaltenen Anteile an der Uni halten. „Dies geschieht für einen Zeitraum von sechs Monaten.“ Es soll Bremen in der Verhandlungsphase Einfluss sichern.

Studentenzahl soll auf 3000 verdoppelt werden

Und wie wird die Arbeit auf dem Campus für Künstliche Intelligenz aussehen? Studiengänge zu vielen verschiedenen Themen dürfte es nicht mehr geben. Die konzeptionellen Überlegungen seien noch nicht abgeschlossen, heißt es. Erste Details sind aber bekannt. Ziel sei ein Ausbau auf 3 000 Studenten, so Senatorin Schilling. „Derzeitige Studenten können den Abschluss noch auf ihren Gebieten machen.“ Schilling geht „stark“ davon aus, dass die internationale Ausrichtung in Grohn erhalten bleibt. „Denkbar wäre neben einem Schwerpunkt auf dem gesamten Bildungsprofil vom Bachelor über den Master bis hin zu Doktorandenprogrammen ein weiterer Schwerpunkt im Bereich Business Education“, hieß es im Rathaus. „Dort könnte es Programme für die Aus- und Fortbildung für Führungskräfte in der Künstlichen Intelligenz geben.“

Das Motto in Bremen: Neustart ohne Geld vom Staat

Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Robotik: „Letztlich geht es darum, Synergien zu schaffen“, sagt Bürgermeister Bovenschulte. „Das ist das Erfolgsgeheimnis.“ Wäre das eine Konkurrenz für Uni und Technologiepark? „Wir brauchen viele Unternehmen und Ressourcen in diesem Bereich“, so Bovenschulte. Öffentliches Geld werde nicht in den Grohner Neustart fließen, sagt Bovenschulte. Denn: „Wir haben nämlich keins.“

Ein Neustart ohne staatliche Finanzhilfen – das gefällt auch den Grünen. Das Zentrum für Künstliche Intelligenz eröffne die Chance für eine „Entwicklungsperspektive ohne öffentliche Gelder“, heißt es in einer Stellungnahme. Allein angesichts der Milliardenumsätze von SAP sei finanzielle Sicherheit gegeben, so Klaus-Rainer Rupp (Linke). „Zudem kommen die Grundstücke der Hochschule in öffentliche Hand und werden in Erbpacht vergeben – sie sind so sicher vor Spekulationen.“ Das Areal werde für 99 Jahre an das Konsortium verpachtet. Die Pläne seien „ein großer Erfolg für ganz Bremen“, hieß es bei der SPD.

Und bei der Opposition? Susanne Grobien, die wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion: „Die neuen Pläne zeigen eine Chance für den Wissenschaftsstandort Bremen auf.“ Der FDP-Abgeordnete Magnus Buhlert freut sich, dass Investoren gefunden wurden, um „den Betrieb einer unabhängigen privaten Hochschule in Bremen sicherzustellen“.

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