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Neustart für Großveranstaltungen in Bremen

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Von: Martin Kowalewski

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Sieht in den Lockerungen der Corona-Maßnahmen ein positives Signal, „mehr aber auch nicht“: Veranstalter Oliver Mücke von der Bremer Agentur Koopmann Concerts.
Sieht in den Lockerungen der Corona-Maßnahmen ein positives Signal, „mehr aber auch nicht“: Veranstalter Oliver Mücke von der Bremer Agentur Koopmann Concerts. © Kowalewski

Die Corona-Maßnahmen werden gelockert, das freut insbesondere die Veranstaltungsbranche, die besonders unter den Folgen der Pandemie leidet. Nichts ging mehr, fast über die gesamten zwei Jahre. Wie sieht die Branche die Erleichterungen?

Bremen - Ab 4. März dürfen in Innenräumen bis zu 6.000 Menschen zusammenkommen, draußen 25.000. Bei 2G bleibt es zunächst, wenn die Corona-Maßnahmen für Veranstaltungen gelockert werden, dafür entfallen Abstands- und Maskenpflicht. Einschränkung: Innen dürfen nicht mehr als 60 Prozent der Plätze belegt werden, draußen 75 Prozent. Weitere Lockerungen sind bundesweit ab 20. März geplant, dann sollen alle Corona-Maßnahmen weitgehend wegfallen.

Stadthallen-Chef ist optimistisch

Andreas Adolph, Leiter der Bremer Stadthalle (ÖVB-Arena), hofft auf den Wegfall aller Beschränkungen ab 20. März und ein großes Konzert mit Sarah Connor als Auftakt am 26. März. Die Tour startet einen Tag zuvor in Kiel. Am 31. März stehen die Ehrlich Brothers auf dem Programm. Es werde mit Hygienekonzept geplant, auch wenn dieses womöglich nicht mehr gebraucht werde. Adolph ist optimistisch und hochmotiviert, sieht dem Herbst gelassen entgegen.

Veranstalter: „Das föderale Prinzip ist für unsere Branche tödlich“

„Für uns ist es ein positives Signal, mehr aber auch nicht“, ist Oliver Mücke, Geschäftsführer von Koopmann Concerts, etwas zurückhaltender. Auch dem 20. März blickt er angesichts vergangener Erfahrungen ohne Euphorie entgegen. Die Branche brauche bundesweit verbindliche Regelungen. „Das föderale Prinzip ist für unsere Branche tödlich“, sagt er. Durch immer noch verschiedene Regelungen der Bundesländer seien Tourneen teilweise weiterhin nicht planbar. „Es rechnet sich nicht, wenn für eine Tour ein Truck in Berlin aufbricht, und es mal geht und mal nicht. Jeder Tag kostet Geld.“ Die Politik verstehe zum Teil nach zwei Pandemiejahren immer noch nicht, wie die Veranstaltungsbranche funktioniere. Diese sei immerhin der sechstgrößte Wirtschaftszweig Deutschlands.

Die vielfältigen Förderprogamme seien teilweise „bürokratischer Wahnsinn“, Vorgaben änderten sich teilweise dreimal die Woche. Mücke: „Die Hilfen sind gut gemeint, erfordern aber einen unglaublichen bürokratischen Aufwand.“ Ob sie denn gezahlt werden? Nun, zu Anträgen aus dem November habe er teilweise noch keine Reaktion bekommen, sagt der langjährige Veranstaltungsprofi. Zudem sieht er ein großes Problem auf die Branche zukommen, da diverse Dienstleister aufgegeben hätten. „Die bekommt man nicht wieder. Die muss man neu ausbilden“, sagt Mücke.

Veranstaltungen: Helfer werden knapp

Schon vor Corona sei es schwierig gewesen, genug Helfer zu akquirieren, wenn in Bremen drei bis vier große Veranstaltungen gleichzeitig stattgefunden hätten. Eine große Show brauche durchaus 70 bis 80 Aufbauhelfer, es könnten auch mal 150 bis 200 sein. Dazu käme unter anderem Personal für Sicherheit und Technik. Die Knappheit werde überall auftreten, ist er überzeugt.

Bundesweit sei es schwer, zusammenhängende Termine für Tourneen zu bekommen. Veranstaltungen müssten nachgeholt werden, neue kämen hinzu. Mücke vergleicht das mit einem Ballon, der immer größer wird und irgendwann platzt. Manche Veranstaltungen seien schon vier- oder fünfmal verschoben worden.

Veranstalter Jan Trautmann plant für den 18. März ein Konzert mit Ray Wilson im Schlachthof, zwei Tage vor dem 20. März. Meist veranstaltet er Einzelkonzerte, die nicht Teil von Tourneen sind, ein Vorteil in Corona-Zeiten. Allerdings braucht er praktisch ein volles Haus, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Dem Sommer sieht Trautmann gelassen entgegen, hat aber „großen Respekt vor dem Herbst“.

Corona: Plötzlich mussten Besucher ausgeladen werden

Das Metropol-Theater musste im Januar bei der Einführung der Warnstufe 4 plötzlich die Besucherzahl reduzieren, erinnert sich Projektleiter Joost-Felix Osmers. Innerhalb eines Tages mussten die Vorgaben umgesetzt werden, eine Ausnahmegenehmigung sei verweigert worden. Darum, so Osmers, war für einige Besucher kein Platz mehr, sie mussten sozusagen ausgeladen werden. Wie man sich denken kann: Für Begeisterung sorgt das auf keiner Seite.

Zu den neuen Lockerungen der Maßnahmen sagt Geschäftsführer Jörn Meyer: „Für uns ist das eine Verbesserung. Wir hoffen auf die Aufhebung der Kapazitätsbeschränkungen am 20. März. Wir haben aber nichts gegen Basisschutzmaßnahmen wie Masken.“ Mit dem Hygienekonzept des Hauses und einigen Basisschutzmaßnahmen ließen sich Veranstaltungen in voller Kapazität sicher durchführen. Angesichts rückläufiger Inzidenzen und der beherrschbaren Situation in den Krankenhäusern spricht für Meyer nichts gegen eine flächendeckende Öffnung. Sollte es wieder Verschärfungen geben, wünscht er sich eine bessere Differenzierung nach Art der Veranstaltung und nach Art des Hygienekonzeptes.

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