Neujahrs-Matinee „Welcome“ im Schütting / Treffpunkt der Kreativbranche

„Grenzen werden gemacht“

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Prof. Dr. Julia Rossau von der Uni Bremen sprach in ihrem Festvortrag bei der „Welcome“-Matinee im Schütting über Grenzen, Entgrenzung und Grenzgänge.

Bremen - Von Isabel Niesmann. „Ich hoffe, Ihr habt nachher ganz viele neue Gedanken im Kopf“, so die Schweizer „Vollmilch-Komikerin“ Babette alias Uli Baumann. Sie führte am Sonnabend im Haus Schütting etwas verrückt durch die Neujahrs-Matinee „Welcome 2016“. Ihre Hoffnung wird sich wohl bei vielen Besuchern erfüllt haben.

Denn nicht nur der Vortrag, den die Komikerin mit diesen Worten ankündigte, regte zum Nachdenken an, sondern die gesamte Neujahrs-Matinee war in vielfacher Hinsicht inspirierend. Veranstaltet wurde sie von der „Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven“, dem Marketing-Club Bremen, dem Kommunikationsverband Wirtschaftsraum Bremen, den Vereine Bremen digitalmedia und Klub Dialog sowie der Bremer Akademie für Kommunikation, Marketing und Medien. Auch im 13. Jahr zählte die Matinee zu den größten Veranstaltungen der Kreativ- und Medienbranche in der Region, hieß es.

Der neue Präses der Handelskammer, Harald Emigholz, betonte nach dem Zusammenschluss der IHK Bremen und Bremerhaven in diesem Jahr: „Durch den Abbau der Doppelstrukturen arbeiten wir effizienter.“ Mit Blick auf die Flüchtlinge hob er hervor, dass es extrem wichtig sei, diese schnell in Arbeit und Ausbildung zu bringen. Dafür engagiert sich die IHK mit der Initiative „Flüchtlinge in Ausbildung“. Emigholz: „Bis dato haben wir 320 Ausbildungsplätze, 174 Plätze in Einstiegsqualifikationen und 247 Praktika, also insgesamt mehr als 700Plätze organisiert.“ Nun gehe es vor allem darum, Bewerber und Betriebe zusammenzubringen.

Weniger über Flüchtlinge und mehr über Grenzgänge ging es in dem Vortrag von

Prof. Dr. Julia Lossau, Professorin für Humangeografie an der Universität Bremen. „Grenzen gibt es an ganz verschiedenen Orten“, sagte Lossau auf der Veranstaltung, die sich um Entgrenzung und Vernetzung drehte, und unterschied zwischen der geographischen, der staatlichen und der personalen Grenze.

Die geographische Grenze illustrierte sie mit der Frage der Zugehörigkeit der Türkei zu Europa, bei der sich selbst Geographen uneinig seien: „Grenzen sind nicht, Grenzen werden gemacht“, schlussfolgerte sie. Staatliche Grenzen „werden gezogen“. Personale Grenzen funktionieren vor allem über Abgrenzung: „Identifikation läuft über Exklusion.“ Eine Dimension der Abgrenzung sei die Nationalität, andere seien Ethnien oder Geschlechter. Im Hinblick auf Transgender zum Beispiel müsse es viel öfter „sowohl – als auch“ anstatt „entweder – oder“ heißen.

„Wir überschreiten jetzt auch eine Grenze, von offiziell zu gesellig“, so die Schweizer Stimmungskanone Babette nach dem Vortrag. Das Sinti-Swing-Ensemble „Gipsy Diamonds“ sorgte für den musikalischen Rahmen beim Networking, bei dem sich auch mehrere Start-ups aus der Region vorstellten. Unter anderem vertreten waren Bambusfahrräder, 360-Grad- Videos und rutschresistente Hocker für den Deich.

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