Interview mit dem Dance Captain

Show in Bremen: „Mother Africa“ weckt die Neugierde auf andere Kulturen

Sifiso Morobe ist Dance Captain bei „Mother Africa“, einer Show mit 30 Künstlern aus sieben afrikanischen Ländern, die in den größten Township in Südafrika, Khayelitsha (übersetzt „unsere neue Heimat“), entführen. Zu sehen ist jede Menge Akrobatik, Artistik und Tanz – auch in Bremen, und zwar am 11. Januar im Metropol-Theater.

Bremen – Mehr als 400.000 Menschen haben in den vergangenen Jahren die Show „Khayelitsha“ im Rahmen der Produktion „Mother Africa“ gesehen. Mit „New Stories from Khayelitsha“ ist das Afrika-Projekt am Sonnabend, 11. Januar, 20 Uhr, erneut im Metropol-Theater Bremen zu sehen. Mit von der Partie sind 30 Künstler aus sieben afrikanischen Ländern. Wolfgang Klauke hat im Vorfeld mit Dance Captain Sifiso Morobe (28) gesprochen.

Als Dance Captain ist Morobe die rechte Hand des Choreographen Georges Momboye (der wiederum bereits mit André Heller bei „Afrika! Afrika!“ gearbeitet hat). Morobe hat an allen Choreographien und Tänzen mitgewirkt sowie das tägliche Training geleitet. Während der Tournee muss er darauf achten, dass die Tänzer fleißig üben und ihre Schritte perfekt auf die Bühne bringen.

Herr Morobe, wie war Ihre Kindheit in Soweto?

Es war kein Spaß! Meine Eltern waren sehr streng mit mir. Ich war der einzige Junge im Haushalt. Wir lebten in einem typischen kleinen Township-Haus. Meine Eltern hatten ein Schlafzimmer, meine fünf Schwestern teilten sich ein Zimmer, und ich schlief in der Küche auf dem Boden. Ich musste viel im Haushalt helfen und konnte beispielsweise schon sehr früh für die ganze Familie kochen. Draußen auf den Straßen gab es damals schon sehr viel Kriminalität, und dauernd waren Polizisten zu sehen.

Wie sind Sie Tänzer geworden?

In Soweto gab es von der Gemeinde eine traditionelle Tanzgruppe. Die haben mich eingeladen, als ich 13 Jahre alt war. Eigentlich war ich da schon zu alt, um mit dem Tanzen anzufangen. Aber ich war sofort Feuer und Flamme. Ich wusste, das ist das, was ich machen möchte. Als ich 16 Jahre alt war, sind wir mit der Gruppe an einem Vergnügungsabend im Theater aufgetreten. Nach der Show habe ich Geld bekommen, umgerechnet waren das etwa 20 Euro. Ich war völlig überrascht, dass mir jemand Geld dafür gibt, dass ich tanze. Von da an war mir klar, dass ich professioneller Tänzer werden will. Nach der Schule bin ich an eine Musical-Schule gegangen und habe mich dort zwei Jahre ausbilden lassen.

Wann sind Sie das erste Mal im Ausland aufgetreten?

Das war im Februar 2013. Da war ich für einen Monat als Tänzer bei einem Festival in Indien. Danach habe ich gehört, dass es in Johannesburg Auditions, also ein Vortanzen, für die Show „Afrika! Afrika!“ gibt. Von der Show hatte ich schon viel gehört. Darum bin ich zum Vortanzen gegangen. Mein Tanzvideo wurde an den Choreographen Georges Momboye geschickt. Im August 2013 kam ich dann in Mannheim an, um mit George und André Heller für die Tournee zu proben und später auf Tournee zu gehen. Das hat mein ganzes Leben verändert.

Inwiefern?

Ich wäre heute sicher nicht verheiratet und hätte keine genauen Zukunftspläne, wenn es die Show nicht gegeben hätte. Auch meine Eltern sind jetzt sehr stolz auf mich – und natürlich haben meine Frau und ich auch nun mehr Platz, obwohl wir immer noch mit Eltern und Schwestern zusammenleben. Ich habe so viel gelernt in der Show. Über das Tanzen, das Showgeschäft, aber auch über die afrikanische Kultur. Ich bin vorher eigentlich nie Menschen aus anderen afrikanischen Ländern begegnet. Und plötzlich hatte ich die Möglichkeit, deren Sprache, deren Kultur und deren Tänze kennenzulernen.

Ist die Mentalität der Deutschen grundlegend anders als die der Afrikaner?

Die Deutschen sind sehr diszipliniert und fokussiert. Sie möchten Dinge gerne erledigt haben und vorankommen. Die Afrikaner hängen gerne in Gruppen zusammen und wissen oft nichts mit ihrem Leben anzufangen. Auf der anderen Seite spielen Singen und Tanzen bei Afrikanern wohl eine viel größere Rolle. Bei den Deutschen denkt man oft, es dreht sich alles nur um Arbeit und Karriere. Das ist wahrscheinlich aber ein Irrtum. Darum hoffe ich, die deutsche Kultur in den nächsten Jahren noch ein wenig besser kennenzulernen.

Glauben Sie, dass eine Show wie „Mother Africa“ Menschen verändern kann?

Ich weiß nicht, ob verändern das richtige Wort ist. Aber es kann ihren Horizont erweitern. Bei mir hat das zumindest funktioniert. In Deutschland denken noch immer einige Menschen, wir Afrikaner würden unser Essen noch selbst jagen und auf offenem Feuer in Strohhütten zubereiten. In Afrika gibt es aber auch viele Klischees über Deutsche und Europäer. Das ändert sich, wenn man sich gegenseitig kennen und respektieren lernt. Die Show macht Menschen neugierig, mehr über Afrika zu erfahren. Das ist eine enorme Leistung und eine große Kraft.

Tickets für „Mother Africa“ in Bremen

Sifiso Morobe wurde am 19. Januar 1991 in Soweto, Südafrika, geboren und ist 2019/2020 Dance Captain bei „Mother Africa‘s“ neuer Show „New Stories from Khayelitsha“. Seit Ende Dezember bis Februar ist die Produktion auf Europa-Tournee. Am Sonnabend, 11. Januar, 20 Uhr, gastiert die Show im Metropol-Theater am Richtweg. Tickets ab etwa 50 Euro gibt es in den Geschäftsstellen unserer Mediengruppe.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Amtsenthebungsverfahren - Trump: Würde gern hingehen

Amtsenthebungsverfahren - Trump: Würde gern hingehen

Teenager träumen eher von traditionellen Jobs

Teenager träumen eher von traditionellen Jobs

Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich und vertretbar sind sie wirklich?

Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich und vertretbar sind sie wirklich?

So beugen Sie dem Hexenschuss vor

So beugen Sie dem Hexenschuss vor

Meistgelesene Artikel

Ärger nach Trecker-Demo: Bauern beseitigen Spuren des Protests

Ärger nach Trecker-Demo: Bauern beseitigen Spuren des Protests

770 Herren, 30 Damen, kein Senatsmitglied: Weiterhin Kritik am Bremer Eiswettfest

770 Herren, 30 Damen, kein Senatsmitglied: Weiterhin Kritik am Bremer Eiswettfest

Gold und Dramatik

Gold und Dramatik

„Sieg Heil“-Rufe im Hauptbahnhof Bremen- Polizei nimmt 26-Jährige fest

„Sieg Heil“-Rufe im Hauptbahnhof Bremen- Polizei nimmt 26-Jährige fest

Kommentare