Maike Schaefer vor der Bürgerschaftswahl

Grüne Spitzenfrau blickt voran - und will begeistern, nicht belehren

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Maike Schaefer will mit den Grünen im Land Bremen auch weiterhin regieren. Mit wem, das lässt die 47-Jährige offen.

Bremen - Von Jörg Esser. Die Bremer Grünen haben Regierungserfahrung. Zwölf Jahre Rot-Grün liegen hinter ihnen. Spitzenkandidatin Maike Schaefer ist seit 2015 Fraktionschefin der Grünen. Kabinettserfahrung fehlt der 47-Jährigen.

Jetzt strebt sie ein Senatorenamt an. Schaefer steht für frischen Wind bei den Grünen. Sie will sich auf keine Koalition festlegen, betont die gebürtige Hessin im Interview. Den Grünen werden in jüngsten Umfragen 19 Prozent der Stimmen prophezeit. Vor vier Jahren holten sie mit Karoline Linnert an der Spitze 15,1  Prozent der Stimmen.

Frau Schaefer, der Wahlslogan der Grünen lautet „Mehr Grün nützt allen“. Ihr Ziel lautet, wieder Regierungsverantwortung zu übernehmen?

Wir wollen mit grünen Vorstellungen Bremen weiter gestalten. „Mehr Grün nützt allen“ ist als Wortspiel gedacht. Mehr Bäume, mehr Umweltschutz, generell mehr Grün. Mehr grüne Inhalte und mehr Stimmen für die Bremer Grünen.

Laut Umfragen reicht es nicht mehr für Rot-Grün. Aber ohne die Grünen läuft wenig. Genießen Sie die Rolle?

Das gibt Rückenwind. Und macht entspannter. Es ist ein Ansporn, wenn man weiß, dass es gut läuft. Auch die Situation, bei fast jedem Dreierbündnis dabei zu sein, ist komfortabel. Doch wir kämpfen um jede Stimme für ein gutes grünes Ergebnis.

Es sind drei Dreierbündnisse mit den Grünen mittendrin denkbar – Jamaika, Ampel und Rot-Rot-Grün. Welches bevorzugen Sie?

Das Bündnis, in dem sich die meisten grünen Inhalte wiederfinden. Wir müssen die Wahl abwarten. Dann wird es konstruktive Gespräche geben. Und wir wollen viele grüne Inhalte in Koalitionsverträgen verankern. Es ist wichtig, ordentlich miteinander umzugehen. Reden hilft. Zwischenmenschlich wird es keine Probleme geben. Ich komme mit allen Spitzenleuten der anderen demokratischen Parteien gut klar. Doch es wäre falsch und unklug, sich jetzt auf eine Koalition festzulegen.

Trotzdem sind Konflikte programmiert?

Mit den Linken gibt es einen Dissens in der Haushaltspolitik, mit der FDP vor allem in der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik. Keine mögliche Regierungskonstellation ist ein Selbstläufer.

Sie werden als mögliche Bau- und Umweltsenatorin gehandelt. Ist das Ihr Wunschressort?

Wir wollen zunächst die Wahl gewinnen. Dann zeigt sich, wie viele Ressorts für Grüne möglich sind. Wenn die Wähler es ermöglichen, will ich natürlich in vorderster Linie das Land Bremen gestalten.

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Was halten Sie von dem Superressort aus Bau, Verkehr, Wirtschaft, Arbeit und Häfen, das die Handelskammer jüngst gefordert hat?

Das ist ein Fehler, das ist Old-School-Politik. Bau und Wirtschaft zusammenzulegen, klingt nach rauchenden Schornsteinen. Das widerspricht unseren Grundgedanken. Klimaschutz und Umweltschutz aus dem Bauressort herauszulösen, ist keine nachhaltige Lösung.

Gibt es Kröten, die Sie, egal in welchem Bündnis, auf keinen Fall schlucken wollen?

Mit uns wird es keinen Schwerlasthafen geben. Das ist ein Parteitagsbeschluss.

Wie lautet das Wahlziel – in Prozent?

Es ist eine der spannendsten Wahlen überhaupt. Auch Berlin guckt nach Bremen, vor allem auf das Abschneiden der SPD. Aber nichts ist vorhersehbar. Das Bremer Ergebnis ist nicht frei von der Europa- und Bundespolitik. Darum nenne ich keine konkrete Prozentzahl.

Das Wahlprogramm heißt „Ein neues Kapitel Grün“.

Wir haben zwölf Jahre lang mitregiert. Das ist ein Fundament. Jetzt gucken wir weiter nach vorne. Mit der Urwahl haben wir den Generationenwechsel eingeleitet. Damit zeigen wir, dass wir ein neues grünes Kapitel aufschlagen wollen.

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Wird aus der Verbots- eine Spaßpartei?

Spaßpartei ist ein falscher Begriff. Der ist verbrannt. Wir verzichten auch auf witzige Sprüche. Wir setzen auf Inhalte, sind ambitioniert, aber nicht dogmatisch. Wir wollen die Wähler begeistern und nicht belehren. Unsere Kampagne soll Zuversicht und Optimismus ausstrahlen. Wir zeigen, dass wir Ideen haben, um Probleme zu lösen. Und wir setzen auf einen pragmatischen Kurs.

Welche Schwerpunkte setzen Sie im Wahlkampf?

Ein Ziel ist eine autoärmere Stadt. Dafür wollen wir den ÖPNV ausbauen, Tickets vergünstigen. Wir wollen die Fahrrad-Premiumroute ausbauen und neue Fahrradbrücken bauen. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum und wollen eine Stadt von morgen entwickeln. In der Bildungspolitik darf es nicht nur um die bessere Ausstattung gehen. Pädagogische Inhalte müssen wieder in den Vordergrund rücken. Und wir müssen Zeichen gegen den Rechtsruck setzen und die Demokratie schützen.

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Nennen Sie mir bitte – politisch gesehen – drei Dinge, die Sie im Land Bremen sofort ändern würden, wenn Sie denn könnten!

Ich würde sofort aus der Kohlekraft aussteigen, unter anderem mit neuen Fahrradbrücken für eine Verkehrswende sorgen und Kitas sowie Ganztagsschulen weiter ausbauen.

Die wichtigsten Spitzenkandidaten für das Wahlgebiet Stadt Bremen im Interview:

Zur Person: Maike Schaefer

Maike Schaefer wurde am 2. Juni 1971 im hessischen Schwalmstadt geboren. Sie ist Diplom-Biologin und promovierte 2004 im Rahmen eines Bodensanierungsprojektes zum Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat). Seit 2002 ist sie Mitglied der Grünen, seit 2007 sitzt sie in der Bremischen Bürgerschaft, seit 2015 ist sie Fraktionschefin. 

Schaefer ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Vegesack. Die Hobby-Imkerin und Seglerin ist erstmals Spitzenkandidatin der Bremer Grünen. Sie setzte sich im September 2018 bei einer Mitgliederbefragung mit 223 zu 191 Stimmen gegen Bürgermeisterin und Finanzsenatorin Karoline Linnert durch.

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