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Faszination Eis

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Die Autoren Peter Lemke und Stephanie von Neuhoff stehen mit ihrem Buch „Der gefrorene Ozean“ an Deck des Forschungseisbrechers „Polarstern“, der wegen Wartungsarbeiten in einem Dock der Lloyd-Werft in Bremerhaven liegt. Lemke und von Neuhoff präsentieren in ihrem Buch die Arbeit auf und mit dem Schiff bei einer Reise durch das winterliche Südpolarmeer.
Die Autoren Peter Lemke und Stephanie von Neuhoff stehen mit ihrem Buch „Der gefrorene Ozean“ an Deck des Forschungseisbrechers „Polarstern“, der wegen Wartungsarbeiten in einem Dock der Lloyd-Werft in Bremerhaven liegt. Lemke und von Neuhoff präsentieren in ihrem Buch die Arbeit auf und mit dem Schiff bei einer Reise durch das winterliche Südpolarmeer. © dpa

Bremerhaven - Von Janet Binder. Bis zu minus 30 Grad, heftige Schneestürme und schwere Eisfahrten: Auf dieses Abenteuer ließen sich 49 Wissenschaftler ein, als sie mit der „Polarstern“ zur Winterexpedition in die Antarktis aufbrachen. Ein Forscher erklärt, was ihn daran fasziniert.

Viermal war das Forschungsschiff „Polarstern“ seit 1989 im Winter in der Antarktis – ausgerechnet dann, wenn das Südpolarmeer fast vollständig von Eisfeldern bedeckt ist. Auf allen vier Expeditionen war Peter Lemke dabei, auf der bislang letzten 2013 wieder als Fahrtleiter.

Routine sind die Expeditionen für ihn nie. „Es ist jedes Mal anders“, sagt der Wissenschaftler vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI). Eis übt auf den 68-Jährigen eine besondere Faszination aus. Er liebt die Ruhe in der Antarktis: „Das Eis dämpft den Seegang.“

Dass es mit der Ruhe auch schnell vorbei sein kann, beschreibt der Professor für Physik von Atmosphäre und Ozean zusammen mit Co-Autorin Stephanie von Neuhoff in dem jetzt veröffentlichten Buch „Der gefrorene Ozean“. Die „Polarstern“ ist weltweit eines der wenigen Schiffe, die im Südpolarmeer überwintern können. Als einziges hat es bereits zum zweiten Mal das Weddellmeer im Winter durchs Packeis bis zum antarktischen Kontinent durchquert.

Zeitweise kämpfte sich die „Polarstern“ mühsam, Meter um Meter, im Eis voran. „Rammfahrt ist nichts für zarte Gemüter. Das Schiff setzt zurück, nimmt Anlauf und schiebt sich mit seinem mächtigen Bug und voller Wucht auf das Eis. 15000 Tonnen Stahl lassen die Scholle zerbersten“, heißt es in dem mit zahlreichen Fotos bebilderten Buch. Dann passiert es: Wo gerade noch Wasser war, ist nur noch Eis. Die „Polarstern“ steckt fest. Das Schiff driftet mit der Scholle langsam in Richtung Südsüdwest. „Es war zufällig die richtige Richtung“, erinnert sich Stephanie von Neuhoff.

„Man muss immer damit rechnen, eingeschlossen zu werden“, sagt Kapitän Uwe Pahl, unter dessen Kommando das Schiff während der Expedition stand. „Dann kann man entweder kämpfen und viel Kraftstoff verbrauchen, oder man fasst sich in Geduld und wartet, bis sich der Wind dreht und sich das Eis wieder öffnet.“ Ein paar Tage steckte die „Polarstern“ fest.

Das Team an Bord erlebte zudem heftige Schneestürme, die Dunkelheit der Polarnacht und Minustemperaturen im zweistelligen Bereich. Keine idealen Arbeitsbedingungen für die Wissenschaftler, die verschiedenste Proben und Messungen im Eis vornahmen. „Manchmal war es grenzwertig, was die Wissenschaftler geleistet haben“, sagt Fahrtleiter Lemke. „Dennoch brauchen wir gerade aus der stürmischen, eisigen und dunklen Jahreszeit Daten und Proben, um die vielfältigen Prozesse in diesem Teil des Weltozeans und die Auswirkungen auf unser Klima besser zu verstehen.“ Denn die Polarmeere spielten eine Schlüsselrolle im weltweiten Klimageschehen.

Für Peter Lemke geht es schon bald wieder in die Antarktis. Es sei die Neugier, die ihn auch nach seiner Pensionierung antreibe. Anfang Dezember geht es auf Sommer-Expedition. „Wir machen die gleichen Messungen“, sagt er. „Aber dann ist nicht so viel Eis da wie im Winter.“

dpa

www.awi.de

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