Neuer Durchblick mit 70 Jahren

Hein Conze bekommt die 100. Spenderhornhaut am Klinikum Mitte

Bei der Nachuntersuchung: Patient Hein Conze (l.) und Dr. Erik Chankiewitz, Direktor der Augenklinik am Klinikum Bremen-Mitte.

Bremen - Hein Conze aus Wiefelstede ist zufrieden. Endlich kann der Förster im Ruhestand wieder entspannt lesen und sich guten Gewissens aufs Rad schwingen. Daran war lange nicht zu denken.

Denn sein Sehvermögen wurde immer schlechter. Nun hat Hein Conze die 100. Spenderhornhaut bekommen, die in diesem Jahr in der Augenklinik des Klinikums Bremen-Mitte eingesetzt wurde – und ist sehr zufrieden.

Spende vertreibt Nebel und schwarze Flecken

Wegen einer schleichenden Hornhauterkrankung sah der 70-Jährige immer weniger. Nebel breitete sich im Sichtfeld aus, dann kamen schwarze Flecken hinzu. Sein Augenarzt überwies Conze nach Bremen – an die Augenklinik des Klinikums Mitte.

Dort hilft man Patienten mit Hornhauterkrankungen mit einer speziellen Transplantation, bei der nicht die gesamte Hornhaut, sondern nur die erkrankte innerste Hornhaut-Schicht entfernt und durch die identische Schicht der Spenderhornhaut ersetzt wird, wie eine Sprecherin der Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno) sagt.

Operation dauert nur 20 Minuten

„Durch die Verbesserung der Operationstechnik können wir seit einiger Zeit nicht nur Menschen mit einer weit fortgeschrittenen Erkrankung helfen, sondern bereits bei einer beginnenden Erkrankung eingreifen“, sagt Dr. Erik Chankiewitz, Chefarzt der Augenklinik. Der jüngste Patient, den er transplantiert hat, war fünf Jahre alt, der älteste 95.

Eine Hornhauterkrankung könne jeden treffen, sagt Chankiewitz. Und sie könne, wenn sie nicht behandelt werde, zur Erblindung führen.

Dass Hein Conze die 100. Hornhaut in diesem Jahr übertragen bekommen hat, ist für ihn nicht wichtig. Er ist begeistert von den Möglichkeiten, die heute zur Verfügung stehen und von dem Erfolg der kurzen schmerzfreien Operation. Nach knapp 20 Minuten ist der 70-Jährige mit allem durch, einen Tag später, nach der Abnahme des Verbandes, kann er wieder richtig gut sehen. Und drei Tage später ist er bereits zu Hause.

Transplantate werden in weniger als einem Prozent der Fälle abgestoßen

„Der minimale Eingriff und die lokale Anästhesie sind sehr schonend und ermöglichen uns auch Eingriffe bei älteren Menschen mit bestehenden Vorerkrankungen, bei denen eine Vollnarkose ein Risiko darstellen würde, sagt Erik Chankiewitz. Abstoßungsreaktionen gäbe es so gut wie gar nicht. „Die Quote liegt bei unter einem Prozent“, so der Mediziner.

Die Transplantate bezieht die Augenklinik über die Hornhautbank der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation, deren Ansprechpartner für die Region Bremen ein Büro am Klinikum Mitte haben. Sie entnehmen Verstorbenen, die zu Lebzeiten einer Hornhautentnahme zugestimmt haben, die Augäpfel. Aber auch Angehörige können sich im Sinne des Verstorbenen für eine Entnahme aussprechen. Das Alter des Verstorbenen spielt dabei ebensowenig eine Rolle wie eine Sehschwäche oder Augenoperationen zu Lebzeiten.

Erik Chankiewitz und sein Team transplantieren inzwischen bis zu zehn Hornhäute in der Woche. Damit ist die Augenklinik am Klinikum Mitte nach Angaben der Klinik-Holding Geno auf diesem Gebiet führend in Bremen und Umgebung. Hein Conze ist zufrieden: „Ich habe mich hier sehr gut aufgehoben gefühlt.“

gn

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