Denkmalpflege

Bremens neue Rolle in der Gotik

Die Liebfrauenkirche ist für Bremens Denkmalpfleger Georg Skalecki der erste gotische Kirchenbau in Deutschland.
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Die Liebfrauenkirche ist für Bremens Denkmalpfleger Georg Skalecki der erste gotische Kirchenbau in Deutschland.

Bremen – Spitzbögen, Gewölbe, hochstrebende Bauwerke – die Gotik hat auch im Herzen Bremens bleibende Spuren hinterlassen. Doch der mittelalterliche Kunst- und Baustil steht nicht so sehr im Fokus wie andere Epochen. Bremens Denkmalpfleger wollen das nun ändern.

Sie spüren die Spuren der Gotik in Bremen auf. Die Zeit nach 1220, sie bildet den Schwerpunkt des neuen (und 18.) Bands der Schriftenreihe „Denkmalpflege in Bremen“. Das Team um Landeskonservator Professor Georg Skalecki untersucht in dem gerade herausgekommenen 156-Seiten-Buch Aspekte und Bauwerke der Gotik in Bremen. Der Band ist in der Edition Temmen erschienen und kostet 8,90 Euro. Der gotische Kern des Rathauses etwa ist Thema, ebenso auch der Roland (1404).

Skalecki selbst beschäftigt sich mit der Liebfrauenkirche. Seine Untersuchung führt zu der neuen Erkenntnis, dass es sich bei der Liebfrauenkirche um einen frühgotischen Zentralbau handelt. Der Sakralbau geht auf eine Holzkirche aus der Zeit um 1020 zurück. Der heutige Steinbau mit der unterirdischen St.-Veits-Kapelle und dem kleineren romanischen Südturm stammt zum Teil aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Ursprünglich war die ganze Kirche dem heiligen St. Vitus geweiht. Frischen Schwung brachte Bremens Erzbischof Gerhard, der 1219 ins Amt kam. Um 1220 sorgte er dafür, dass die Kirche unter den Schutz von Maria gestellt wurde, der Mutter Jesu – „Unser Lieben Frauen“.

Bremens neue Rolle in der Entstehung der Gotik

Parallel dazu wurde die Kirche praktisch noch einmal neu gebaut. Nach 1220 entstand so „eine der frühesten echten Hallenkirchen“, so Skalecki. Der Bau habe „als Zeichen der Marienverehrung einen außergewöhnlichen, nahezu einzigartigen Grundriss“. Hinzu kommen „mit ausgeprägten Spitzbögen und einer erkennbaren Vertikaltendenz“ bereits „eindeutig gotische Merkmale“. Fazit: „Die Kunstgeschichte muss ergänzt werden. Dem stets unterschätzten Bremen muss eine neue Rolle in der Entstehung der Gotik in Deutschland zugewiesen werden.“ Die Bremer Liebfrauenkirche sei nämlich „der erste gotische Kirchenbau in Deutschland“ – vor Trier (1227), Paderborn (1230) und Marburg (1235).

Im neuen Denkmalpflege-Buch tauchen natürlich noch weitere Bremer Sakralbauten im Zusammenhang mit der Gotik auf. St. Johann im Schnoor zum Beispiel, anfangs eine Franziskanerklosterkirche, der sich Dr. Achim Todenhöfer widmet. Jessica Hänsel schreibt über verborgene gotische Gewölbe in Bremen. Ein Beispiel ist hier die Unterkirche der Komtureikirche St. Elisabeth – heute eher bekannt als Gastraum des Lokals „Comturei“ in direkter Nachbarschaft von Amtsgericht und Schnoor. Auch die Gewölbe des einstigen Katharinenklosters sind heute gotische Gasträume – unterhalb des Parkhauses „Katharina“ ist das Restaurant „Soulm8“ zu finden.

„Spitzen Gebel“: Letztes gotisches Bürgerhaus in der Bremer Altstadt

Spitzbögige Blendnischen – das Altstadt-Lokal „Spitzen Gebel“gilt als das letzte erhaltene Bürgerhaus der Gotik in Bremen.

Nun hat die Gotik in Bremen nicht allein Sakralbauten hervorgebracht, sondern auch Bürgerhäuser. Als herausragendes Bauwerk der Backsteingotik in Bremen gilt das Balleersche Haus am Markt – ein Kaufmannshaus in bester Repräsentationslage. Es musste der 1864 eingeweihten „Neuen Börse“ weichen, die im Zweiten Weltkrieg abbrannte. Mitte der 60er Jahre wurde an ihrer Stelle das Haus der Bürgerschaft gebaut. Bei der Marktplatzsanierung 2002 legten die Archäologen um Dr. Dieter Bischop den Keller des Balleerschen Hauses mit zwei Tonnengewölben frei. Im neuen Band berichtet Bischop davon. Als das letzte erhaltene Bürgerhaus der Gotik in Bremen gilt das Lokal „Spitzen Gebel“ in der Straße Hinter dem Schütting, über das Uwe Schwartz schreibt.

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