Neue Welten erschließen: 4000 Teilnehmer beim 103. Deutschen Bibliothekartag

In der „digitalen Revolution“

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Aus der Papierwelt in die digitale Welt: Harald Peters von der Walter Nagel GmbH & Co. KG aus Bielefeld präsentiert in Messehalle5 auf der Bürgerweide ein Scanverfahren für Bibliotheken und Archive.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. 4000 Bibliothekare aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern tagen bis Freitag im Congress Centrum auf der Bürgerweide. Wer aber denkt, dass dort nun alles voller Bücher steht, täuscht sich gewaltig. W-Lan, virtuelle Welten, Software aus der Cloud – Themen wie diese begegnen dem Besucher allerorten.

„Wir öffnen Welten.“ Das ist das Motto des 103. Deutschen Bibliothekartags. Die Welt, um die es hier geht, verändert sich radikal. Es geht beim größten Kongress der Branche um den Weg der Bücher aus der Papierwelt in die digitale Welt.

Dieser Übergang hat viele Aspekte. So fordern die Bibliothekare in einem „Bremer Appell“ eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für elektronische Zeitschriften von 19 Prozent auf sieben Prozent (wie bei gedruckten Büchern und Zeitschriften).

Der Europäische Rat solle das durch eine Änderung der EU-Umsatzsteuerrichtlinie möglich machen. „Hier fordern wir von der Bundesregierung mehr europapolitischen Mut“, sagte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Bibliothekare, Dr. Klaus-Rainer Brintzinger. Durch den 19-Prozent-Satz würden elektronische Bücher und Zeitschriften steuerrechtlich „extrem benachteiligt“.

Das belaste die Bibliotheken mit höheren Ausgaben, insbesondere die wissenschaftlichen Bibliotheken – denn in der Welt von Forschung und Wissenschaft spielen elektronische Medien längst die Hauptrolle. Fachzeitschriften erscheinen dort in der Regel nur noch digital. „Wir arbeiten im Augenblick zwischen zwei Welten“, so Brintzinger. „Fast jeder zweite Euro fließt bei den wissenschaftlichen Universitätsbibliotheken in elektronische Medien.“

Es sei widersinnig, dass der Staat mit der höheren Mehrwertsteuer Bibliotheken belaste, für deren Finanzierung er selbst aufkommen müsse. Hier werde von der einen Tasche in die andere umverteilt, sagt Brintzinger: „Die von uns geforderte Änderung der Umsatzsteuerreglung kostet daher den Staat keinen einzigen Cent. Es ist die günstigste vorstellbare Form der Wissenschaftsförderung.“

So loben die Bibliothekare den Beschluss der schwarz-roten Koalition in Berlin, die Mehrwertsteuer auf Hörbücher zu senken. Nun aber müssten eben elektronische Zeitschriften folgen. Dieser Schritt würde den wissenschaftlichen Fortschritt stark fördern, so Brintzinger weiter.

„Wir haben – wie alle Bibliotheken – mit dem Medienwandel zu tun“, sagt auch Maria Elisabeth Müller, Direktorin der Staats- und Universitätsbibliothek in Bremen. Und: „Kaum ein wissenschaftliches Fach kommt ohne digitale Ressourcen aus.“ Diese „digitale Revolution“ stelle die Bibliothekare auch vor neue Aufgaben. Sie müssten „Systeme für die Erschließung der wahnsinnig großen Welten der digitalen Ressourcen“ schaffen. So habe die Staats- und Universitätsbibliothek „eine Suchmaschine entwickelt, die 60 Millionen Dokumente erfasst“. 16000 Suchanfragen pro Tag bestätigten den Erfolg dieses Rechercheinstruments. Zudem habe es im vergangenen Jahr 690000 Zugriffe auf die 50000 E-Books ihres Hauses gegeben, berichtete Müller. Und zwei Millionen Zugriffe auf „elektronische Ressourcen“ insgesamt.

Zahlen, die eine deutliche Sprache sprechen. Auf der Messe, die zum Bibliothekartag gehört, präsentieren sich Unternehmen, die den Weg der Bibliotheken in die digitale Welt unterstützen und vorantreiben. Zu ihnen gehört die Walter Nagel GmbH & Co. KG aus Bielefeld, die auch für die Staats- und Universitätsbibliothek in Bremen arbeitet. Das Unternehmen ist auf Buchscanner für Bibliotheken und Archive spezialisiert – so können die gescannten (historischen) Bücher von Bibliothekaren gleich mit Metadaten angereichert werden. Damit es auch klappt mit der Orientierung in der digitalen Welt.

Denn was möglicherweise einmal ganz klassisch zu Forschungszwecken aus dem Regal genommen werden soll, muss zunächst einmal digital gefunden werden.

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