Neue GOP-Show „Je t’aime“ verführt zum Staunen und Schmunzeln

Mit Liebe und Leidenschaft

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Charlotte de la Bretèque überzeugt in der neuen Varietéshow mit ihrer Luftakrobatik an den „Multicordes“.

Bremen - Von Viviane Reineking. Ein liebestolles Huhn, zwei Clowns, von Armors Pfeil getroffen, und acht Angebetete, die auf der Bühne artistische Meisterleistungen vollbringen – die neue Show „Je t’aime“ im Bremer GOP-Varietétheater ist ein Wechselspiel zwischen Liebe, Leidenschaft und Ablehnung, zwischen Comedy und hoher Körperkunst.

Als ungleiches Klamauk-Paar schmachten sich Kotini Junior (Konstantin Wübbe) und Raymond (Ramon Hopman) als roter Faden durch die aktuelle Produktion. Dass sie jemals Erfolg bei der attraktiven Damenwelt auf der Bühne haben könnten: unvorstellbar. Aber der eher schmächtig wirkende ukrainische Künstler und sein großgewachsener holländischer Kollege haben sich als Ideengeber der Show die Rollen schließlich selbst auf den Leib geschrieben. Die neue GOP-Produktion kommt gänzlich ohne Bühnendeko aus. Was es für die Darbietungen braucht, wird an eine große Leinwand projiziert.

So wie bei Marina Sakhokiia aus der Ukraine, die im funkelnden kleinen Schwarzen, betont verführerisch, mit ihrer Handstand-Equilibristik bewundernswerte Körperbeherrschung zeigt. Weniger elegant, dafür dynamischer der Auftritt von Rosa Tyyskä: Lange galt ihr Akrobatikgerät als eine Männerdomäne, doch die 25-jährige Finnin beherrscht ihren „Roue Cyr“ perfekt, tanzt in und mit ihm. Armors Pfeil (als Projektion) lässt nicht nur den leicht trotteligen Raymond von der schönen Mila träumen, auch ein schwarzes Balletthuhn (wunderbar umgesetzt von Lise Pauton) wurde getroffen, stakst mit heruntergezogenen Mundwinkeln und typischen Huhn-Bewegungen über die Bühne, kann zu dessen Leidwesen nicht von Raymond lassen und animiert Zuschauer zum Mitglucksen. Comedy und Kontorsion verbindet die Französin auch als kontaktfreudiges weißes Huhn.

Selbst für regelmäßige GOP-Zuschauer etwas Neues bietet Charlotte de la Bretèque mit ihrer Luftakrobatik an den „Multicordes“, einer Reihe von frei schwingenden Seilen, an denen sie flink nach oben klettert, sich einwickelt, um sich – von vereinzelten Aufschreien im Publikum begleitet – in die Tiefe fallen zu lassen.

Und wenn Mila Ruzhilo einen Ball nach dem anderen vom Boden aufhebt, um am Ende mit nicht weniger als acht Kugeln zu jonglieren, ist es kein Wunder, dass Kotini Junior mit geöffnetem Mund nur noch staunend danebensitzt. Die 43-jährige Französin Aurélie Brua bewegt sich in bester „Catwoman“-Manier geschmeidig und fließend an ihren beiden Vertikalstangen, ebenso wie die Amerikanerinnen Lindsay Clubert-Olds und Kia Eastman, die schon seit Kindesbeinen an gemeinsam am Trapez auftreten. Am Ende fallen sich dann alle wieder in die Arme.

Trotz toller Artistinnen lässt „Je t’aime“ insgesamt ein wenig den Glanz einer Varietéshow vermissen, verbinden die beiden Clowns die Acts nicht immer überzeugend. Man kann mit ihnen schmunzeln, die Bauchmuskeln werden aber nicht gefordert.

Zu sehen ist „Je t‘aime“ im GOP-Varietétheater in der Überseestadt bis zum 10. Januar 2016 mittwochs bis sonntags. Karten gibt es in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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