Neue Fassade mit Durchblick

Brandruine „Harms am Wall“: Bremer Architekt gewinnt Wettbewerb

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So soll sie aussehen, die neue Fassade der drei alten Harms-Gebäude. 

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Er ist entschieden, der Fassadenwettbewerb für den Neubau des abgebrannten Textilhauses „Harms am Wall“. Eine Jury wählte aus fünf Entwürfen die Arbeit des Bremer Architekten Frank Püffel aus. Sein Entwurf soll Grundlage für die weitere Planung und Umsetzung der Fassade mit einem neuen Durchgang zur Museumsstraße sein, wie Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts, am Mittwoch sagte.

Fünf Büros aus dem Bundesgebiet waren für das Verfahren eingeladen worden. Die Arbeiten wurden anonym eingereicht, wie es heißt. Jetzt entschied sich die Jury unter Vorsitz des Hamburger Architekten Bernhard Winking einstimmig für Püffels Entwurf. Neben Eigentümer Marco Bremermann gehörten Senatsbaudirektorin Iris Reuther, Landeskonservator Georg Skalecki, Marianne Grewe-Wacker (Wirtschaftsressort), Architekt Jörg Springer, Angela Weiskopf und Stefan Dierks (beide Bauressort), Ulrike Mansfeld (Hochschule), Ortsamtsleiterin Hellena Harttung, Jan-Peter Halves (City-Initiative) und der Breme Architekt Martin Pampus zur Jury. Letzterer plant für Bremermann die Immobilie, in der Handelsflächen, Büros und Wohnungen Platz finden sollen.

Reuther freute sich über den „ansprechenden und gelungenen Siegerentwurf“: „Das Büro Frank Püffel hat eine hochwertige, elegante und gut gegliederte Fassade für den Wall und das neue Gesicht an der Herdentorswallstraße mit Bezug zur Museumstraße entworfen.“ Den Angaben zufolge soll die Fassade auf beiden Seiten, also zum Wall und zur Museumsstraße, aus Obernkirchener Sandstein bestehen, wie einige historische und neue Gebäude in Bremen (Beispiel: Haus des Reichs). Vorgesehen ist eine „großzügige und einladende Passage“ (Reuther) über zwei Geschosse in gerader Linie. Sie lässt den Blick auf den Wall und die Katharinenpassage zu.

„Mit dem Entwurf können wir gut weiterarbeiten“

Auch Bauherr Bremermann äußerte sich „sehr zufrieden“ mit der gemeinsam gefundenen Lösung. „Mit dem Entwurf können wir gut weiterarbeiten“, sagte er. Alle fünf Entwürfe werden nach der Sommerpause im Foyer des Siemenshochhauses ausgestellt. Der genaue Termin ist noch nicht bekannt, heißt es.

Die Brandruine am Wall steht nach wie vor, seit Monaten liegt dem Eigentümer die Abrissgenehmigung der Behörden vor. Ende des Jahres könnte er auch die Baugenehmigung in den Händen halten und dann alles „in einem Rutsch“ erledigen: Abriss im Frühjahr 2018, Baubeginn ein paar Monate später, Fertigstellung im Laufe des Jahres 2019. Im Vergleich zu den maroden alten Gebäuden gewinnt Bremermann durch niedrigere Geschosshöhen erheblich an Fläche. Auch eine Tiefgarage plant sein Architekt Pampus.

Verantwortliche für Feuer bis heute nicht ermittelt

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass ein verheerendes Feuer die insgesamt drei aus dem Jahr 1909 stammenden Gebäude des Textilhauses „Harms am Wall“ vernichtete und einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe anrichtete. Dass es Brandstiftung war, stellten die Experten schnell fest. Nur wer für das Feuer verantwortlich ist, das ist bis heute ungeklärt. Der frühere Geschäftsführer Hans Eulenbruch, lediglich Mieter im Gebäude, wurde ebenso wie ein Mitangeklagter Ende März der schweren Brandstiftung und des versuchten Versicherungsbetrugs freigesprochen.

Gegen Eigentümer Bremermann wurde nicht ermittelt, was Eulenbruch und sein Verteidiger im Prozess mehrfach monierten, zumal Eulenbruch just am Brandtag einen Prozess gegen seinen Vermieter gewonnen hatte. Dieser hätte 200 000 Euro für dringende Renovierungen lockermachen müssen. Unter anderem dieser Aspekt sprach für das Gericht gegen Eulenbruch als Brandstifter. „Er hätte sich selbst geschädigt“, sagte die Vorsitzende.

Bremermann selbst bestritt als Zeuge im Prozess, dass er seinen Mieter habe loswerden wollen. Hans Eulenbruch hatte einen langfristigen Mietvertrag zu günstigen Konditionen. Der Mietvertrag wurde durch die komplette Vernichtung der Immobilie hinfällig.

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