Neue Ausgabe des „Bremischen Jahrbuchs“

Diplomatie und Flucht

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Hier die Rückseite des Dokuments.

Von Thomas Kuzaj. Geschichte: Alles Jahre wieder um diese Zeit kommt es heraus, das „Bremische Jahrbuch“ – gemeinsam herausgegeben vom Staatsarchiv und der Historischen Gesellschaft. Es erscheint seit 1863. Jetzt liegt der aktuelle Band vor. Er versammelt einmal mehr aktuelle Arbeiten und Forschungsergebnisse zu Aspekten der bremischen Historie – vom Mittelalter bis zur Zeitgeschichte.

Geschichte: Alles Jahre wieder um diese Zeit kommt es heraus, das „Bremische Jahrbuch“ – gemeinsam herausgegeben vom Staatsarchiv und der Historischen Gesellschaft. Es erscheint seit 1863. Jetzt liegt der aktuelle Band vor. Er versammelt einmal mehr aktuelle Arbeiten und Forschungsergebnisse zu Aspekten der bremischen Historie – vom Mittelalter bis zur Zeitgeschichte.

Gleich zu Beginn etwa geht es um den Politiker, Bürgermeister und Bremerhaven-Gründer Johann Smidt (1773 bis 1857). Er gilt als bedeutender bremischer Staatsmann. Er ist ein Staatsmann mit Makel, denn er war ein erklärter Feind der Juden, was in den vergangenen Jahren verstärkt diskutiert worden ist. Seine Marmorstatue im Rathaus bekam 2012 eine entsprechende Hinweistafel.

Mit Smidt eng verknüpft ist auch die bremische Unabhängigkeit. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig gehörte Smidt anno 1813 zu jenen, die mit dem russischen Generalmajor Freiherr Friedrich Karl von Tettenborn (1778 bis 1845) über die Neugründung des Bremer Staates verhandelten. Auf dem Wiener Kongress trug Smidt allerdings auch dazu bei, dass die unter französischer Verwaltung gewährte Ansiedlungsfreiheit für Juden ab 1815 deutschlandweit wieder rückgängig gemacht werden konnte.

Im „Bremischen Jahrbuch“ beschäftigt sich nun Professor Konrad Elmshäuser, Leiter des Staatsarchivs, mit Smidts Reise nach Wien vor nunmehr 200 Jahren. Smidt war 1815 als Bremer Gesandter gemeinsam mit seiner Familie gereist. Anhand seiner Reisepapiere untersucht Elmshäuser die Umstände der wochenlangen Hin- und Rückreise. „Mobilität war auch im beginnenden 19. Jahrhundert ein Thema, das erstaunlich viele Menschen im Wortsinn bewegte“, schreibt Elmshäuser: „Händler, fahrende Handwerker, Studenten, nicht zuletzt Soldaten, aber auch bereits Reisende, die sich auf Bildungs- oder Kurreisen befanden, frequentierten die zumeist schlechten Straßen.“ Um wenigstens an Hoheitsgrenzen etwas flotter voranzukommen, wurden Diplomaten mit Pässen ausgestattet.

Menschen in Bewegung – ein Thema mit ausgesprochen aktuellem Hintergrund ist eine Studie, die Hartmut Müller im „Bremischen Jahrbuch“ vorlegt. Unter der Überschrift „Emigrés bienvenues?“ fragt er nach dem Verhältnis von Toleranz und Staatsraison am Beispiel der französischen Flüchtlinge, die nach der französischen Revolution Zuflucht in Bremen suchten.

„Als am 2. Mai 1793 fünfundzwanzig aus Frankreich geflüchtete katholische Priester an der Schlachte bremischen Boden betraten, ahnte niemand, dass die Stadt bald von einer bisher beispiellosen Flüchtlingswelle überrollt werden sollte“, schreibt Müller. In der Zeit von August bis Dezember des Jahres 1794 sollte Bremen dann insgesamt 258 Flüchtlinge aufnehmen, die unter anderem aus Brüssel, Amsterdam, Antwerpen kamen.

1795 besetzten französische Truppen die Niederlande. Etliche holländische und französische Emigranten folgten. Zeitweise machten sie „ein Prozent der stadtbremischen Bevölkerung“ aus, so Müller.

Das „Bremische Jahrbuch“ erscheint im Selbstverlag des Staatsarchivs. Die aktuelle Ausgabe – für Sammler: Band 94 – hat 312 Seiten. Ladenpreis: 28 Euro.

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