Neue Aufgabe im Dschungel: Bremer Zahnarzt Ulrich Reiter hilft Flüchtlingen in Thailand

„Alles fängt mit gutem Putzen an“

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Ulrich Reiter (l.) hilft Flüchtlingen in Thailand.

Bremen - Thailand gehört zu den florierenden Wirtschaftsnationen Südostasiens. Doch fernab der Metropole Bangkok und der Urlaubsparadiese, im Norden des Landes, leben dicht an der Grenze und kaum bemerkt von der Weltöffentlichkeit rund 160 000 Flüchtlinge aus dem benachbarten Burma (Myanmar). Ein einfacher Stuhl, eine Taschenlampe und eine Zange waren alles, womit die Bewohner des Flüchtlingslagers Mae La Oon bei Zahnschmerzen geholfen wurde – bis der Bremer Zahnarzt Ulrich Reiter vor rund sechs Jahren begann, eine Zahnstation und ein Prophylaxe-Programm aufzubauen. Jetzt soll eine zweite Station für das benachbarte Lager eingerichtet werden.

Es sind Angehörige der Karen, einer seit Jahrhunderten verfolgten ethnischen Minderheit christlichen Glaubens, die Zuflucht in insgesamt neun Lagern gefunden haben. Ihre Anwesenheit wird von der thailändischen Regierung lediglich toleriert. Ihre Versorgung müssen Hilfsorganisationen übernehmen. In zwei Camps in Mae La Oon bekommen insgesamt 33 000 Flüchtlinge Unterkunft, Verpflegung, Brennholz, Schulbildung für die Kinder und durch die Malteser International seit 1993 eine medizinische Grundversorgung. Dort entwickelte Ulrich Reiter sein Zahngesundheitsangebot, das in seiner Abwesenheit von den Maltesern betreut wird.

Als erstes kaufte er für rund 300 Euro in Mae Sariang Kautabletten, die alle ungeputzten Stellen im Mund blau färben. „Alles fängt doch mit gutem Putzen an.“ Da wusste er, dass er hier, im Dschungel von Thailand, eine neue Aufgabe gefunden hatte, die aber ohne Geld nicht zu bewältigen war.

Reiter zahlt zwar seine Flüge und alle Ausgaben aus eigener Tasche, doch für eine wirksame Hilfe brauchte er mehr. Zu seinem 60. Geburtstag ließ er sich von seiner Familie und Freunden ausschließlich Geld schenken, am Ende waren es 2 500 Euro. Zurück in Mae La Oon, bildete er bis heute drei Burmesinnen aus, die mit großen Modellgebissen, überdimensionalen Bürsten und Färbetabletten Zahnputz-Kurse für die Kinder geben. Reiter hatte das Gefühl, das Richtige zu tun. Ihm reichte das aber nicht. Noch immer wurden Zähne gezogen. Warum nicht auch bohren, kleine Füllungen machen? „Das ist ja keine Hexerei.“

Wieder in Bremen, bat er Verwandte, Bekannte und Kollegen um Spenden für einen richtigen Behandlungsstuhl, einen Druckluftkompressor und einen Stromgenerator. Insgesamt mehr als 25 000 Euro wurden bisher von vielen Spendern auf ein Malteser-Konto mit dem Kennwort „Zahnarztklinik Flüchtlingslager Thailand, Dr. Reiter“ überwiesen. So konnte er endlich zur Tat schreiten und mit den Maltesern eine kleine Zahnklinik im Flüchtlingscamp errichten.

Für sein Engagement wurde Reiter in Bremen mit einer Medaille des internationalen Malteser-Ordens ausgezeichnet. Aber Reiter wäre nicht Reiter, wenn er sich auf dieser Auszeichnung ausruhen würde. „Wir möchten eine weitere Klinik im zweiten Flüchtlingscamp bauen. Jeder Euro hilft“, sagt er und baut dabei auf die Hilfsbereitschaft, die er schon einmal in Bremen erfahren hat.

sch

www.dr-uli-thailand.de/

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