Fall Harms bis heute nicht aufgeklärt

Nach Großbrand: Neubau mit Durchblick am Wall in Bremen

Ein Großfeuer vernichtete am 6. Mai 2015 das historische Harms-Gebäude Am Wall. Foto: DPA/KATER

Ein Großfeuer vernichtete am 6. Mai 2015 das historische Harms-Gebäude Am Wall. Aufgeklärt ist der Fall bis heute nicht. Doch die Ruine ist weg, jetzt beginnt der Bau des „Wallkontors“.

  • Ein spektakuläres Großfeuer vernichtet 2015 das Modehaus Harms Am Wall in Bremen
  • Die Polizei geht von Brandstiftung aus
  • Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt
  • Ein Neubau entsteht

Bremen – von Elisabeth Gnuschke. 6. Mai 2015, abends. Das Textilhaus „Harms Am Wall“ in der Bremer City geht in Flammen auf. Es entsteht ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Vorsätzliche Brandstiftung, befinden die Experten später. Aufgeklärt ist der Fall bis heute nicht. Doch die Ruine ist weg, jetzt beginnt der Bau des „Wallkontors“.

Ein Bagger kurvt über den nach dem Abriss verbliebenen Schutt, gleicht den Untergrund der Straße Am Wall in Bremen an, die etwas höher als das Grundstück liegt. So stabilisiert, kann die Baustelle für das „Wallkontor“ eingerichtet werden, der Spezialbagger Ende Juli kommen, sagt Daniel Günther, Sprecher des Investors Müller & Bremermann. Gute Nachricht für Autofahrer: Der Wall soll für den Verkehr frei bleiben.

Wallkontor in Bremen: Neubau nach Großbrand

Der Bagger bleibt für die Errichtung sogenannter Bohrpfahlwände bis in den Oktober auf der Baustelle. Günther: „In dieser Phase werden mittels Spezialbohrern an allen Rändern der Baufläche Löcher in die Tiefe gebohrt und mit Beton ausgegossen. So entsteht eine Absicherung der Gebäudegrundfläche nach allen Seiten.“ Die Bohrpfahlwände werden unterirdisch verankert, um die Last des deutlich höher liegenden Walls abzufangen. Damit soll verhindert werden, dass die Baugrube instabil wird.

So soll das neue „Wallkontor“ Am Wall aussehen – mit Passage zu Museumstraße und Domshof. Foto: MÜLLER & BREMERMANN

Die Baugrube wird etwa zehn Meter tief sein. Im „Wallkontor“ denkt man auch an Autofahrer, denn hier entsteht eine Tiefgarage. Die Zahl der Parkplätze ist noch offen. Acht bis zehn Etagen geht es dann in die Höhe, wegen des unterschiedlichen Straßenniveaus ist zur Museumstraße mehr Platz. Müller & Bremermann investieren einen zweistelligen Millionenbetrag in das Projekt, das nach den neuesten Planungen 2021 fertig sein soll. Der Komplex wird Einzelhandel und Büros umfassen.

Wallkontor Bremen: Passage für Fußgänger

Zum Wall hin versperrt eine Bretterwand den Blick auf die Baustelle, aber es gibt Gucklöcher. Auf der Rückseite haben Passanten freie Sicht auf die Baustelle. Die Nachbarhäuser sind mit Folien geschützt. Hoch oben ist eine Webcam zu entdecken. In den vergangenen Monaten optimierte der Bauherr die bisherige Planung zugunsten einer neuen „Wallpassage“, sagt Günther. Sie führt durch das Gebäude direkt auf die dahinter liegende Museumstraße und ermöglicht eine direkte Verbindung (und Sichtachse) zwischen Wall und Domshof-Passage. Möglich wurde dies, weil das benachbarte Securitas-Haus seit Mitte 2018 einem Hamburger Investor gehört und durch Müller & Bremermann verwaltet wird. Die Versicherung ist ausgezogen, hier befinden sich jetzt Einzelhandel und Büros.

Der Untergrund der Baulücke wird vorbereitet, damit ein Spezialbagger anrücken kann. Foto: KOLLER

Was Autofahrer freuen wird: Die gesamte Bauplanung für das „Wallkontor“ wurde so angepasst, dass der Wall für die Bauarbeiten nicht gesperrt werden muss. Nur die Verengung des Bürgersteigs bleibt bestehen.

Wallkontor soll Bremer City beleben

„Das war uns sehr wichtig“, betont Marco Bremermann, Geschäftsführer des Bauherrn. Seinen Worten zufolge leisten „Wallkontor“ und Passage „einen entscheidenden Beitrag zur Modernisierung und damit auch zur Belebung der Bremer City“. Das Projekt sei „ein neuer Brückenschlag zum Wall“.

Die Immobilie umfasst 5 500 Quadratmeter Gewerbeflächen und ersetzt das aus dem Jahr 1909 stammende dreiteilige Harms-Gebäude, das am 6. Mai 2015 durch Brandstiftung vernichtet wurde. Wer das Feuer an mehreren Stellen gleichzeitig gelegt hat, ist bis heute ungeklärt. Der Mieter des Textilhauses wurde ebenso wie ein Mitangeklagter Ende März 2017 freigesprochen.

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