Protest gegen „Landraub“ auf dem Domshof

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Demonstranten belagerten bis gestern Abend die Filiale der Deutschen Bank am Domshof.

Bremen. Von Simone Schnase - Olaf Bernau sieht geschafft aus. Die Nacht war kurz. „Bis Mitternacht waren noch gut 100 Menschen hier“, sagt er am zweiten Tag der Belagerung der Deutschen Bank in Bremen. Bernau ist Mitglied des Netzwerkes „Afrique-Europe-Interact“, das mit „Attac“ und „Foodwatch“ zum „Internationalen Tag der Landlosen“ 24 Stunden lang seine Zelte auf dem Domshof aufgeschlagen hat.

Ihre Protestaktion unter dem Schlagwort „Neokolonialen Landraub stoppen!“ richtete sich gegen Nahrungsmittelspekulationen und den Ankauf von Ackerland durch Großinvestoren in Entwicklungsländern, das „Landgrabbing“ in Lateinamerika und Asien sowie Afrika. Hier kaufen Investoren große Flächen fruchtbares Land und bauen Nahrungs- und Futtermittel für den Export oder Energiepflanzen für die Produktion von Biotreibstoff an. Viele Kleinbauern verlieren dadurch ihre Existenzgrundlage. Durch Übernutzung versiegen ihre Brunnen, Weidegründe für das Vieh sind ihnen nicht mehr zugänglich, Hunger und Landflucht sind die Folgen, sagt das Netzwerk.

Und nicht nur mit Flucht, auch mit gewaltsamer Vertreibung gehe das „Landgrabbing“ einher. So habe das kenianische Militär vor elf Jahren 2 000 Kleinbauern mit ihren Familien vertrieben, um rund 2 500 Hektar Platz für den Hamburger Kaffee-Produzenten Dallmayr zu schaffen.

Die Aktivisten lasten vor allem der Deutschen Bank und ihrer Fonds-Tochter DWS an, am „Langrabbing“ und an Spekulationen mit Nahrungsmitteln beteiligt zu sein.

Laut Olaf Bernau hat die Deutsche Bank zehn Fonds, die in das „Landgrabbing“ investieren. Zu denen gehörten unzählige Firmen. „Und daneben ist sie mit 45 Fonds, die auf Nahrungsmittel spekulieren, weltweit die Nummer eins in diesem Sektor“, sagt er.

Gemeinsam mit 25 weiteren Aktivisten hat Bernau vor dem Eingang des Bankgebäudes gezeltet, und er hat auch mit Kunden über die Geschäfte der Deutschen Bank gesprochen: „Die meisten wussten nichts darüber und viele haben gefragt, welche Bank denn überhaupt vertrauenswürdig sei.“

Eine berechtigte Frage, meint Bernau. Auch die Commerzbank, die Deka-Bank der Sparkassen und die Hypo-Vereinsbank beteiligen sich seinen Angaben nach am Geschäft mit Ackerflächen und Lebensmitteln. Für Bankkunden sei es fast unmöglich herauszubekommen, welches Geldinstitut „sauber“ sei und welches nicht.

Die Bremer „Attac“-Gruppe schlägt eine „Krötenwanderung“ vor. Sie hat dazu eine bunte, musikalisch-szenische Aufforderung inszeniert, mit seinen „Kröten“ von der schlechten zur guten Bank zu wechseln. Vier gebe es davon: die Ethikbank, die Umweltbank, die Triodos-Bank und die GLS-Bank. Alle vier Geldinstitute investieren den Angaben zufolge in soziale, ökologische, ethische und kulturelle Projekte.

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