Netz aus Hilfen und Sanktionen

Bremens Umgang mit kriminellen Jugendlichen

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sieht Bremen beim Umgang mit kriminellen Jugendlichen, insbesondere unbegleiteten minderjährigen Ausländern (Uma), auf einem guten Weg. Über Ressortgrenzen hinweg seien ein tragfähiges Netz an Hilfen und wirksame Sanktionsformen entwickelt worden, betonte sie am Donnerstagnachmittag in der Sozialdeputation.

Unterdessen halten die Probleme mit straffälligen Uma an. Einige sitzen zwar hinter Gittern, andere sind verschwunden, es kommen aber neue Jugendliche nach. Die spezielle Ermittlungsgruppe Uma bei der Polizei beschäftigt sich zur Zeit mit 23 „hochkriminellen“ Jugendlichen (zwölf) und jungen Erwachsenen, wie Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Innenressorts, auf Nachfrage sagte. Drei sitzen in Haft, drei sind verschwunden. 2015 gehörten etwa 30 Uma zur priorisierten Gruppe, die Zahl schwankt, so Gerdts-Schiffler. Zehn weitere Jungen, die in Bremen immer wieder Straftaten begangen hätten, wurden mit 18 Jahren abgeschoben. Insgesamt stammen die hochkriminellen Uma laut Innenressort insbesondere aus Nordafrika, aber auch aus Syrien und Afghanistan. Auf ihr Konto gehen reihenweise Trickdiebstähle und Raubüberfälle.

Problem mit straffälligen Uma

Seit nahezu drei Jahren hat Bremen ein massives Problem mit straffälligen Uma (wir berichteten). Eine geschlossene Spezialeinrichtung wurde immer wieder verschoben. Mittlerweile habe Bremen aber ein Netz mit vielen Maßnahmen aufgebaut, so Sozialsenatorin Stahmann. Dazu gehörten Streetworker, die jugendliche Flüchtlinge in Einrichtungen sowie im Viertel und am Bahnhof – den Brennpunkten – aufsuchten. Sie seien im ständigen Kontakt mit Wohneinrichtungen und Jugendamt. Auch Psychiatrie, Polizei und Justiz werden laut Stahmann einbezogen. Neun Jugendliche hätten 2017 „passgenaue Hilfesettings“ erfahren.

Zudem existieren insgesamt 18 Plätze in den intensivpädagogischen Einrichtungen Sattelhof (Blumenthal) und Grenzpappel (Hemelingen). Die Spezialbetreuung hier ist die Alternative zur Haft, wie es heißt. „Mit dem Angebot decken wir den aktuellen Bedarf an Plätzen zur jugendgerichtlichen Unterbringung“, sagte Stahmann. Bei Bedarf könne aufgestockt werden.

Geldtopf für Dolmetscher aufgestockt

Reagiert hat auf die besondere Situation auch das Justizressort. Ausgebaut wurden die pädagogischen Maßnahmen für Jugendliche in Haft. Ein Tischler, ein Lehrer, eine Landschaftsgärtnerin, eine Erzieherin und drei Justizvollzugsangestellte verstärken den Jugendbereich. Auch der Geldtopf für Dolmetscher wurde aufgestockt. Nach der Haftentlassung gibt es weiter enge Betreuung, wie in der Deputation erläutert wurde.

Hinter Gittern in Oslebshausen sitzen zur Zeit 34 kriminelle Jugendliche, sagte Justizressort-Sprecher Sebastian Schulenberg auf Nachfrage – 15 davon sind unbegleitete Ausländer, vorwiegend aus Marokko, Tunesien, Algerien. Acht dieser Uma erhalten intensive schulisch-berufliche Begleitung, also von Lehrer, Tischler und Co. Von den drei zusätzlichen Justizvollzugsmitarbeitern hingegen profitierten alle 34 inhaftierten Jugendlichen, so Schulenberg.

Rubriklistenbild: © dpa

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