Sonnabend soll es mit Bremer OHB-Plattform ins All gehen

Satellitenstart: „Die Nervosität steigt“

Der „Hispasat 36-W1“ wird in einem Reinraum einer Fertigungshalle in der Bremer Zentrale des Raumfahrtunternehmens OHB montiert. Der Satellit soll am Sonnabend an Bord einer Sojus-Rakete ins All starten. - Foto: OHB

Bremen - Von Martin Kowalewski. Am Sonnabend um zwei Uhr soll der Satellit „Hispasat 36-W1“ starten. Es wird ein entscheidender Start für die Firma OHB, den Raumfahrtstandort Bremen und für Deutschland. Der Satellit basiert auf der erstmals eingesetzten Plattform „Small-Geo“. Mit dem Projekt soll die Systemkompetenz für Telekommunikationssatelliten ein Vierteljahrhundert nach dem Start der Kopernikus-Satelliten nach Deutschland zurückgeholt werden, heißt es.

Der Satellit ist bereits auf der Sojus-Rakete auf dem Weltraumbahnhof der europäischen Weltraumagentur Esa in Kourou (Französisch-Guyana) montiert. „Die Nervosität steigt. Am Freitag gab es noch eine Diskussion im Techniker-Team. Die Polarität der Antriebssysteme wurde in Zweifel gezogen. Am Sonntag kam die Entwarnung“, sagt der fürs operative Geschäft verantwortliche OHB-Manager Andreas Lindenthal. „Ich wünschte, der Start wäre schon heute Abend.“ Der Reiz sei groß, genauso wie das Risiko, denn es soll ja ein wertvolles Stück Hochtechnologie in den Orbit geschickt werden. Der Satellit wird zukünftig aus 36  000 Kilometern Höhe die Iberische Halbinsel, die Kanarischen Inseln und Südamerika mit Multimediadiensten versorgen. Betrieben wird er vom spanischen Unternehmen „Hispasat“.

„SmalGeo“ besteht aus Modulen und kann vielseitig für etwa drei Tonnen schwere Satelliten in geostationären Umlaufbahnen verwendet werden. Die zurzeit im Bau befindlichen europäischen Wettersatelliten „Meteosat Third Generation“ basieren auf der Plattform genauso wie zukünftige Kommunikationssatelliten vom Typ „Electra“. Es gibt eine Variante der Plattform mit chemischem und eine weitere mit elektrischem Antrieb zum Halten der Position. Letztere erlaubt noch größere Nutzlasten und längere Lebensdauern der Satelliten.

Etwa zwei Satelliten auf Basis der Plattform sollen pro Jahr fertig gestellt werden. Der Bau eines Satelliten dauere wegen der vielen individuellen Anpassungen etwa drei Jahre, so Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender der OHB System AG. Ein Satellit kostet laut Fuchs 100 bis 200  Millionen Euro.

Während „SmallGeo“ ein echter Bremer ist, handelt es sich bei dem Telekommunikationssatelliten um eine internationale Kooperation. Neben der Plattform kommen auch noch weitere Komponenten aus Deutschland. Jena-Optronik liefert den Sternensensor, der für die stabile Ausrichtung des drei Tonnen schweren Satelliten sorgen soll. Die Firma ist Weltmarktführer bei dieser Art von Sensoren und hat schon 126 davon gebaut. Erstmals kommt jetzt ein solcher Sensor an einem Telekommunikationssatelliten zum Einsatz. Der Hauptauftragnehmer für die Nutzlast ist die Tesat-Spacecom aus Backnang in Baden-Württemberg, die auch am nächsten Small-Geo-Satelliten „EDRS-C“, ebenfalls ein Telekommunikationssatellit, beteiligt ist.

An neun weiteren Satelliten auf Basis der Plattform wird geschraubt. „Die ,Small-Geo‘-Plattform wird eingesetzt und das zeigt, sie befriedigt ein Marktbedürfnis“, sagt Lindenthal. 250 Mitarbeiter würden an Telekommunikationssatelliten auf Basis der Plattform arbeiten, 150 weitere an meteorologischen Satelliten.

Gerd Gruppe, Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR, v.l.), OHB-Vorstandschef Marco Fuchs und Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) posieren vor einem Modell der Satellitenplattform „Small-Geo“ in der Bremer OHB-Zentrale. - Foto: dpa

„Es war eine strategische Entscheidung, die Systemkompetenz im Bereich der Kommunikationssatelliten wiederherzustellen“, sagt Dr.  Gerd Gruppe, Vorstand des Raumfahrtmanagements der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es gebe einen großen internationalen Markt und auch die Bundesbürger würden konkrete Nutznießer – etwa bei diversen Fernsehübertragungen mit dem neuen Satelliten.

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