Martinsclub Bremen verwirklicht Wohnprojekt

Nähe und Distanz

Grundsteinlegung für das Martinsclub-Quartier: Thomas Bretschneider (Vorstand Martinsclub, v.l.) hält die Zeitkapsel, die gleich bei der Grundsteinlegung eingemauert wird. Verdeckt: Architekt Jakin Schumpp. Daneben: Holger Sauer, Urenkel eines früheren Bauherrn, der hier vor gut 200 Jahren einen Bauernhof errichtete. Margarethe Jaubiec wird Hausleiterin. Rechts Alexander Künzel, Seniorvorstand der Bremer Heimstiftung. 
Foto: MKO
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Grundsteinlegung für das Martinsclub-Quartier: Thomas Bretschneider (Vorstand Martinsclub, v.l.) hält die Zeitkapsel, die gleich bei der Grundsteinlegung eingemauert wird. Verdeckt: Architekt Jakin Schumpp. Daneben: Holger Sauer, Urenkel eines früheren Bauherrn, der hier vor gut 200 Jahren einen Bauernhof errichtete. Margarethe Jaubiec wird Hausleiterin. Rechts Alexander Künzel, Seniorvorstand der Bremer Heimstiftung. Foto: MKO
  • Martin Kowalewski
    vonMartin Kowalewski
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Bremen – Der Grundstein ist gelegt. Ein neues Gebäude im Stiftungsdorf Ellener Hof im Stadtteil Osterholz soll zum nächsten Frühjahr fertig sein: das Martinsclub-Quartier. Sechs Appartements sollen hier entstehen.

Gedacht sind sie für Menschen mit Fätalem Alkoholsyndrom (FAS). Sie haben aufgrund des Alkoholkonsums ihrer Mutter schon als Embryo schwere Schädigungen erlitten. Die Folge: vor allem kognitive, aber auch körperliche Einschränkungen.

Margarethe Jakubiec (35) wird die Hausleitung übernehmen. Sie ist Ergotherapeutin und leitet beim Martinsclub zur Zeit das Wohntraining, bei dem Erwachsene lernen, selbstständig zu leben. FAS-Betroffene hätten einen gestörten Tag-Wach-Rhythmus. „Sie werden oft erst abends aktiv und sind viel nachts in der Stadt unterwegs.“ Aus diesem Grunde gebe es in dem Projekt auch eine Nachtbetreuung. Problematisch sei oft auch das Einhalten einer Tagesstruktur, und so werde es mit dem Job auch schwierig. FAS sei erst seit wenigen Jahren nachweisbar, sagt Jakubiec. Die nötigen Diagnostik-Kenntnisse seien nicht sehr weit verbreitet.

Gemeinschaftsküche

In eines der sechs Apartments wird Patrick Freese (23) aus Bremen einziehen. Noch wird er im Wohntraining von Jakubiec betreut. „Ich freue mich“, sagt er. Vor Corona habe er am Wochenende nachts in einer Musik-Kneipe gearbeitet, wo er Flaschen einsammelte. Nun will der gelernte Garten- und Landschaftsbauer zusätzlich auf einem Bauernhof in Cuxhaven arbeiten, sofern das klappt. Freese freut sich auch darüber, dass es neben den Appartements im zweiten Stock im Erdgeschoss einen Gemeinschaftsraum und eine Gemeinschaftsküche geben wird.

Insgesamt 370 Quadratmeter Fläche werden in dem Gebäude zur Verfügung stehen. Die Appartements sind 17 bis 20 Quadratmeter groß und verfügen jeweils über ein eigenes Badezimmer und eine kleine Küche. Sie haben eigene Zugänge, so dass kein Zwang entsteht, die Gemeinschaftsräume zu nutzen. Das können die Bewohner frei entscheiden, sagt Sebastian Jung (46), Geschäftsführer beim Martinsclub. So werde eine Mischung aus Nähe und Distanz möglich. Zudem wird in dem Haus eine Wohnung für eine fünfköpfige Familie eingerichtet. Die Zahl von sechs Appartrments sei hoch. Der Standard läge eher bei vier.

Kosten: 1,2 Millionen Euro

Von dem Projekt aus sollen 14 FAS-Betroffene betreut werden. Weitere werden in Wohnungen im Stiftungsdorf Ellener Hof leben. 1,2 Millionen Euro investiert der Martinsclub in das Gebäude, querfinanziert über die Mieteinnahmen und die Grundsicherung der Bewohner, so Jung.

Auf der Baustelle stand vorher ein alter Bauernhof, gut 200 Jahre alt, und von vielen Anwohnern als historisches Bauwerk geschätzt. Eine Anpassung an aktuelle energetische und Feuerschutzanforderungen sei im Altbau zu dem Preis nicht machbar gewesen, sagt Architekt Jakin Schumpp (37) vom Architekturbüro Kammler+Partner. „Das Holz im Inneren hätte eingekapselt, die Wand von außen mit einer Hartschaumdämmung versehen werden müssen“, so Schumpp weiter. Von der historischen Optik wäre nicht viel übriggeblieben.

Kompromiss

Doch man fand einen Kompromiss: Die alte Häuserfront bleibt, verstärkt mit Betonstreifen in der Erde. Hinter die historische Fassade wird Dämmstein eingezogen. Über den Erhalt der Fassade freut sich Holger Sauer (70), Urenkel des ehemaligen Bauherrn. Er legt ein altes Familienfoto in die Zeitkapsel, die bei der Grundsteinlegung eingemauert wird.

Von Martin Kowalewski

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