PORTRÄT Isa Nolle verabschiedet sich als Volksbund-Geschäftsführerin in den Ruhestand

Auf zum nächsten Lebensabschnitt

Isa Nolle ist dem Volksbund seit ihrer Kindheit eng verbunden. 1995 wurde sie hauptamtliche Jugendreferentin beim Landesverband Bremen, 2012 Geschäftführerin. Jetzt geht sie in den Ruhestand. Foto: GNUSCHKE

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Von Kindesbeinen an kennt Isa Nolle den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Kein Wunder, schließlich war ihr Vater Siegfried Falke Geschäftsführer im Landesverband Bremen. Damals, in den 60er Jahren, hatte sich die kleine Isa nicht träumen lassen, dass sie irgendwann eine seiner Nachfolgerinnen wird. Doch so kam es 2012. Bereits 1995 wurde Isa Nolle Jugendreferentin. Nach 24 Jahren beim Volksbund verabschiedet sich die 61-Jährige nun in den Ruhestand, genauer: in die Altersteilzeit.

Mit Wehmut? Energisch schüttelt Isa Nolle den Kopf. „Es ist alles rund. Ich weiß den Volksbund in guten Händen und freue mich auf den nächsten Lebensabschnitt. Ich schaue mal, was die Welt noch zu bieten hat“, sagt sie. Und wer sie kennt, hat keinen Zweifel an dieser positiven Einstellung. Radfahren, Kochen, Freunde treffen, das steht jetzt an. Nolles Nachfolger ist Matthias Sobotta.

Ein Jahr war Isa Nolle alt, als ihr Vater Jugendreferent beim Bremer Volksbund wurde. Ihre erste Erinnerung an seine Arbeit ist eine internationale Jugendbegegnung in Sandbostel. „Das war faszinierend, junge Leute aus verschiedenen Ländern. Das wollte ich auch“, sagt die 61-Jährige noch heute mit einem Leuchten in den Augen. Sie wollte die Welt nach Hause, nach Bremen, holen – denn internationaler Austausch, das war in den 60ern keinesfalls selbstverständlich.

International ging es bei den Falkes immer zu. Nach englischer Kriegsgefangenschaft und einem Theologiestudium kam der Vater über den CVJM nach Schweden, um dort zu lernen, wie demokratische Jugendarbeit funktioniert. So kam es, dass sich im Anschluss zahlreiche schwedische Gäste im Hause Falke in Bremen tummelten. Einer der Gäste wurde Isa Nolles Patenonkel, mit dem sie bis zu dessen Tod Kontakt hatte. Die Internationalität hat sich übrigens bei ihren Töchtern fortgesetzt. Nikola lebte viele Jahre in Frankreich. Eva hat eine eigene Firma in Kapstadt.

Nolle beendete die Schule, lernte Hotelkauffrau und engagierte sich weiterhin für den Volksbund, für Camps und Jugendarbeit. Sie leitete gerade ein Camp, als das Angebot kam, das Ehrenamt in einen Vollzeitjob zu tauschen. So wurde sie 1995 Jugendreferentin des Bremer Volksbundes, dessen Geschäftsführer ihr Vater bis 1989 gewesen war. Chef war unterdessen Rolf Reimers, der später Isa Nolles Ehemann werden sollte.

Jugendarbeit, Kriegsgräberpflege im Ausland, in der Folge historisch-politische Bildung, Biographie-Arbeit, Kontakt zu Familien von Kriegstoten. „Das war genau meins“, erinnert sich Nolle. Der Schwerpunkt veränderte sich hin zur Friedensarbeit. Dazu gehörten vier Jugendcamps im Jahr – drei davon im Ausland. Zur Finanzierung der Jugendarbeit trug die „Musikschau der Nationen“ bei, die Vater Siegfried 1965 ins Leben gerufen hatte. Viele Jahre begeisterte die Schau mit professionellen Blasorchestern aus aller Welt (unter anderem aus Wien, Kapstadt und Peking) die Zuschauer. Schweren Herzens – und vor zwei Jahren war Wehmut dabei – stellte der Volksbund die Musikschau ein. Isa Nolle war bei der ersten und bei der letzten 2017 dabei, da als Geschäftsführerin. 2012 war sie ihrem Mann Rolf Reimers nach dessen Ruhestand auf dem Posten gefolgt. „Aufwand und Ertrag standen bei der Musikschau leider nicht mehr in einem realistischen Verhältnis“, sagt Nolle. Bei einem Verband, der sich zum großen Teil durch Beiträge und Spendengelder trage, sei der Fortbestand der Schau nicht mehr möglich gewesen.

Nolle und ihr Team sind seitdem noch stärker in der Erinnerungskultur engagiert. „Gut und modern“ ist der Volksbund dabei aufgestellt, betont die scheidende Chefin. Die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt, insbesondere mit Jugendlichen, die betrachtet die 61-Jährige „als besonderes Privileg“. Und auch die Jugendlichen hätten für ihr Leben profitiert, sagt sie überzeugt. Toleranz und Anerkennung seien bei dieser Art Engagement „superwichtig“. Viele Menschen hat Isa Nolle kennengelernt, Menschen mit ähnlichen Werten. Lebenslange Freundschaften sind entstanden. Den hohen persönlichen Einsatz, zum Beispiel rund um die Uhr für die Jugendlichen da zu sein, habe sie „tausendfach zurückbekommen“, sagt sie. Berufung statt Beruf? „Ja“, bestätigt sie ohne Zögern. Isa Nolle betont dabei einen zweiten Aspekt, der ihr am Herzen liegt: die Begegnung mit Angehörigen von Kriegstoten. Nolle: „Wir vermitteln ihnen Ruhe, wenn sie wissen, wo ihre Angehörigen geblieben sind.“ Die Arbeit des Volksbundes sei angesichts Tausender von Kriegstoten täglich, für die Angehörige gesucht würden, längst nicht beendet.

„Toter sucht Angehörigen“ 

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde 1919 mit dem Ziel gegründet, Kriegsgräberstätten anzulegen, zu pflegen und Angehörige über die Schicksale ihrer Familienmitglieder zu informieren. Der Landesverband Bremen existiert seit 1921. Seit den 50er Jahren wird zudem Jugendarbeit geleistet. „Bildungsarbeit ist Zukunftsarbeit“, sagt Isa Nolle, die scheidene Geschäftsführerin. Dem Landesverband Bremen gehören rund 1 500 Mitglieder an. Ein bundesweites Projekt nennt sich „Toter sucht Angehörigen“. 4,7 Millionen Datensätze liegen für die Online-Gräbersuche vor. Mehr Infos unter www.graebersuche-online.de

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