„Nachtcafé“ und Genesungsbegleiter

Bremen treibt Psychiatriereform weiter voran

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Bremen will die Psychiatriereform weiter vorantreiben. Zu den Zielen gehört es, die ambulante Versorgung zu verbessern und Psychiatrieerfahrene verstärkt einzubeziehen. Angebote in den Stadtteilen sollen stärker vernetzt werden – auch trägerübergreifend, wie es am Montag im „Wichernhaus“ der Inneren Mission (Am Dobben) hieß. Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) stellte hier 13 Modellprojekte vor, die ihr Ressort mit insgesamt knapp 1,2 Millionen Euro fördert.

„Mein Dank gilt den Trägern. Die vielfältigen Projekte zeigen die Kreativität und Innovationsbereitschaft der Bremer und Bremerhavener Psychiatrie“, so die Senatorin. „Mit den ausgewählten Projekten können wir die Versorgungsqualität erhöhen und eine ambulante, regionale Ausrichtung der Psychiatrie fördern.“

Ein Beispiel ist das „Nachtcafé“, das die Bremer Werkgemeinschaft in ihrer Tagesstätte West in Walle anbietet – „von 19.30 Uhr bis 2.30 Uhr und an sieben Tagen in der Woche“, wie Lutz-Uwe Dünnwald, kaufmännischer Geschäftsführer der Werkgemeinschaft, sagt. „Das ist ein sehr niedrigschwelliges Angebot.“ Gedacht ist es etwa „für Menschen, die sonst alleine zu Haus sind und nicht wissen, was sie tun sollen“. Im „Nachtcafé“, das sich zunächst einmal an die Region Mitte-West richtet, können sie Gesprächspartner und Rat finden – oder auch einfach Ruhe für eine Tasse Kaffee.

Zehn Stellen sieht das von Senatorin Quante-Brandt vorgestellte Förderprogramm für Genesungsbegleiter vor. Das, so die Erklärung, sind Menschen mit Psychiatrieerfahrung, die Patienten begleiten „und aus ihrem eigenen Erfahrungswissen anderen Menschen in seelischen Krisen Unterstützung von Betroffenen zu Betroffenen geben können“.

Und: „Durch persönliche Gespräche entsteht hier oft zügig ein tragfähiges Vertrauensverhältnis. Psychiatrieerfahrene wachsen in eine neue aktive Rolle hinein.“ Beim Thema „Genesungsbegleiter“ liege Bremen bundesweit an der Spitze, sagte Quante-Brandt.

Bisher schon seien Psychiatrieerfahrene – und Angehörige – in Gremien zur Planung und Evaluation der psychiatrischen Versorgung auf regionaler Ebene sowie auf Landesebene beteiligt, wurde im „Wichernhaus“ betont. Bei verschiedenen psychiatrischen Organisationen sitzen Psychiatrieerfahrene – und Angehörige – in Steuerungsgremien und Ethikkommissionen.

Für die Psychiatriereform stehen im Haushalt 1,185 Millionen Euro bereit. Mit dem Geld werden – wie es heißt – „innovative Projekte mit Modellcharakter“ gefördert, die zudem „der Umsetzung des Bürgerschaftsbeschlusses zur Weiterentwicklung der Psychiatriereform in Bremen 2013 bis 2021 und des Landesaktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention dienen“.

Dazu gehören auch Krisenangebote – wie beispielsweise eine telefonische Krisenberatung für ganz Bremen zu Zeiten, in denen der zentrale Krisendienst nicht tätig ist. Die Gesellschaft für ambulante psychiatrische Dienste kooperiert dabei unter anderem auch mit dem „Nachtcafé“ der Bremer Werkgemeinschaft.

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