„Im Nachhinein sehr seltsam“

Mord ohne Leiche: Schwester und Schwager der verschwundenen Frau halten Angeklagten für Täter

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Der Angeklagte im Prozess um den Mordfall ohne Leiche. Am Dienstag haben Angehörige ausgesagt.

Bremen - Von Steffen Koller. Mehr als ein Vierteljahrhundert ist es her, da verschwand die 29-jährige Jutta Fuchs aus Farge spurlos. Bis heute ist sie nicht wieder aufgetaucht. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, Jutta Fuchs wurde umgebracht – von ihrem damaligen Verlobten Wolfgang O.. Er muss sich seit Anfang August wegen Mordes vor dem Bremer Landgericht verantworten. Am Dienstag, an Tag drei des Mordfalls ohne Leiche, sagten die jüngste Schwester und ein Schwager von Jutta Fuchs aus. Beide glauben nicht mehr an ein Happy End.

Recht früh sei beiden klar gewesen, Jutta lebe nicht mehr, sagen sie am Dienstag vor dem Landgericht. Einfach so zu verschwinden, das passe nicht zu der „lebenslustigen“, „fürsorglichen“ und „verantwortungsvollen Frau“, so die jüngste Schwester von Jutta Fuchs. Was mit ihr geschehen sein könnte, auch das wissen sie nicht, sagen die Zeugen – neben der Schwester auch deren Ehemann, also der Schwager der am 26. Juni 1993 spurlos verschwundenen Frau.

Vieles sei ihnen im Nachhinein „komisch“ vorgekommen, wirkliche Beweise für eine mögliche Täterschaft des 58-Jährigen hätten sie bis heute nicht. Und dennoch klingt in den Aussagen der beiden Zeugen immer wieder durch, dass sie den Angeklagten in dem Morfall ohne Leiche für den Täter halten – und das bereits seit dem Verschwinden vor 25 Jahren.

So habe O. kurz nach dem Verschwinden seiner Verlobten von einem befreundeten Kripobeamten das Flensburger Punktekonto überprüfen lassen und diesen beauftragt, nach Vorstrafen von Jutta Fuchs zu suchen. „Was soll das? Wen interessiert das in einer solchen Situation?“, fragt der 57-jährige Schwager in den Raum. Als der Zeuge wenige Tage nach Juttas Verschwinden den Vater des heute Angeklagten besucht habe, habe der ihm gesagt, O. sei in die Niederlande gefahren. Auch das kam dem Mann merkwürdig vor. „Warum sucht der nicht nach seiner Frau?“ Dann habe der Vater noch hinzugefügt: „Hoffentlich tut der sich nichts an.“ Er habe damit seinen Sohn gemeint.

Dass der Zeuge von Anfang glaubte, O. habe seine Verlobte umgebracht, davon machte er auch 1993 keinen Hehl. Als er das auch der Familie O.s mitteilte, sei der Kontakt abgebrochen. „Bis heute habe ich daran nichts geändert“, sagt er. Die Ursprünge vieler Informationen, die er 2007 bei seiner ersten polizeilichen Vernehmung preisgegeben habe – und die den Angeklagten stark belasteten – könne er heute nicht mehr nachvollziehen. „Keine Ahnung. Weiß ich nicht mehr“, so der Zeuge. Die jüngste Schwester von Jutta Fuchs, heute 52 Jahre alt, sagt im Zeugenstand, ihr sei es besonders merkwürdig vorgekommen, dass sich O. nach dem Verschwinden seiner Verlobten nie mit ihr (der Schwester) getroffen habe, nie nachgefragt habe, ob sie was wisse oder eventuell etwas Neues erfahren habe. „Im Nachhinein sehr seltsam“, sagt sie.

Zudem sollen alle Fotos aus der neuen Wohnung, in die Jutta Fuchs mit dem gemeinsamen zweijährigen Sohn ziehen wollte, „vernichtet“ worden sein. Was genau sie damit meine, könne sie heute nicht mehr sagen. „Sie waren jedenfalls weg.“ Der Grund für die mutmaßliche Trennung von O. sehen beide Zeugen in der „Untreue“ des Angeklagten. „Er war kein Kostverächter. Er wollte gemocht werden“, so die Schwester.

Der Prozess wird am Freitag, 24. August, fortgesetzt.

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Mordfall ohne Leiche - Staatsanwaltschaft liefert vier mögliche Tatvarianten


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