Nachbar: Laute Rufe der Polizei

Prozess um Schüsse aus der Wohnung: Urteil verzögert sich

Bremen - Von Steffen Koller. Es war ein tragisches Missverständnis, bei der eine damals 17-Jährige fast gestorben wäre: Im März 2016 erwiderte ein heute 35-jähriger Polizist bei einem Einsatz Schüsse aus nächster Nähe durch eine leicht geöffnete Wohnungstür und verletzte dabei das Mädchen lebensgefährlich.

Seit vergangener Woche steht nun der Mann vor dem Amtsgericht Bremen, der die fatale Reaktion ausgelöst haben soll. Der 33-Jährige hatte mit einer Schreckschusspistole auf den Beamten geschossen und muss sich wegen gefährlicher sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Am Mittwoch hörte das Gericht weitere Zeugen. So unter anderem einen Nachbarn des 33-Jährigen, der aussagte, er habe klar hören können, dass die Polizei sich durch laute Rufe („Aufmachen, Polizei!“) zu erkennen gegeben habe. Es ist einer der zentralen Punkte des Verfahrens. 

Denn: Im Vorfeld des Schusswechsels soll es im Haus des Angeklagten an der Tiefer zu einer Schlägerei mit ungebetenen Partygästen gekommen sein. Als die Störenfriede wieder abzogen und es abermals klingelte, habe der Angeklagte befürchtet, die Schläger seien zurück.

Verfahren im Juni 2016 eingestellt

Doch es waren Polizisten, die selbst durch den Angeklagten oder Gäste der Feier gerufen worden waren. Die Beamten versuchten mehrfach, die Wohnungstür aufzubrechen – ohne Erfolg. Dann plötzlich die Schüsse. Jemand feuerte aus etwa 1,5 Metern Entfernung auf den Polizisten – und dieser schoss fünfmal zurück. Dabei traf er die heute 18-Jährige, die hinter der geschlossenen Tür stand, unter anderem in die Leber.

Das Verfahren gegen den 35-jährigen Polizisten wurde im Juni 2016 eingestellt. Er habe korrekt gehandelt, hieß es. Gegen den 33-Jährigen aus der Wohnung wurde ein Strafbefehl über eine einjährige Freiheitsstrafe auf Bewährung erlassen. Er legte Widerspruch ein. Ursprünglich war das Urteil für Mittwoch erwartet worden, doch durch Anträge des Verteidigers des Angeklagten, Christian Knüpling, verschiebt sich dieses bis voraussichtlich November. Knüpling sagte, es sei ein „absolut atypischer Kausalablauf“, wenn Beamte auf Schüsse mit einer Schreckschusspistole mit scharfer Munition reagierten. Sein Mandant habe sich in einer „absoluten Bedrohungssituation“ befunden, keinen anderen Ausweg gewusst.

Rubriklistenbild: © dpa

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