43-Jähriger erhält zweijährige Bewährungsstrafe

Nach Überfall im November: „Echte Reue“ zahlt sich aus

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Der 43-jährige Angeklagte (r.) zeigte sich von Beginn an geständig und reuig. Er wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt, was sowohl er als auch sein Verteidiger Heinz-Dieter Gähl „dankend“ annahmen.

Bremen - Von Steffen Koller. Blitz-Urteil am Landgericht: Weil ein 43-Jähriger im November 2016 eine junge Frau im Steintorviertel überfallen, ihre Tasche samt 5 150 Euro Bargeld gestohlen und sowohl sie als auch zwei zur Hilfe eilende Passanten mit Pfefferspray attackiert hatte, verurteilte die Kammer den Mann unter anderem wegen besonders schweren Raubes zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe.

Der Mann gab am Dienstag zu, aus finanziellen Nöten heraus die Frau abgepasst und ihre Handtasche, in der sie die Tageseinnahmen eines Restaurants befanden, entrissen zu haben. Als die 47-Jährige in Panik ausbrach und um Hilfe schrie, nahm er sie in den Schwitzkasten und sprühte ihr bei seiner Flucht Pfefferspray ins Gesicht. Auch zwei Mitarbeiter einer Gaststätte, die der Frau zur Hilfe eilten, wurden vom Angeklagten besprüht. Trotzdem konnten sie den 43-Jährigen zu Fall bringen und später herbeigerufenen Polizisten übergeben.

Mann war von sich selbst erschrocken

In seinem Geständnis machte der Mann klar, er habe es nie so weit kommen lassen wollen. „In diesem Ausmaß war das nie geplant“, sagte der Mann. Er schäme sich und sei selbst über seine Tat erschrocken gewesen. Noch weitaus schockierter sei er damals gewesen, als sein Anwalt ihm das drohende Strafmaß mitteilte. Mindestens fünf Jahre Haft stehen laut Strafgesetzbuch auf besonders schweren Raub.

Das Gericht entschied nach nicht einmal drei Stunden Verhandlung, den Mann wegen besonders schweren Raubes, besonders schweren räuberischen Diebstahls und dreifacher gefährlicher Körperverletzung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe zu verurteilen und orientierte sich dabei am zuvor vom Staatsanwalt vorgeschlagenen Strafmaß. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Da die Kammer unter Vorsitz von Richterin Andrea Schneider im Handeln des Mannes einen minderschweren Fall sah, war überhaupt erst eine Bewährungsstrafe möglich.

„Nicht der kaltblütige Räuber, den wir hier sonst sitzen haben“

Zwar habe das Opfer „zweifellos bis heute mit schweren psychischen Tatfolgen zu kämpfen“ und auch das Vorgehen bezeichnete die Richterin „erheblich von Gewalt geprägt“, dennoch spreche auch einiges gegen eine Gefängnisstrafe. So habe sich der Mann bisher nie etwas zu Schulden kommen lassen, sei von Beginn an geständig gewesen und zeige „echte Reue“.

Außerdem, so Richterin Schneider, habe sich der Angeklagte in einer für ihn „ausweglosen Situation“ befunden. Nach eigenen Angaben zahle der Mann jeden Monat mehr als 1 200 Euro Unterhalt für seine vier Kinder, gehe seit jeher arbeiten und brauchte Geld für Nahrungsmittel. „Sie sind nicht der kaltblütige Räuber, den wir hier sonst zum Teil zu sitzen haben“, sagte Schneider zum Angeklagten, der sichtlich erleichtert den Gerichtssaal verließ.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Staatsanwalt und Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel.

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