Nach Silvester in Köln: Waffengeschäfte boomen

Bremer rüsten auf

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Nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht sind in Bremen die Anträge auf einen „Kleinen Waffenschein“ sprunghaft angestiegen. Allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres haben 115 Bremer den Schein beantragt, im ganzen Jahr 2015 waren es laut Stadtamt 105.

Bremen - Von Steffen Koller. Gaspistolen, Pfefferspray, Kampfsport: Immer mehr Bremer sind nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht verunsichert und wollen sich gegen potenzielle Überfälle und Antanzdelikte schützen. Während Waffengeschäfte nahezu ausverkauft sind und Selbstverteidigungskurse Hochkonjunktur haben, schlagen Polizei und Politik Alarm.

Ein Blick auf die nackten Zahlen spricht Bände: Allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres beantragten 115 Bremer einen sogenannten „Kleinen Waffenschein“, heißt es aus dem Stadtamt. Dieser befähigt zum Mitführen einer Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffe und ist grundsätzlich ab 18 Jahren erhältlich. Stellt das Amt die „persönliche Eignung“ fest, ist der Antragsteller zum Beispiel nicht vorbestraft, gibt es den Schein für 50 Euro. Zum Vergleich: Im kompletten Jahr 2014 beantragten 79 Bremer einen „Kleinen Waffenschein“, im ganzen Jahr 2015 waren es 105 (bundesweit: von November 2015 bis Ende Januar 2016 etwa 21 000).

Grundsätzlich kann jeder ab 18 Jahren eine solche Pistole erwerben, erst wenn er damit ohne Waffenschein auf die Straße geht, macht er sich strafbar. Somit können diese Zahlen nur einen Trend verdeutlichen, den das Innenressort mit großer Sorge sieht. Hier habe man die „auffällige Steigerung“ ebenfalls wahrgenommen, man sehe die Zahlen aber „interpretationswürdig“, sagt Sprecherin Rose Gerdts-Schiffler. Sie betont, dass man die Verunsicherung der Menschen nicht von der Hand weisen könne, nur sei es „strittig“, ob Waffengebrauch der richtige Weg sei. Im schlimmsten Fall könne dadurch genau das Gegenteil bewirkt werden: Eskalation.

Die Angst in der Bevölkerung rühre aus einer „Gemengelage“, die unter anderem verursacht werde, weil es keine „schnellen und einfachen Lösungen“ gäbe, und aus einer Gruppe von etwa 50 jugendlichen Flüchtlingen, die vorrangig in der Nähe des Hauptbahnhofs für „große Probleme“ sorge, so Gerdts-Schiffler. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) betrachtet die Entwicklung mit Sorge. Zwar würde er die Ängste der Bürger verstehen, Waffengebrauch sei aber „gefährlich und falsch“, meint GdP-Chef Jochen Kopelke. Beamten sei antrainiert, jede Waffe als gefährlich einzustufen, so dass man „gegebenenfalls damit rechnen muss, in die Mündung einer Polizeidienstwaffe zu blicken“.

Besonders Männer, so Gerdts-Schiffler, hätten seit Jahresbeginn den „Kleinen Waffenschein“ beantragt. Frauen würden eher zu Pfefferspray und Co. greifen, berichtet ein Mitarbeiter aus einem Bremer Waffengeschäft. Dort hält man sich grundsätzlich mit Auskünften bedeckt, verrät aber, dass CS-Gas seit Wochen ausverkauft sei. „Es vergeht kein Tag, an dem wir keine Anfrage haben.“

Ähnlich sieht es bei „Krav Maga Bremen“ aus. Rodney Unruh, Leiter des aus Israel stammenden Selbstverteidigungskurses, bestätigt den Trend seit Neujahr. „Früher mussten wir die Leute mit dem Lasso fangen, heute sind wir ausgebucht.“ Besonders die Zahl der weiblichen Kursteilnehmer sei „durch ein von außen gestörtes Sicherheitsgefühl“ gestiegen, sagt Unruh. In seinen Kursen bringt er Teilnehmern entscheidende Aspekte bei: im Vorfeld die Situation abschätzen, die Umgebung beobachten. „Es gibt immer Vorzeichen“, meint er mit Blick auf mögliche Raubüberfälle.

Komme es zum Kampf, heißt es: Raum verschaffen, nicht viel nachdenken und auf keinen Fall verharren: „Schlagen und Treten kann jeder.“ Helfe gar nichts, sollte man wegrennen. Auch für Personen mit geringem Selbstvertrauen sei schon ein Crashkurs von großer Wirkung, so Unruh: „Man kann aus einem Schaf keinen Löwen machen – aber ein Kampf-Schaf.“

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