Nach französischem Vorbild

Verschwunden: Der große Flohmarkt in der Bremer Innenstadt

Der Herr mit Zylinder und lauter Schätzen: Teil eines Plakats von Klaus Warwas, das für den großen Flohmarkt in der Bremer Innenstadt warb.
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Der Herr mit Zylinder und lauter Schätzen: Teil eines Plakats von Klaus Warwas, das für den großen Flohmarkt in der Bremer Innenstadt warb.

Bremen – Es gab ihn nur zweimal im Jahr – und er zog zuweilen 100 000 Besucher an, der große Flohmarkt in der Bremer Innenstadt. Doch 1980 war plötzlich Schluss.

  • In den 60er Jahren erwacht auch in Bremen die Begeisterung für Nostalgisches.
  • Großer Flohmarkt: Dichtes Gedränge in den Straßen der Bremer Innenstadt.
  • 1980 kommen Sicherheitsbedenken auf.

Der Herr trägt einen vornehmen Zylinder und ein wahrlich schrilles Hemd. Eine Menge Krempel umgibt ihn. Oder sind es Schätze? Eine Puppe ohne Arme, ein Käfig, ein Kochtopf. Eine Kanne, eine Kuchenform, ein Koffer. Kann das noch jemand gebrauchen? Vielleicht schon. Der Herr mit dem Zylinder wirbt für den Flohmarkt in der Bremer Innenstadt – für einen Markt, den es so seit langer Zeit schon nicht mehr gibt. Und damit ist er heute Thema unserer Serie Verschwunden.

Flohmarkt in der Bremer Innenstadt? Das war ein richtiges Spektakel, denn diesen Flohmarkt, den gab es nur zweimal im Jahr – im Frühjahr und im Herbst breiteten Bremer und Buten-Bremer ihre Schätze (oder das, was sie dafür hielten) in verschiedenen Straßen rund um den Bremer Marktplatz aus. Musikkassetten, Sammelalben, Stofftiere. Teller, Tücher, Tontöpfe. Schwimmflossen, Weihnachtskugeln, Schallplatten.

Der Flohmarkt im Herzen Bremens, er sollte französisches Flair in die Hansestadt bringen. Das Savoir vivre von der Seine hatte man sich an der Weser zum Vorbild genommen, als die Idee des großen Flohmarkts in den 60er Jahren aufkam. Hinzu kam eine wachsende Wertschätzung für Gebrauchtes und Nostalgisches. Alte Dinge wurden mit einem neuen Blick betrachtet. Krempel oder Schätze? Schätze!

1968 erster Flohmarkt in der Bremer Innenstadt

Der erste große Flohmarkt in der Bremer Stadtmitte wurde im September 1968 organisiert. Der zweite folgte dann im Frühjahr 1969, am 3. Mai. Er wurde regelrecht zelebriert und von mehr als 100 000 Menschen besucht, wie es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011) heißt.

Frühjahr und Herbst – bei diesem Rhythmus blieb es trotz (oder vielleicht auch wegen) der hohen Nachfrage. Zwischen historischen Bauten in alten Dingen stöbern und nach Schätzen für Küche, Wohnzimmer oder Hobbyraum suchen – das zog weit über Bremens Grenzen hinaus. An den Tagen des großen Flohmarkts war die Innenstadt voll; durchaus auch zur Freude jener Geschäftsleute, die Neuwaren anboten und nicht mit Flohmarktpreisen operierten: Gern wurde der Flohmarkt mit Innenstadt-Werbeaktionen wie etwa der „Einkaufswoche“ kombiniert.

So steht es auch auf dem Plakat, das den Herrn mit Zylinder heißt, der von – wie wir inzwischen wissen – lauter Schätzen umgeben ist. Das Plakat war eine Arbeit des Bremer Künstlers Klaus Warwas. Der Grafiker und Kunstprofessor – in den 70ern unter anderem durch den Fotoband „Wird Bremen immer häßlicher?“ weithin bekannt – hat gewissermaßen eine bremische Variante des französischen Flohmarkt-Flairs inszeniert. Der Herr mit dem knallbunten Hemd, der wilden Krawatte und dem Zylinder scheint sich nicht übermäßig ernstzunehmen, den Flohmarkt und dessen Schätze allerdings schon.

Bedenken wegen Sicherheit und Feuerschutz

Anderen ging der Spaß an all den alten Töpfen, Büchern und Kleidern jedoch zu weit. So ein Gedränge in der Stadt, kein Durchkommen in der City! Im September 1980 war der Spaß vorbei, den großen Flohmarkt in der Stadtmitte durfte es „aus sicherheits- und feuerpolizeilichen Gründen“ nicht mehr geben, wie im „Großen Bremen-Lexikon“ nachzulesen ist.

Alternativen entwickelten sich anschließend – nicht mehr nur zweimal im Jahr – auf verschiedenen Teilen der Bürgerweide und schließlich auch an der Weser (schon vor der Wiederbelebung der Schlachte). Ob aber der Herr mit dem Zylinder jemals auf der Bürgerweide oder an der Weserpromenade war, das ist nicht überliefert.

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