Nabu misst Luftschadstoffbelastung am Kreuzfahrtterminal in Bremerhaven

„Mir stinkt‘s“

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Der Leiter für Luftschadstoffmessungen beim Naturschutzbund, Axel Friedrich, misst am Kreuzfahrtterminal in Bremerhaven die zusätzliche Belastung der Luft durch das Kreuzfahrtschiff „Artania“.

Bremerhaven - Angesichts der boomenden Kreuzfahrtbranche warnt der Naturschutzbund (Nabu) vor wachsenden gesundheitlichen Gefahren durch die Abgase der Schiffe. Die ultrafeinen Partikel aus den Schornsteinen belasteten die Anwohner und Schiffsreisenden, weil sie schwere Krankheiten wie Herz-Kreislaufschäden verursachen können, sagte der Nabu-Referent für Verkehrspolitik, Sönke Diesener, gestern in Bremerhaven.

Diesener maß im Kreuzfahrtterminal gemeinsam mit Axel Friedrich die Luftschadstoffbelastung, die von der „MS Artania“ ausging. „Der Wert ist über hundertfach höher als die örtliche Hintergrundbelastung“, sagte Diesener. Da Kreuzfahrtschiffe einen hohen Energiebedarf hätten, liefen die Motoren auch während der Liegezeit im Hafen. Der Nabu fordert in seiner Kampagne „Mir stinkt‘s – Kreuzfahrtschiffe sauber machen“ die Reeder auf, ihre Schiffe mit Partikelfiltern und Stickoxidkatalysatoren auszurüsten.

Der Kreuzfahrtverband CLIA Deutschland kritisierte die Messmethode der Umweltschützer. „Relevant ist in diesem Fall die durchschnittliche Schadstoffbelastung über das Jahr, nicht das Messergebnis an einem Tag oder gar für wenige Minuten“, teilte CLIA-Chef Helge Grammerstorf mit. Zudem existiere derzeit noch keine Technologie für Kreuzfahrtschiffe, die sehr kleine Rußpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometer filtern könne. Für den Betrieb während der Hafenliegezeit würden Kreuzfahrtschiffe Hilfsmotoren einsetzen, die Marinediesel mit wenig Schwefel nutzen.

Reedereien wie Aida und Costa wollen ihre Kreuzfahrtschiffe umweltfreundlicher machen. Doch wie sieht es mit den vorhandenen Schiffen aus?

Sind Kreuzfahrtschiffe umweltschädlicher als Handelsschiffe?

Die größeren Schmutzfinken auf den Weltmeeren sind die Frachtschiffe, sie sind deutlich in der Überzahl. Kreuzfahrtschiffe machen nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes nur 0,52 Prozent der zivilen Schifffahrt aus. Auch der Nabu räumt ein, dass Containerschiffe absolut gesehen die größere Menge giftiger Luftschadstoffe produzieren. Allerdings weisen Umweltschützer darauf hin, dass manche Kreuzfahrtschiffe einen besonders hohen Energiebedarf haben. Sie haben Klimaanlagen, Sauna und Wellness und manche sogar kleine Brauereien an Bord. Im Unterschied zu Handelsschiffen stellen Kreuzfahrtschiffe ihren Motor im Hafen nicht ab, weil der Betrieb aufrechterhalten werden muss.

Wie schädlich sind die Emissionen für die Bewohner der Hafenstädte und für die Reisenden?

Die Kreuzfahrtterminals sind meist nah an dichtbesiedeltem Gebiet. Deshalb sind viele Menschen von den Emissionen betroffen, sagt der Nabu. Die Emissionen können zu Atemwegserkrankungen bis zu Lungenkrebs führen. „Die sehr kleinen Rußpartikel können sogar über die Lunge in die Blutbahn und dann zum Herz oder ins Gehirn gelangen und so zu einem Herzinfarkt führen oder für eine Alzheimer-Erkrankung verantwortlich sein“, sagt Nabu-Referent Sönke Diesener. Die EU hat errechnet, dass 50 000 vorzeitige Todesfälle in Europa auf Emissionen aus der internationalen Schifffahrt zurückzuführen sind. Die Deutsche Lungenstiftung rät Patienten mit Atemwegserkrankungen, die sich auf eine Kreuzfahrt begeben, sich vor den Abgasen an Bord in Acht zu nehmen. Sonst könnte sich der Gesundheitszustand verschlimmern.

Was tun die Reedereien, um die Emissionen zu senken?

Die Reedereien Aida Cruises und Costa Crociere haben angekündigt, je zwei Neubauten mit Flüssiggas (LNG) betreiben zu wollen. Mit LNG werden Stick- und Kohlendioxid in den Abgasen der Schiffe deutlich verringert und Feinstaub-Emissionen sowie Schwefel ganz vermieden. Auch der Nabu begrüßt, dass Bewegung in den Markt gekommen ist. Zur Zeit würden aber alle Kreuzfahrtschiffe noch mit Raffinerieabfällen fahren. Der Deutsche Reiseverband hält dagegen, dass Reedereien fortlaufend bemüht seien, den Treibstoffverbrauch allein schon aus Kostengründen durch eine effiziente Fahrtgeschwindigkeit zu verringern.

dpa

www.NABU- bremen.de

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