Geiseldrama von Gladbeck als Film

Mutter von Silke Bischoff: „Meine Tochter hätte nicht sterben müssen“

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Szene aus dem zweiteiligen Spiefilm „Gladbeck“ im März im Ersten: Dieter Degowski (Alexander Scheer) bedroht die Bremer Geisel Silke (Zsa Zsa Inci Bürkle) mit geladener Waffe.

Bremen - Von Anke Seidel. Es sind bewegende Tage für Karin R. Denn das Geiseldrama in Gladbeck und Bremen, bei dem am 18. August 1988 ihre Tochter Silke Bischoff starb, ist alles andere als vergessen. Jetzt muss die 71-jährige Bremerin ertragen, dass Dieter Degowski, der ihre Tochter immer wieder mit der Waffe bedrohte, nach fast 30 Jahren aus der Haft entlassen ist und unter neuer Identität ein neues Leben beginnen kann.

Außerdem wird Karin R. mit dem Geschehen von damals auf der Leinwand konfrontiert: „Gladbeck“, ein zweiteiliger, abendfüllender Spielfilm, ist abgedreht und am 7. und 8. März jeweils um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Diese Produktion von Ziegler Film in Koproduktion mit ARD Degeto und Radio Bremen hat sich Karin R. bereits in Berlin angesehen – und ist sehr erleichtert über das Ergebnis: „Ich bin froh, dass das gezeigt wird!“

Denn Herzenswunsch der 71-Jährigen ist es, dass das Geschehen von damals nicht in Vergessenheit gerät. Nicht die Brutalität der Täter Hans-Jürgen Rösner, aus dessen Waffe der tödliche Schuss stammte, und Dieter Degowski, der ihre Tochter immer wieder mit der Waffe bedrohte. Genausowenig das Versagen der Polizeiführung, das Karin R. immer und immer wieder beklagt – und das grenzverletzende Verhalten der Medien.

„Sie ist ihr ähnlich“

Karin R. hofft, dass sich vor allem jüngere Menschen mit den unvorstellbaren Ereignissen damals in Gladbeck und Bremen auseinandersetzen – und erkennen, was alles schief gelaufen ist. Eine solche Tat dürfe sich niemals wiederholen, betont die 71-Jährige.

Sie steht schon seit längerem in Kontakt zur „Gladbeck“-Produzentin Regina Ziegler. Zu ihr habe sie mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis, sagt die Bremerin. Und zeigt sich beeindruckt von der Tiefe des Zweiteilers: „Das kann eine Dokumentation nicht so rüberbringen.“ Zsa Zsa Inci Bürkle spielt darin ihre Tochter Silke. „Sie ist ihr ähnlich und macht das wirklich sehr gut“, sagt Karin R.

Regie führte Kilian Riedhof, die Redaktion übernahmen Carolin Haasis (ARD Degeto), Sascha Schwingel (ARD Degeto) und Annette Strelow (Radio Bremen). Das Drehbuch schrieb Holger Karsten Schmidt (Bearbeitung: Kilian Riedhof), und die Kamera führte Armin Franzen. Gedreht wurde unter anderem in Köln, Gladbeck, Bremen, Duisburg und Düsseldorf.

Film soll die Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen

Den Inhalt des Films beschreibt Degeto auf der Internetseite so: „Deutschland, Sommer 1988. 54 Stunden lang halten zwei Bankräuber mit den Geiseln die Republik in Atem. Ein Wettlauf der Medien beginnt: Heerscharen von Journalisten begleiten die Geiselnehmer auf ihrer Flucht, Fernsehen und Radio sind rund um die Uhr live dabei – erstmals dokumentieren sie ein Verbrechen in Echtzeit und verlieren dabei völlig die Distanz zu den Leidtragenden. 

Die Bilder, die dabei entstehen, brennen sich dem Betrachter ein; noch nie war er so nah, so ,echt’ dabei. Die Tür zu einer neuen Art der Berichterstattung wird aufgestoßen. Unter permanenter öffentlicher Beobachtung trifft die Polizei in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Bremen, die auf dieses spektakuläre Verbrechen nicht vorbereitet ist, eine Reihe von schwerwiegenden Fehlentscheidungen. Der Film ,Gladbeck’ wird die Ereignisse des Sommers 1988 aus verschiedenen Blickwinkeln erzählen und eine Verkettung von Umständen zeigen, die drei Menschen mit dem Leben bezahlen mussten.“

„Das war wie Krieg“

Im Anschluss an den zweiten Teil von „Gladbeck“ zeigt Radio Bremen am 8. März im Ersten eine Dokumentation über das Geschehen von damals. Autorin ist Nadja Kölling, die den Menschen hinter dem Drama ein Gesicht geben möchte. 

„Sie war dreieinhalb Stunden bei mir“, erinnert sich Karin R. an die Dreharbeiten zu dieser Dokumentation. Und sie lässt keine Zweifel aufkommen: „Meine Tochter hätte nicht sterben müssen!“ Die Täter hätten schließlich versprochen, die Geiseln freizulassen. Und das hätten sie, davon ist Karin R. noch immer überzeugt, auch getan.

Aber der Polizeieinsatz in Nordrhein-Westfalen, der an der A 3 einen Kugelhagel auslöste, habe alle Hoffnungen zunichtegemacht. „Das war wie Krieg“, erinnert sich die 71-Jährige noch heute voller Wut und Bitterkeit.

Nahe der Autobahn bei Bad Honnef steht heute eine Stele, die an das Geschehen von damals erinnert. 62 Einschusslöcher sind zu sehen – genausoviele, wie das Fluchtauto nach dem tödlichen Ende des Geiseldramas damals hatte.

Weitere Informationen zum Film gibt es hier.

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