Mutter erwürgt: 23-Jähriger steht wegen Totschlags vor dem Landgericht

„Paranoide Psychose“

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Efkan A. (23) wurde gestern beim Prozessauftakt in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Ihm wird zur Last gelegt, seine Mutter erwürgt zu haben.

Bremen - Von Steffen Koller. Die Staatsanwaltschaft ist sicher, der Angeklagte schweigt bislang: Efkan A. (23) soll im Juni dieses Jahres seine eigene Mutter erwürgt haben. Seit gestern wird am Landgericht Bremen gegen ihn wegen Totschlags verhandelt. Bei einer Verurteilung droht dem Angeklagten dennoch wohl keine Gefängnisstrafe.

Efkan A. wirkt schüchtern, als er den Sitzungssaal 218 betritt. Vor sein Gesicht hält der 23-Jährige, dem die Anklagevertretung Totschlag vorwirft, eine rote Mappe. A. senkt den Kopf nur kurz, dann richtet er sich schnell auf, als die Staatsanwältin die Anklageschrift verliest. Der junge Mann soll zwischen dem 26. und 27. Juni seine Mutter in deren Wohnung erwürgt haben, der genaue Tatzeitpunkt lässt sich nur grob eingrenzen. „Mindestens zwei bis drei Minuten“ habe A. „in Tötungsabsicht“ seine Hände an den Hals seiner 46-jährigen Mutter gelegt und zugedrückt. Letztlich starb die Frau am daraus resultierenden Sauerstoffmangel, so die Staatsanwaltschaft.

Sollte A. wegen Totschlags verurteilt werden, droht ihm dennoch keine Haftstrafe. Wie die Staatsanwältin weiter ausführte, habe der Angeklagte im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt. Durch eine „paranoide Psychose“, an der A. erkrankt sei, sei zur Tatzeit von einer „erheblichen Verminderung seiner Steuerungsfähigkeit“ auszugehen. Das Gericht muss nun klären, ob A. den Tod seiner Mutter zu verantworten hat, und wenn ja, ob er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss.

Der 23-Jährige soll bereits mehrfach gegenüber seiner Mutter Gewalt angewendet haben. Behörden und Polizei seien darüber informiert gewesen, heißt es aus Familienkreisen. Doch niemand habe etwas unternommen. Nachdem die Frau am 28.Juni nicht zur Arbeit erschienen war, fuhren Polizeibeamte zu ihrer Wohnung und fanden sie leblos in ihrer Badewanne. Schnell fiel der Verdacht auf den Angeklagten, der dann von Spezialkräften der Polizei festgenommen wurde. Seitdem sitzt A. im Klinikum-Ost. Vorsitzender Richter Helmut Kellermann machte gestern deutlich, dass es im Prozess ausschließlich um die Frage gehe, wer die Frau getötet hat, und wenn es der Angeklagte gewesen sei, ob er schuldfähig gehandelt habe. „Es geht nicht um mögliche Fehler der Behörden. Es ist nicht unsere Aufgabe, das zu klären“, so Kellermann. Nach nur 20 Minuten wurde die gestrige Verhandlung unterbrochen, die Beweisaufnahme beginnt somit erst im kommenden Jahr. A. ließ durch seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Thomas Becker, ausrichten, dass er „zum jetzigen Zeitpunkt“ nichts sagen werde.

Am 8. Januar soll der Prozess mit der Aussage eines Kriminalbeamten fortgesetzt werdem. Mit einem Urteil wird für Anfang März gerechnet.

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