„Mutmacherin“ aus Bremen

Lisa Röpke lebt ihren Traum – doch das ist ein „harter Kampf“

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Lisa Röpke in ihrem Arbeitsbereich, der Meerwasserversuchsanlage des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung.

Bremen - Von Steffen Koller. Auslandsaufenthalte, Note 1,8 in der Masterarbeit, rund 200 Tauchgänge – überfliegt man Lisa Röpkes (28) Lebenslauf, dann sollte man meinen, die Meeresbiologin sei auf dem Arbeitsmarkt „gut integrierbar“, wie es Wirtschaftsexperten gerne ausdrücken. Dass dem nicht so ist, musste die Wahl-Bremerin selbst erfahren. Trotzdem hat sie nie aufgegeben. Von ihrem „harten Kampf“ und dem zumindest vorübergehenden Erfolg berichtet sie in unserer Serie „Mutmacherinnen“.

Es ist eine bunte Welt hinter rotgeklinkerten Mauern. Seegurken schwingen im Meerwasser hin und her. Umgeben von Fischen, Seegräsern und Korallen hat man kurz das Gefühl, in eine andere Welt abzutauchen. Betritt man das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), dann erahnt man nicht auf Anhieb, welch schöner Kosmos sich dahinter verbirgt.

Lisa Röpke kennt diesen Kosmos – und hat sich in ihn verliebt. Ihre Welt sind die Ozeane, das Wasser, die Tropen. Gleichzeitig kämpft sie an zwei Fronten – für ihre Karriere und die Meere. Und anscheinend war dieser Weg so programmiert.

Als Lisa Röpke zwei Jahre alt ist, zieht sie mit ihrer Familie nach Florida (USA). Dreieinhalb Jahre bleibt sie dort. Die Familie kehrt nach Deutschland zurück, und Röpke verfällt dem Reiz des Fernen abermals. Ein Aufenthalt in Australien und sie lernt die Schönheit der Meere kennen, fängt, als sie 20 Jahre alt ist, mit dem Biologiestudium (Göttingen) an. Schnell stellt sie fest: Meeresbiologie soll es werden. Sie fliegt auf die Seychellen, sechs Wochen Forschung stehen auf dem Programm. Rückblickend ihre „Eintrittskarte in die Meeresbiologie“.

Den Bachelor in der Tasche, geht es nach Bremen, das Masterstudium wartet. Auch das beendet die damals 25-Jährige mit Bravour. „Korallenrestauration mittels sexueller Reproduktion“ heißt der Titel ihrer Abschlussarbeit. Acht Monate Aufenthalt in Curaçao gehören dazu.

Was tun? Wo soll es hingehen?

Dann fällt sie in „ein Loch“, erinnert sie sich. „Was tun? Wo soll es hingehen?“, waren Fragen, die sie sich monatelang gestellt hat. Sie jobbt im Bremer Wissenschaftscenter Universum, bewirbt sich im Ausland, arbeitet ein Jahr in einem Forschungsprojekt – doch dann ist das Projekt vorbei, die Forschungsgelder aufgebraucht. Die Konsequenz: kurzzeitige Arbeitslosigkeit. „Der Markt ist hart umkämpft, die Stellen in der forschenden Wissenschaft sind super begehrt.“ Trotz der Rückschläge bleibt ihre Verbindung zum ZMT bestehen. Und das soll sich lohnen.

Seit kurzem hat Lisa Röpke erneut eine Stelle am ZMT angetreten und nebenbei noch ihre Ausbildung zur Forschungstaucherin absolviert. Es seien zwar nur sechs Monate, doch die 28-Jährige ist „wenigstens da, wo ich mich sehr wohl fühle“. Ihre Arbeit findet dann in dem Kosmos statt, den sie so liebt.

Genauer: in der Meerwasserversuchsanlage (Marine Experimental Ecology, kurz Maree). Die bunte Welt hinter roten Mauern, voll mit farbenfrohen Fischen und Korallen aller Art. Röpke wird anderen Forschern helfend zur Hand gehen, Versuche planen und begleiten.

„Ich glaube“, konstatiert Lisa Röpke, „ich habe alles richtig gemacht.“ Es sei an der Politik, eine noch größere Öffentlichkeit für das Thema Meere und deren Schutz zu schaffen. Da es diese aber nur in geringem Umfang gebe, leide auch der Stellenwert von Meeresbiologen.

„Meeresbiologie ist ein Thema, mit dem sich kaum einer auseinandersetzt“, sagt sie . Es wundert Lisa Röpke daher nicht, dass es kaum Stellen gibt. „Dabei sind die total wichtig“, so die 28-Jährige. Schaut sie auf ihre bisherige Karriere zurück, die anfangs steil nach oben ging, dann aber einen Knick gemacht hat, kann sie sich nichts vorwerfen. „Ich bereue nichts“, sagt Röpke. Allerdings sei sie „hart aufgewacht“.

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