Unartig, unkonventionell, urkomisch

Es gibt Reis: „Rocky Horror Show“ feiert in Bremen Premiere

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Schrill, unterwürfig – und am Ende womöglich ein Verräter? Hausdiener Riff Raff (Stuart Matthew Price, 2.v.r.) ist eine der schillerndsten Figuren der „Rocky Horror Show“. Bei diesem Musical inszeniert sich das Publikum selbst zum Spiel auf der Bühne.

Bremen - Von Steffen Koller. Bäm! Was für ein Auftakt der „Rocky Horror Show“ im Musicaltheater. Vor ausverkauftem Haus startete am Dienstagabend die „Preview“ der Kultshow und bot gewissermaßen zwei Vorstellungen in einer – auf der Bühne und im Saal.

Obszön, frivol, voller Erotik, Wortwitz und ganz viel Liebe zog Richard O’Briens Rocktheater die rund 1 300 Besucher sofort in seinen Bann. Und ließ sie bis in die Nacht nicht mehr los. 

Seit drei Songs, seit 20 Minuten stehen die Darsteller auf der Bühne: Die „Rocky Horror Show“ läuft sich gerade warm. Könnte man meinen. Abtasten würde man das bei anderen Vorstellungen nennen; mal schauen, wie das Publikum reagiert. 

Nur: Hier ist alles anders. Viele der Besucher – zum Teil mit Strapsen, Stilettos, aufwendig frisierten Haaren und mit bunten Partyhüten ausgestattet – hält es nicht eine Sekunde in den Sitzen. Wie aufgescheuchte Hühner, denen man etwas in den Kaffee getan hat, hüpfen sie von links nach rechts. Ein Sprung nach vorne, einer nach hinten. Die Hände in die Höhe. „Let’s do the Timewarp again!“

Zuschauer feiern ihre eigene Party

Klopapierrollen, mit denen ganze Großraumdiscos ein Wochenende auskommen könnten, fliegen durch die Ränge. Dazu: Konfetti und Weizenkörner und die obligatorischen Zeitungen, die sich das Publikum über die Köpfe stülpt, während andere mit Wasserpistolen Regentropfen produzieren. Wäre diese extravagante, vor Sexphantasien und Schattenspielen strotzende Show nicht schon genug, feiern die Besucher ganz nebenbei ihre eigene Party. 

Unartig, unkonventionell, urkomisch. Die Reinigungskräfte werden sich bedanken - unter anderem werfen die Besucher Reis und spritzen mit Wasser. Dabei beginnt alles relativ harmlos. Janet (Sophie Isaacs) und Brad (Felix Moose), frisch vermählt, etwas bieder und naiv, machen sich auf, einen ehemaligen Lehrer namens Dr. Everett Scott (Daniel Fletcher) zu besuchen. So weit, so normal. Doch auf ihrer Fahrt haben sie eine Panne, Hilfe muss her.

Groteske Maskerade und lüsterne Abgründe

Statt auf ein Telefon treffen die beiden in einem düsteren Schloss zunächst auf den Hausdiener Riff Raff (Stuart Matthew Price), eine Figur mit unsäglicher Frisur und kugelrunden Brillengläsern, später auf den „Master“ Frank’n’Furter (Gary Tushaw), der sie in sein Reich, bestehend aus grotesker Maskerade und lüsternen Abgründen, führt. Kein Telefon, keine Hilfe, dafür eine Reise in die Welt des sexbesessenen Wissenschaftlers vom Planeten „Transexual“ in der Galaxie Transsilvanien, der neben seiner Retortenschönheit Rocky (Ryan Goscinski) noch ganz andere Fiktionen zutage bringt. 

Auf geht der Trip zurück in die Glamrock-Ära, in der Glitzer und androgyne Männer der Traum vieler Frauen waren. Gepaart mit tollen Lichteffekten, grandiosen Stimmen und ausgefeilten Kostümen wird die Inszenierung der Klassifizierung „Kultstatus“ vollkommen gerecht.

„Rocky Horror Show“ im Bremer Musical Theater

„Rocky Horror Show“ ist nicht nur das wahrscheinlich verrückteste Musical der Geschichte, sondern ganz nebenbei der aktuell beste Beweis dafür, dass das Musicaltheater seine Daseinsberechtigung hat. Getreu dem Motto: „Don’t dream it – be it!“ ist das Stück von Regisseur David Farley und mit Erzähler Sky Du Mont noch bis Sonntag, 19. November, zu sehen. Eindeutig viel zu kurz!

Tickets gibt es unter anderem hier bei uns auf der Homepage.

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