Spielstätte gerettet

Musicaltheater: Vertrag bis 2023 mit neuem Betreiber

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Im Bremer Musicaltheater am Richtweg werden auf den roten Polstersitzen auch künftig Zuschauer Platz nehmen. Der Vertrag mit einem neuen Betreiber ist perfekt.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Gute Nachrichten für die Freunde des Musicaltheaters: Das vom Aus und Abriss bedrohte Haus am Richtweg bleibt bestehen. Jörn Meyer (44), viele Jahre im Veranstaltungsgeschäft, wird ab 2018 neuer Betreiber und erhält einen Vertrag bis 2023.

Seit mehreren Wochen wird es gemunkelt, doch eine Bestätigung blieb bisher aus. Der Eigentümer der Immobilie, die für viele Bremer und Buten-Bremer das schönste Theater der Stadt ist, Rolf Specht (65), hielt sich bei Nachfragen immer wieder bedeckt. Doch jetzt ist es raus: Jörn Meyer, 20 Jahre für den Veranstalter BB-Promotion tätig, wagt den Schritt und will das Haus am Richtweg weiterführen. Meyer ist ein Profi in der Veranstaltungsbranche und will seine Stärke als Mittelständler vor Ort ausspielen, wie er sagt.

Erstes Event 2018: „Ballet Revolucion“

Damit wird nach dem Konzert mit Helmut Lotti Ende des Jahres nicht der Schlüssel umgedreht, sondern der Veranstaltungsort am Richtweg bleibt bestehen, zumindest für einige Jahre. Eigentümer Specht macht damit wahr, was er nach dem Sturm der Entrüstung angesichts des drohenden Abrisses der Immobilie angekündigt hatte. Wenn irgendwie möglich, wenn sich ein Betreiber finde, dann wolle er das Haus lieber erhalten statt es abzureißen und Wohnungen zu bauen oder ein Kino daraus zu machen, hatte Specht gegenüber unserer Mediengruppe gesagt.

Es hatte ihn sichtlich getroffen, möglicherweise als derjenige dazustehen, der das Ende des Musicaltheaters besiegelt. Der Vertrag mit dem bisherigen Betreiber „Mehr! Entertainment“ läuft zum Jahresende aus, beide Seiten konnten sich nicht auf eine Fortsetzung einigen. Specht klapperte diverse Türen ab. Die Ressorts Kultur und Wirtschaft winkten ab, wollten keinen Euro dazugeben, um das private Theater mit seinen 1400 Plätzen zu erhalten. Doch nun können Freunde der Spielstätte, zu der es laut mehrerer örtlicher Veranstalter insbesondere bei Musicals und exklusiven Konzerten keine Alternative in Bremen gibt, aufatmen – der Vorhang hebt sich weiter.

Ab 2018 führt Meyer das Haus mit seiner MTB Betriebsgesellschaft. Erstes Event soll im Februar „Ballet Revolucion“, sagt er. Und auch das Restaurant soll wieder aufleben – unter der Regie des bekannten Bremer Gastronomen Barry Randecker (Theatro, Meierei, Beck's in der Glocke).

Große Freude bei örtlichen Veranstaltern

Der Übergang zu Meyer erfolgt dank Einigung mit „Mehr! Entertainment“ fließend. Inzwischen hat Specht auch das Parkhaus mit seinen rund 300 Plätzen und das Ärztehaus im Komplex erworben. Seine Wohnungsbaupläne, bei denen durchaus einige Hürden zu nehmen sind, hat er zunächst zurückgestellt. Aber der 65-Jährige verfolgt die Pläne parallel weiter und wartet ab, was die Zukunft bringt.

Große Freude bei den örtlichen Veranstaltern von Koopmann Concerts und „Bremen Events & Concerts“ (BEC). „Wir freuen uns absolut. Das ist eine gute Fügung mit Jörn Meyer und wichtig für den Kultur-Standort Bremen“, sagt Oliver Mücke (Koopmann Concerts). Er habe schon verschiedene Anfragen für nächstes Jahr, bei denen er abgewartet habe, ob sich für das Musicaltheater eine Lösung finde. Das Fortbestehen der Spielstätte werde sich in der Branche schnell herumsprechen, „da wird noch einiges passieren“. Mücke: „Jetzt können wir wieder loslegen.“

Jan Trautmann (BEC) sagt: „Ich bin Rolf Specht dankbar. Es lag in seiner Hand, wie es weitergeht.“ Beim neuen Betreiber sieht er Enthusiasmus fürs Theaterhaus. Es gebe jetzt natürlich durch das drohende Aus ein „Buchungsbreak“, einige Konzerte seien geplatzt. Doch auch Trautmann gibt sich zuversichtlich, dass es etwa ab Sommer mit einigen Stars, „die schon auf der Wartebank fürs Musicaltheater sitzen“, wieder richtig losgehen werde.

Kommentar zum Thema: Gute Nachrichten für Bremen

Von Elisabeth Gnuschke

Im Frühjahr hätten wohl nur noch Optimisten darauf gewettet, dass Bremen sein Musicaltheater behält. Doch tatsächlich: In der wunderschönen Spielstätte am Richtweg mit ihren 1 400 Plätzen wird sich der Vorhang auch künftig weiter heben und senken. Bremer und Buten-Bremer, die gern Musicals, Konzerte und Unterhaltungsshows in einem gehobenen Ambiente sehen, dürfen aufatmen.

Für den Kultur-Standort Bremen ist das eine gute Nachricht. Nur die üblichen Nörgler machten gleich alles wieder mies. Bei vielen anderen war Freude und Erleichterung zu hören, da brauchte man sich am Montag nur in der Stadt umzuhören.

Da hat sich der „Bremer Unternehmen 2010“, Rolf Specht, mächtig ins Zeug gelegt und viele Klinken geputzt. Bei der Bremer Politik biss er auf Granit, hier hat man kein Herz für Kommerzielles, sondern lieber für Experimentelles. Die Proteste aus der Bevölkerung gegen den drohenden Abriss des Musicaltheaters waren heftig und trafen den erfolgreichen Unternehmer. Specht wollte sicher nicht als Totengräber der Spielstätte in die Geschichte eingehen. 

Mit Unterstützung aus der Szene traf er auf Veranstaltungsprofi Jörn Meyer. Der sitzt nicht, wie das Management der aktuellen Betreiber, in Düsseldorf, sondern direkt vor Ort, kann allein entscheiden, hat gute Kontakte und mit einem langjährigen Vertrag Zeit, dem Musicaltheater seinen Stempel aufzudrücken. Die Voraussetzungen fürs Gelingen sind gut. Und ja, es ist auch nachzuvollziehen, dass Rolf Specht seine Wohnungsbaupläne als Option in der Schublade behält. Schließlich ist er Unternehmer. Aber die Freunde des Standortes mit der wechselvollen Geschichte haben auf jeden Fall einige Jahre gewonnen.

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