Mund auf!

„Bremer Suppenengel“ vermitteln Bedürftigen Kontakt zum Zahnarzt

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Die dritten Zähne von Gerd (l.) sind super erhalten. Vor fünf Jahren hatte Zahnarzt Milan Michalides, der die „Suppenengel“ unterstützt, sie eingesetzt.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Gerd (64) strahlt, als er Zahnarzt Milan Michalides (45) sieht. Schon fünf Jahre ist es her, dass dieser ihm seine dritten Zähne eingesetzt hat. Das Thema Zähne steht diesmal in einem Infozelt des Vereins „Bremer Suppenengel“ in der Innenstadt im Fokus. Der Verein ist insbesondere dafür bekannt, dass er Essen für Bedürftige und Obdachlose organisiert. Rund 100 Menschen kommen zum „Zahntermin“.

Gerd erinnert sich noch gut an damals. „Ich hatte nur noch neun Zähne im Mund“, sagt er. „Das waren nicht die besten.“ Besonders schlimm traf es seine Zähne, als er mal ein Vierteljahr obdachlos war, erzählt er. „Die Zähne verschleißen dann besonders. Ich hatte keine Zeit und kein Geld, irgendwo hinzugehen. Ich habe sie nicht geputzt. Es gab kein öffentliches Wasser.“ Gerds „Dritte“ sind blank und gut in Schuss.

Milan Michalides unterstützt die „Suppenengel“ und gibt den Besuchern erstmal die Gelegenheit, ihn kennenzulernen und ihre Zahnprobleme zu schildern. Bernhard, ein älterer Mann aus Bremen, lässt den Zahnarzt in seinen Mund gucken. Er hat zwei Prothesen, die einfach nicht mehr zusammenpassen. „Die wurden immer nachgebessert, aber sie passen immer noch nicht“, sagt er. Michalides sieht, dass die Prothesen zu weit nach hinten ragen. Bernhard trägt sich in eine Liste ein. Einmal im Monat fährt ein Bus mit Patienten aus Bremen zur Praxis von Michalides in Stuhr-Brinkum.

Rainer Zoppke (54), Geschäftsführer bei der Bremer Firma Dentaltrade, ist ebenfalls vor Ort. Sein Unternehmen spendet Materialien für Zahnbehandlungen im Wert von 3.000 Euro. Auch er hört sich die Probleme an. „Viele haben fünf bis zehn Jahre keine Zahnarztpraxis von innen gesehen“, sagt Zoppke. Etliche der Betroffenen litten unter Angststörungen. Mit größer werdenden Lücken und Schäden steige die Scham. Besonders ungewohnt sei der mehrfache Gang zum Zahnarzt. „Normale Zahndefekte kann man an einem Tag behandeln“, sagte Zoppke. Aber Patienten mit größeren Problemen müssten mehrmals behandelt werden. „Es ist oft nicht leicht, sie dazu zu motivieren.“

Das Material wird dringend gebraucht. Viele Leistungen erfordern sonst Zuzahlungen, unmöglich für die Patienten hier. Die „Suppenengel“ sprechen ihre Kunden bei jeder Gelegenheit auf Zahnprobleme an und vermitteln sie weiter. Geschäftsführer Peter Valtink: „Wir würden uns freuen, wenn uns mehr Zahnärzte unterstützen würden.“

Kontakt:

www.suppenengel.de, Bremen, Kirchweg 55

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