Müllchaos trotz Überwachung

Rattenplage in Osterholz-Tenever

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Müll neben den Mülltonnen in Osterholz-Tenever. Auch Essensreste sind dabei, leicht zugänglich für Ratten. Ein Schild weist auf eine Videoüberwachung hin.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Achtlos weggeworfener Müll sorgt für Ärger in Osterholz-Tenever. Teilweise aus dem Fenster geworfen oder neben den Mülltonnen abgestellt, sorgt er für immer mehr Ratten. Abhilfe ist schwierig.

Seitens der Wohnungsgesellschaft Gewoba werden Müllplätze überwacht, um Sündern habhaft zu werden. „Wenn wir einen Mieter dabei sehen, wird er angeschrieben“, sagt Christine Dose, Pressesprecherin der Gewoba. „Es kommen oft Leute von außerhalb, die ihren Müll abladen. Manchmal bekommen wir da auch Hinweise von unseren Mietern“, erzählt sie auf Nachfrage weiter. Natürlich sei ein Rattenköder nur interessant, wenn er auch ein „Alleinstellungsmerkmal“ habe, also die Tierchen nicht reichlich Auswahl an Futter haben. Darum erschwere herumliegender Müll die Bekämpfung, sagt Dose. „Wenn möglich, nehmen wir die Leute in Haftung. Die müssen dann eine Sondermüllentsorgung bezahlen.“ Solche Vorfälle gäbe es aber nicht nur in Tenever, sondern auch in anderen Stadtteilen.

Fahrlässigkeit beim Müll rächt sich. Davon kann auch Markus Puschmann aus dem Vorstand des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbandes einiges berichten. Es reiche nicht aus, essbaren Müll in einem Gelben Sack neben die Tonne zu stellen. Sobald Ratten mit ihrem Gebiss und ihren Klauen an die Nahrungsreste kommen, besteht Gefahr. „Müll sollte bis zum Abtransport in einer geschlossenen Tonne gelagert werden“, sagt Puschmann, der in Frankfurt einen Schädlingsbekämpfungsbetrieb leitet.

Als einen wichtigen Ansatzpunkt zur Verbesserung der Lage in Osterholz-Tenever sieht Quartiersmanagerin Katrin Höpker Kinder und damit auch ihre Eltern. Der Zugriff erfolgt etwa in Kindertagesstätten. „Wir planen eine Aktion ,sauberes Tenever' vor den Sommerferien“, sagt Höpker. Der Einstieg sei niedrigschwellig, saubere Spielflächen für Kinder.

Vorreiter in Sachen Mülltrennung

Höpker sieht aber auch eine Relevanz des kulturellen Hintergrundes, in dem von Menschen aus vielen Nationen bevölkerten Stadtteils. „Wir sind Vorreiter in Sachen Mülltrennung. Wir machen das schon seit den 70ern“, sagt sie. In den 90ern hätten das nicht einmal alle europäischen Länder gemacht. Sprachbarrieren an sich seien nicht das eigentliche Problem bei der Aufklärungsarbeit, so Höpker.

Beim Amt für Gesundheit und Verbraucherschutz, zuständig für die Rattenbekämpfung auf öffentlichem Gelände und auch Verkehrswegen, sieht man keine besonderen Ratten-Hochburgen in Bremen. Das Problem sei aus Perspektive des Amtes gleichbleibend. Es habe sich weder verschlimmert noch verschlechtert, so Sprecherin Christina Selzer.

Eine Meldepflicht bei Rattensichtungen gäbe es in Bremen nicht. Dennoch sei es wichtig, gegen die Nager vorzugehen. „Ratten übertragen Keime in erster Linie durch ihre Ausscheidungen, die Lebensmittel und Badegewässer kontaminieren oder in Form feiner Stäube eingeatmet werden können“, sagt Selzer.

Ratten finden sich auch in den Abwasserkanälen. Doch entgegen dem Vorurteil ist dies kein bevorzugter Aufenthaltsort von Ratten. Zwar muss auch die Hansewasser im Schnitt etwa zwölfmal im Jahr einen Rattenbekämpfer buchen, doch umfasst das Bremer Kanalnetz immerhin stolze 2.300 Kilometer in öffentlicher und dazu noch 6.000 Kilometer in privater Hand.

Ratten leben gerne in Gebäuden

„Ratten benutzen die Kanäle eher als Verkehrswege. Attraktiver ist es für die Tiere, wenn die Kanäle defekt sind und sie ihnen einen Weg ins Erdreich bieten“, sagt Pusch-mann. Im Kanalsystem kommen die Ratten aber mitunter in die Nähe der Anschlüsse von Häusern. „Sie bevorzugen die Schacht-Enden, weil dort das Überschwemmungsrisiko niedriger ist.“

Generell sei es schwierig, den typischen Aufenthaltsort von Ratten auszumachen. Mittlerweile leben die einstigen Steppenbewohner gerne in Gebäuden. „Das können zum Beispiel Lagergebäude sein oder Kellerbereiche, die nicht häufig kontrolliert werden“, sagt Puschmann.

Ratten richteten immer wieder Schäden an Materialien an, denn sie seien zum Nagen verurteilt. „Sie müssen das tun, um ihre Zähne abzuwetzen. Nagen sie nicht, kriegen sie einen Überbiss“, sagt Markus Puschmann.

Das beste Mittel gegen Ratten ist seiner Meinung nach nicht Gift, sondern genau zu schauen, wo sich Ratten ansiedeln, um dann schnell zu reagieren.

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