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Müll heizt Haushalten in Bremen ein

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Von: Steffen Koller

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Erstes Kapitel des Fernwärmenetzes in Schwachhausen: Auf rund 300 Metern wird bis Ende April das erste Teilstück fertig sein. Ende 2023 soll hier heißes Wasser durch die Leitungen fließen.
Erstes Kapitel des Fernwärmenetzes in Schwachhausen: Auf rund 300 Metern wird bis Ende April das erste Teilstück fertig sein. Ende 2023 soll hier heißes Wasser durch die Leitungen fließen. © Koller

Heizen mit Müll, geht das? Ja, geht, über ein Fernwärmenetz. Das baut der Energieversorger SWB jetzt in Bremen aus, damit der Müll künftig weiteren Haushalten ordentlich einheizen kann.

Bremen – 40 000 Tonnen Kohlenstoffdioxid – diese Menge soll das neue Bremer Fernwärmenetz nach seiner Fertigstellung jedes Jahr einsparen. Um das Vorhaben umzusetzen, ist am Dienstag der symbolische erste Spatenstich vollzogen worden. Nun beginnt der erste Bauabschnitt der insgesamt gut sieben Kilometer langen Verbindungsleitung vom Fernwärmenetz Universität in den Stadtteil Vahr.

Fernwärme auch fürs Bremer Mercedes-Werk

60 Millionen Euro lässt sich der Energieversorger SWB das Vorhaben kosten. Ende 2023 soll alles fertig sein. Die Fernwärme kommt aus dem Müllheizkraftwerk Oken. Die Arbeiten für den Ausbau, der zukünftig Hastedt, Schwachhausen, Sebaldsbrück, Hemelingen sowie das Mercedes-Werk mit Fernwärme beliefern soll, haben vier Jahre nach den ersten Plänen in Horn bereits begonnen. Nun starten auch die ersten Handgriffe in Schwachhausen, der Bereich um die Vahr folge demnächst, so SWB-Sprecher Friedhelm Behrens. Straßen müssten auf einer Breite von rund sechs Metern aufgerissen, die etwa 50 Zentimeter dicken Rohre in einer Tiefe von zwei Metern verlegt werden. Insgesamt 16 große Bauabschnitte werde es geben, unterteilt in 58 Teilstücke.

Streit um Baumpflanzungen verzögert Projekt

Ursprünglich war das Ende der Arbeiten für wesentlich früher geplant gewesen. Bereits Ende dieses Jahres sollte alles fertig sein. Doch das liebe Grün machte dem Vorhaben lange Zeit einen Strich durch die Rechnung. Für die Arbeiten, so Behrens, mussten in Summe 159 Bäume gefällt werden. 90 Prozent, also 143 Bäume, würden nachgepflanzt, erklärte der SWB-Sprecher. Wo diese stehen werden, war lange der Knackpunkt. Weil die Pflanzen nicht einfach so und willkürlich an irgendeiner Stelle hingesetzt werden können, vergingen Monate. Jetzt jedoch seien entsprechende Orte gefunden worden. „Das war ein Kraftakt. Aber mit dem, was nun entschieden wurde, haben wir eine große Akzeptanz in der Bevölkerung geschaffen“, sagte Behrens.

Und auch SWB-Vorstandschef Torsten Köhne zeigte sich am Dienstag „total erleichtert“, dass der Trassenbau nun endlich beginnen könne. Anfänglich mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen geplant, erhöhten sich die Kosten letztlich auf rund 60 Millionen Euro. Und doch hielt die SWB an ihrem Vorhaben fest. Denn: Mit der neuen Verbindungsleitung können nicht nur 25 000 Haushalte zusätzlich mit umweltfreundlicher Fernwärme versorgt werden, auch das Mercedes-Werk wird beliefert. Rund 40 000 Tonnen CO2 würden dadurch jährlich eingespart. Wollte man die gleiche Ersparnis anders schaffen, müssten nach SWB-Berechnungen etwa drei Millionen Bäume gepflanzt werden, die als zusammenhängender Wald rund zwei Drittel der Fläche Bremens bedecken würden.

Wie funktioniert Fernwärme?

Wie funktioniert eigentlich Fernwärme in Bremen? Nun, der Müll wird verbrannt, mit der Hitze Wasser auf mindestens 90 Grad erwärmt, das heiße Wasser fließt durch die Rohre zu den Haushalten. Der Wärmetauscher in der Heizung daheim macht’s möglich, dass auf diese Weise die Wohnungen mollig warm werden.

Für den Bremer Energieversorger stellt der Ausbau des Fernwärmenetzes jedoch nur einen Anfang dar in Richtung Kohleausstieg. Etwa 200 Millionen Euro will das Unternehmen aufwenden und nach Fertigstellung des Netzes auch den letzten von insgesamt drei Kohlekraftwerksblöcken in Hastedt stilllegen. Ersparnis: etwa 2,5 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid, was rund 14 Prozent der gesamten bremischen Emission ausmacht, hieß es.

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