Pundsack-Fotos im Zentrum für Medien

Aus dem Müll gerettet

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Ein diesiger Tag, der Bus der Linie 23 – die es heute nicht mehr gibt – steht zur Abfahrt bereit. Eine Frau geht auf ihn zu. Auch dieses Bild des Fotografen Hinrich Pundsack lag im Sperrmüll.

Bremen - Von Thomas Kuzaj · Fotografie: Es gibt sie, die sprichwörtlichen Schätze, die jemand auf dem Dachboden findet oder in irgendeinem staubigen Keller. Daran erinnert die Geschichte, um die es hier jetzt geht, und sie ist fast zu schön, um wahr zu sein. Die Geschichte beginnt nicht auf einem Speicher und auch nicht in einem Keller, sondern – auf dem Sperrmüll.

Auf einem Sperrmüllhaufen am Sielwall nämlich. Dort entdeckte der Bremer Bernd Mathis einen Karton mit Fotografien. Ganz oben ein Bild, das einen Bus der Linie 23 zeigte, Fahrtziel: Gartenstadt Vahr, aufgenommen in den 60ern. Schwarzweiß. Ein diesiger Tag. Straßenlaternen und Busscheinwerfer leuchten. Mathis nahm die Bilder mit nach Hause. In den 70er Jahren war das, als die Sperrmüllabfuhr in Bremen noch nicht auf Bestellung einzelner Haushalte kam, sondern zu bestimmten Terminen in bestimmte Straßen und Stadtteile.

Mathis bewahrte die Fotografien auf, vergaß sie zwischenzeitlich, fand sie wieder. Im vergangenen Jahr übergab er sie dem Fotoarchiv des Zentrums für Medien (Große Weidestraße 4–16).

Alltagsszenen aus den

50er und 60er Jahren

Dort war die Freude groß, handelt es sich doch um Aufnahmen des Bremer Fotografen Hinrich Pundsack (1908 bis 1996). Viel mehr war dort über den Ursprung (und Urheber) der Bilder zunächst jedoch nicht bekannt. Recherchen begannen. Pundsack stammte aus Habenhausen. Er lebte mit seiner Frau im Steintor und arbeitete als freier Fotograf.

Seine Bremen-Motive aus den 50er und 60er Jahren sind von hoher Qualität, offenbaren Pundsacks Blick für Szenen und Zwischentöne. Bilder aus der Alltags- und Arbeitswelt sind es. Dokumente der Zeitgeschichte. Immer wieder taucht der Hafen auf. Im Zentrum für Medien spricht man von einem „sozialdokumentarischen Charakter“ in Verbindung mit künstlerischer Qualität.

80 dieser Fotografien wurden nun für eine Ausstellung ausgewählt, die das Zentrum für Medien bis Ende Januar 2013 unter dem Titel „Vom Sperrmüll an die Wand“ zeigt – wochentags von 8 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Zur Eröffnung kamen – neben Finder Mathis – auch Nachfahren des Fotografen. Mit der Ausstellung möchte das Zentrum für Medien an einen Fotografen erinnern, dessen Arbeiten beinahe im Sperrmüll verloren gegangen wären, und zugleich mehr über ihn herausfinden. Jedenfalls hofft man an der Großen Weidestraße darauf, dass sich noch Menschen melden, die etwas über Pundsack wissen und vielleicht Arbeiten von ihm besitzen.

Fünf der Pundsack-Bilder aus der Ausstellung sind zudem in einem Wandkalender für das Jahr 2013 zu sehen, der Schiffsmotive verschiedener Bremer Fotografen vereint – und deshalb auch den naheliegenden Titel „Schiffe in Bremen“ trägt.

Herausgegeben hat ihn das Zentrum für Medien, erschienen ist er im Bremer Verlag Edition Temmen. Der 30 Zentimeter mal 40 Zentimeter große Kalender kostet 9,90 Euro.

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