„Mr. Tegel“ im Anflug

Betriebsleiter der Berliner Flughäfen wird Airport-Chef in Bremen

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Im Anflug auf Bremen: Elmar Kleinert wird neuer Chef des Flughafens. Den Vertrag hat er bereits unterschrieben. Wann Kleinert anfängt, ist allerdings noch nicht klar.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Der neue Chef kommt aus Berlin angeflogen. Elmar Kleinert, Betriebsleiter der Flughäfen Tegel und Schönefeld, wird neuer Geschäftsführer des Bremer Flughafens. Das hat Airport-Aufsichtsratschef Ekkehart Siering am Dienstagnachmittag bekanntgegeben. „Ich freue mich diebisch, dass dieser Coup gelungen ist“, sagte Siering.

Er blieb sogar bis kurz vor der Bekanntgabe geheim, was in Bremen sonst höchst selten der Fall ist. Dann sickerte die Nachricht von Berlin aus durch. Kleinert, 57, hat in Bremen einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben. Wann er hier anfängt, ist allerdings noch nicht klar. In Berlin nennt man ihn „Mr. Tegel“. Und für den muss dort ja erst einmal ein Nachfolger gefunden werden.

Wie berichtet, hatten Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung des Bremer Airports im November 2017 Flughafen-Chef Jürgen Bula, der seit 2009 im Amt war, abberufen – wegen „schwerer Störungen“ zwischen dem Geschäftsführer und den Mitarbeitern. Wirtschafts-Staatsrat Siering sprach von einem „Klima der Angst“.

Fast 100 Bewerbungen

Im Juni vorigen Jahres soll der 56-jährige Bula zudem bei Tarifverhandlungen alkoholisiert gewesen und gegenüber Gewerkschaftsvertretern ausfallend geworden sein. Inzwischen wird eine fristlose Kündigung des Vertrags mit Bula, der 2019 ausläuft, angestrebt.

Der beurlaubte Flughafen-Geschäftsführer wird mit einem Jahresgehalt von 275. 000 Euro entlohnt. Jürgen Bula war nach Manfred Ernst und Herbert Estel der dritte Flughafen-Chef in Folge, der vorzeitig die Koffer packen musste, wobei die Vorwürfe gegen Ernst später entkräftet wurden.

„Früh im Sommer“, so hieß es jüngst, wolle Siering den Bula-Nachfolger präsentieren. Nun ging es – wenigstens mit der Präsentation – noch schneller. Mit der Suche nach einem neuen Chef hatte der Aufsichtsrat eine Personalberatungsagentur beauftragt. Siering: „Wir hatten fast 100 Bewerbungen, zehn Prozent davon weibliche Bewerber.“ Drei waren am Ende übrig geblieben. Kleinert setzte sich durch.

Darüber freue er sich „sehr“, sagte er am Dienstag. Drei Kriterien seien entscheidend gewesen, so Siering. Der neue Chef soll sich in der Airline-Branche bestens auskennen. Er soll Infrastruktur und Abläufe kennen, um die Entwicklung voranzutreiben. Und ganz ausdrücklich: „Wir haben einen Teamplayer gesucht, der den Neuanfang macht und die Belegschaft motiviert.“

Bremen, BRE statt BER.

Seit 2013 ist Kleinert – so die offizielle Bezeichnung – „Leiter Operations“ der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, zu der auch der womöglich (vielleicht aber ja auch doch nicht) 2020 fertige Großflughafen BER gehört. Von 2001 bis 2009 hatte Kleinert den Berliner Posten schon einmal inne. Zwischendrin ist er vier Jahre Geschäftsführer des Flughafens Paderborn gewesen. Er hat also für Flughäfen ganz unterschiedlicher Größe gearbeitet. „Tegel ist mit Düsseldorf vergleichbar, Schönefeld mit Köln-Bonn“, so Kleinert. Er hätte der BER-Betriebsboss werden können. Aber nun: Bremen, BRE statt BER.

Kleinert fliegt eine Piper PA18

An Bremen reize ihn gerade, dass es ein „Flughafen mittlerer Größenordnung“ sei. „Meine Leidenschaft gilt eher Standorten, die etwas operativer ausgelegt sind.“ Soll heißen: wo man handeln kann, statt nur noch Akten zu wälzen. Es gehe ihm um „Gestaltungsmöglichkeiten“. Zudem habe ihn „die Region“ gereizt. „Ich bin schon öfter mit meinem eigenen Flugzeug hier gelandet.“

Kleinert fliegt eine Piper PA18. „Die ist noch älter als ich.“ Gleich neben seinem Haus in Brandenburg will er sich dafür eine eigene Landepiste bauen. Die Privat-Piste im Spreewald ist allerdings noch nicht genehmigt. Zwischen Brandenburg und Bremen pendeln will Kleinert jedoch nicht. „Ich werde meinen Lebensmittelpunkt nach Bremen verlegen“, sagte er am Dienstag.

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