„Mr. Martinshof“ geht in Ruhestand und engagiert sich weiter für Menschen

Lust auf etwas Neues

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Mittendrin: So wünscht es sich Wilfried Hautop (hinten) für Menschen mit Behinderung – der Geschäftsführer der Werkstatt Bremen mit Pamira (von vorn), Martina und Andrea vom Küchenteam der Kantine am Buntentorsteinweg.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Er ist ungeduldig, er ist pingelig, und er hat immer Lust auf etwas Neues: Wilfried Hautop. Am 30. November hat das 65-jährige Energiebündel seinen letzten Arbeitstag als Geschäftsführer der Werkstatt für Behinderte. Dann geht „Mr. Martinshof“ in den Ruhestand. Und was macht er dann? Nun, er geht seinem Hobby nach: Er engagiert sich weiter für Menschen.

Hautop hat den Martinshof wie kein anderer in den vergangenen Jahren geprägt, zunächst als Stellvertreter, seit 2001 als Chef mit Sitz im Buntentor. Er hat die ersten Außenarbeitsgruppen in Betrieben mit auf den Weg gebracht. Heute existieren 17 Teams, die unter anderem für die Polizei, bei Azul Kaffee, Werder, Mercedes, Airbus und dem Flughafen arbeiten. Es war im Jahr 1988, als die Zusammenarbeit mit Bremer Unternehmen begann. Zunächst, so erinnert sich Hautop, unterstützten Behinderte die Norddeutsche Steingut und Wilkens Bremer Silberwaren. Doch es dauerte noch viele Jahre, bis sich in der Öffentlichkeit durchgesetzt hatte, dass „wir nicht nur Besen, Bürsten und Pinsel machen“.

Diese Öffnung hin zur Arbeitswelt war ein großer Schritt. Heute sagt Hautop (übrigens, wie stets mit klaren Worten): „Wir sind aus der Anstalt raus.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert er das. „Früher galten Menschen mit Behinderungen als nicht lernfähig oder zu langsam beim Lernen“, so Hautop. „Dabei lernen sie nur langsamer und brauchen vielleicht mehr Wiederholungen. Wie müssen ihnen nur etwas zutrauen.“

Dass dies gelinge, zeige sich beispielsweise beim Wohnen. Es gebe mittlerweile weniger Heime, stattdessen mehr eigene Wohnungen für behinderte Menschen. Und gerade in der Stadt müssten nicht alle gefahren werden, sondern viele seien durchaus in der Lage, den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen.

Gelernt hat der gebürtige Bremer Küper bei Kühne & Nagel. Er ging kurz nach Frankfurt, um bei der Ladungskontrolle auf dem Flughafen zu arbeiten, kehrte 1972 in den Kaffeeimport nach Bremen zurück. Schließlich machte der aus einfachen Verhältnissen stammende junge Mann die Mittlere Reife nach, baute sein Fachabitur und studierte an der Hochschule Sozialarbeit. Unterstützung hatte er dabei von seiner Frau Veronika.

Hautop ging in den öffentlichen Dienst, arbeitete in der Suchtberatung. Aufsuchende Drogenarbeit und Sozialpsychiatrischer Dienst waren für Jahre seine Baustellen. Durch sein Organisationstalent und die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen und sie zu begeistern, landete er 1987 als zweiter Mann beim Martinshof, als dieser eine eigene Werkstatt wurde.

Seit 1993 ist die Werkstatt ein Eigenbetrieb. 2003 gründete Hautop die Stiftung Martinshof, in der er sich im Ruhestand ebenso engagieren will, wie für die Bremer Krebsgesellschaft. Inzwischen umfasst die Werkstatt Bremen des Martinshofes 1 950 Beschäftigte und 350 betreuende Fachkräfte an 38 Standorten.

Zurück zur Öffnung der Arbeitswelt für Behinderte: Hautop wäre nicht Hautop, wenn er damit zufrieden wäre. „Es muss die Regel werden, dass Menschen mit Behinderungen in die Betriebe einbezogen werden, nicht nur als Gruppen, sondern auch einzeln“, fordert der 65-Jährige. Hautop: „Wir müssen behinderte Menschen sichtbar machen, statt sie zu verstecken.“

Ein gutes Stichwort für das Thema Inklusion in Schulen. Hautop: „Inklusion ist ein guter Ansatz, aber es gibt nicht nur schwarz oder weiß.“ Die Zielrichtung sei gut. Dennoch müsse man das Thema differenziert betrachten, um dem Einzelnen auf beiden Seiten (Behinderten und nicht Behinderten, d. Red.) gerecht zu werden. „Aber der Weg, sich zu öffnen, ist unbestreitbar richtig“, betont „Mr. Martinshof“. Heute wird er im Rahmen von „Werkstatt trifft Wirtschaft“ mit rund 130 Gästen im „Kwadrat“ offiziell verabschiedet.

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