Nach Brandstiftungen

Motiv Geldsorgen? Anklage fordert für 22-Jährigen mehrere Jahre Haft

Der 22-jährige Syrer (vorne rechts) soll laut Anklage fünfeinhalb Jahre in Haft. Seine Verteidiger plädierten auf eine Bewährungsstrafe. Foto: KOLLER
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Der 22-jährige Syrer (vorne rechts) soll laut Anklage fünfeinhalb Jahre in Haft. Seine Verteidiger plädierten auf eine Bewährungsstrafe.

Bremen - Von Steffen Koller. 25 Verhandlungstage lang hat das Bremer Landgericht Beweise gesichtet, Zeugen gehört und Gutachten analysiert. Am Montag ist die Beweisaufnahme im Fall eines 22-jährigen mutmaßlichen Brandstifters aus Bremerhaven geschlossen worden. Die Staatsanwaltschaft geht von vierfacher schwerer Brandstiftung aus und forderte im abschließenden Plädoyer fünfeinhalb Jahre Haft. Die Verteidiger des Mannes plädierten hingegen auf eine Bewährungsstrafe – lediglich eine Tat könne ihrem Mandanten nachgewiesen werden.

Vier Brände, viermal die in etwa gleiche Vorgehensweise: Zwischen 2017 und 2019 soll der heute 22 Jahre alter Syrer Feuer in verschiedenen Wohnungen gelegt haben, die er selbst bewohnte. Viermal soll er dabei Möbel angezündet und das Haus danach verlassen haben. In allen Fällen habe nur er einen Schlüssel gehabt. Geht es nach der Staatsanwaltschaft, dann sind alle mutmaßlichen Taten „vollumfänglich bestätigt“, nur der Angeklagte komme für die Feuer infrage.

Zwischen Januar und Juli 2017 soll der junge Mann auf die immer gleiche Weise Möbelstücke in Brand gesetzt und danach – um den Verdacht von sich zu lenken – die jeweiligen Wohnungen verlassen haben.

Auch wenn der 22-Jährige bei den drei Feuern von niemandem unmittelbar beim Anzünden erwischt worden sei, gebe es „eine Vielzahl von Zeugen“, so die Staatsanwaltschaft, die den Verdacht erhärtet hätten. Familienangehörige, Freunde, aber auch Nachbarn hätten den Mann bei ihren Aussagen belastet, technische Ermittler seien zudem zum Ergebnis gekommen, dass sowohl ein technischer Defekt als auch eine natürliche Brandursache auszuschließen seien. Zwar wurde bei keinem der Feuer jemand verletzt, dennoch habe „große Gefahr“ bestanden, dass Personen zu Schaden kommen – und das sei dem Angeklagten bewusst gewesen, sagte die Staatsanwältin.

Hintergrund der mehrfachen Brandstiftung sollen womöglich Geldsorgen des Angeklagten gewesen sein. Um seinen Drogenkonsum finanzieren zu können, habe der Mann die Brände gelegt, argumentierte die Anklage.

„Ein weiteres Motiv könnte sein, dass der Angeklagte schlicht unzufrieden mit seiner Wohnung war“, hieß es. Mit den Feuern, so die Staatsanwaltschaft, habe er erreichen wollen, dass ihm vom Arbeitsamt eine neue und bessere Wohnung zur Verfügung gestellt werde. Letztlich habe der 22-Jährige „all diese vier Taten begangen“, lautete das Fazit. Eine Jugendstrafe von fünfeinhalb Jahren sei demnach der Schuld und Tat angemessen.

Die Verteidiger des Mannes sagten, nur eine Tat von 2019 könne ihrem Mandanten nachgewiesen werden. In diesem Fall legte der 22-Jährige ein umfassendes Geständnis ab. Die drei weiteren Brandstiftungen im Jahr 2017 seien nicht zu beweisen, zumal es in dieser Zeit zu „massenhaften“ Feuern in Bremerhaven gekommen sei. Die Ermittler hätten unter „massivem Druck“ gestanden, und „es musste ein Täter gefunden werden“, sagte Rechtsanwalt Konrad Schäfer. Er und sein Kollege Bernd Fiessler argumentierten zudem, ihr Mandant habe über Jahre verschiedene Drogen und Alkohol konsumiert – auch zum Tatzeitpunkt 2019. Eine verminderte Schuldfähigkeit sei nicht auszuschließen. Ihre Forderung: eineinhalb Jahre Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

Das Urteil in dem Prozess soll am Montag, 11. Mai, gesprochen werden.

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