Fünf Schüsse: Angeklagter und Opfer schweigen vor Gericht

Bremen: Mordversuch am Nachmittag

Der Angeklagte (2.v.r.) soll versucht haben, seinen Kontrahenten, der dem Rocker-Milieu zugerechnet wird, zu erschießen. Bei einer Verurteilung wegen versuchten Mordes droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.
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Der Angeklagte (2.v.r.) soll versucht haben, seinen Kontrahenten, der dem Rocker-Milieu zugerechnet wird, zu erschießen. Bei einer Verurteilung wegen versuchten Mordes droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

Eine Bluttat sorgte im Sommer 2020 für einen Großeinsatz in Huchting. Ein Mann war durch Schüsse aus einem Auto verletzt worden. Jetzt wird der Fall vor dem Landgericht Bremen verhandelt.

Bremen – Blut auf dem Boden, Blut auf Stühlen und Lehnen. Blut überall. Als Polizisten am 11. August 2020 den Wartebereich einer Krankenkassenfiliale in Huchting betraten, bot sich ihnen ein erschreckendes Bild. Kurz zuvor hatte sich ein Mann in das Gebäude geflüchtet, angeschossen, schwer verletzt.

Mehr als sieben Monate später muss sich seit Dienstag der mutmaßliche Schütze vor dem Bremer Landgericht wegen versuchten Mordes verantworten. Er soll auf den heute 37-Jährigen aus einem Auto heraus gefeuert haben. Warum, ist noch vollkommen unklar.

Es ist kurz vor 14.30 Uhr, als der Mann – bullige Statur, Shirt in Tarnfarben und markante Tattoos auf Wange („Dirty White Boy“, „dreckiger weißer Junge“) und Hinterkopf – den Saal 218 des Landgerichts Bremen betritt. Nach außen hin entspannt, nimmt der Zeuge Platz, seine Vernehmung steht kurz bevor. Doch bereits bei der Belehrung des Mannes wird deutlich: Viel Inhaltliches kann die Kammer von ihm nicht erwarten. Als Zeuge müsse er die Wahrheit sagen, sagt die Vorsitzende Richterin Gesa Kasper – um kurz darauf nachzuschieben, dass der 37-Jährige sich zur Sache überhaupt nicht einlassen müsse, sobald die Gefahr bestehe, dass er sich selbst oder nahe Angehörige einer Straftat bezichtigen würde. So kommt es auch, und der Zeuge ist nach wenigen Minuten wieder entlassen.

Gesagt hat er nicht viel, im Grunde genommen: nichts. Das Gericht weiß nun den Namen des Mannes, sein Alter und dass er gelernter Maler sei und aus einem Ort südlich von Bremen kommt. Nicht mehr, nicht weniger. Dabei ist der Mann der zentrale Zeuge im Prozess gegen einen 34 Jahre alten Türken, dem zur Last gelegt wird, auf seinen Widersacher geschossen zu haben.

Der Angeklagte soll sich auf der Heinrich-Plett-Allee als Fahrer eines Mercedes neben einen weiteren Mercedes, in dem der 37-jährige als Beifahrer saß, gesetzt haben und kurze Zeit später mindestens fünfmal auf den Mann geschossen haben. Eine Kugel traf dessen Schulter, blieb darin stecken.

Auf der Suche nach einem Krankenhaus setzte der Fahrer des Mercedes den Verletzten, der aus dem Rocker-Milieu stammen soll, vor einer Niederlassung der AOK in Huchting ab. Dort wurde der Mann später von Einsatzkräften gefunden und in eine Klinik gebracht. Seitdem schweigt er zu den Geschehnissen – genau wie der Angeklagte selbst, der „derzeit keine Angaben zur Sache“ machen werde, so sein Verteidiger, Rechtsanwalt Stefan Weinert. Das Gericht muss die Beweisaufnahme während der zunächst 23 weiteren angesetzten Verhandlungstermine wohl auf Sachbeweise – sprich Handy-daten, Foto- und Videoaufnahmen, Gutachten und weiteres – stützen.

Ein Video schaute die Kammer bereits am Dienstag an, aufgenommen von einer Überwachungskamera eines polnischen Supermarktes. Kurz nach 14.37 Uhr sind auf den Bildern zwei Mercedes SUV zu sehen, ein Wagen hält parallel zum anderen. Kurz darauf fährt ein Wagen davon. Weder Gesichter noch eine Waffe zeigt das Video, Kennzeichen sind nur schemenhaft zu erkennen.

Staatsanwalt Martin Gwinner geht indes davon aus, dass der Angeklagte sein Opfer töten wollte und dabei heimtückisch vorging. „Völlig unvermittelt und unerwartet“ habe der Mann geschossen, „wohlwissend, dass der Geschädigte sich im Straßenverkehr keines Angriffs versah“, also nicht damit rechnen konnte.

Die Verteidiger des 34-Jährigen haben an diesem Punkt erhebliche Zweifel, wie Anwalt Stefan Weinert sagte. So sei das Opfer dem Angeklagten lange Zeit hinterher gefahren, habe ihn „verfolgt“, und hätte sehr wohl mit einem Angriff rechnen müssen. „Arg- und wehrlos war der Zeuge nicht.“

Am nächsten Prozesstag (24. März) soll unter anderem der Ermittlungsführer der Polizei aussagen. Womöglich kommt dann mehr Licht ins Dunkel.

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