Mordprozess: Jüngerer Bruder und Ex-Verlobte sagen über Angeklagten aus

„Er wurde zum Raubtier“

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Thomas W. zusammen mit seinem Anwalt Alexander Ukat beim Prozessauftakt.

Bremen - Von Steffen Koller. Thomas W. (49) muss sich seit Februar vor dem Landgericht Bremen wegen Mordes an seiner damals 66-jährigen Nachbarin verantworten. Gestern sagten sein jüngerer Bruder und eine Ex-Verlobte aus. Der Bruder fand klare Worte, nannte den Angeklagten ein „Raubtier“.

Dass Thomas W. im Februar 2013 seine Nachbarin in Bremerhaven so brutal misshandelt hat, dass sie später an ihren massiven inneren Verletzungen starb, daran hat das Gericht unter Vorsitz von Barbara Lätzel schon lange keine Zweifel mehr. Es geht vielmehr um die Beweggründe der Tat, die bisher völlig unklar sind. W. schweigt seit über zwei Jahren beharrlich.

„Anfangs schwebte ich auf Wolke sieben, doch unterschwellig wusste ich, dass mal etwas Schlimmes passieren könnte.“ Diese Worte stammen von einer der Ex-Verlobten des Angeklagten. Die 58-Jährige war zwei Jahre mit W. liiert, hat, wie sie sagt, schon nach kurzer Zeit erfahren müssen, was es heißt, wenn W. „Randale macht“. Oft sei Alkohol im Spiel gewesen, das habe ihn verändert, sagt sie. „Dann hatte ich Angst, große Angst.“

Weniger Angst, dafür große Wut verspürt sein jüngerer Bruder (47), wenn er an die Tat denkt und vor Gericht erzählt, dass W. schon in früher Kindheit ein „schwieriger Mensch“ gewesen sei. „Aus Kleinigkeiten sind oft Wutasubrüche geworden. Das zieht sich wie ein roter Faden“, sagt der 47-Jährige, der schnell deutlich macht, was er von seinem Bruder hält: „Ein falsches Wort und er wurde zum Raubtier.“ Besonders schlimm sei für ihn, dass W. bis heute keine Angaben zur Tat macht und behauptet, er könne sich aufgrund eines Filmrisses an nichts mehr erinnern. „Das ist einfach nur feige.“

Die Erziehung der Eltern sei „recht streng“ gewesen, aber von einer schlechten Kindheit zu sprechen, wäre auch falsch, meint der Bruder. Obwohl es regelmäßig „Prügel vom Alten gab“, habe es auch Zeiten gegeben, in denen „wir lachten, bis wir Bauchschmerzen hatten.“ Als W. 13 Jahre alt ist, erschießt sich sein Vater mit einem Bolzenschussgerät, das Verhältnis zur Mutter beschreibt sein Bruder als „unterkühlt“. Mit 18 Jahren soll W. zum ersten Mal versucht haben sich umzubringen.

Wenn er jetzt so zurückdenke, dann sei der Angeklagte „das Spiegelbild des Vaters“, meint der Bruder: „Nüchtern war er umgänglich. Doch hatte er einen gewissen Pegel überschritten, mussten man ihn genau im Auge behalten.“ Bis heute schämt sich der 47-Jährige für die Tat seines Bruders. „Immer wenn ich die Angehörigen der Frau sehe, fühle ich mich dreckig. Die Tat hat auch mein Leben grundlegend verändert.“

Thomas W. wurde im Februar 2014 vom Landgericht Bremen wegen Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein, der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil auf. Seit Februar wird wegen Mordes verhandelt. Das Gericht prüft auch, ob W. in eine psychatrische Klinik eingewiesen werden muss.

Der Prozess wird am Dienstag, 14. April, fortgesetzt.

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