24-Jähriger äußert sich nicht

Prozess gegen Ferdi M.: Zeugen sagen aus

Bremen - Von Steffen Koller. Mindestens einen Toten sollen die Raubzüge von Ferdi M. (24) gefordert haben, seit August muss sich der Mann vor dem Bremer Landgericht unter anderem wegen Mordes verantworten. Ein Zeuge berichtete am Dienstag vom Auffinden des Opfers, dem M. mit einer Axt auf den Kopf geschlagen haben soll. Der damalige Anblick seines Freundes schockiert ihn bis heute.

„Mann gestürzt, Kopfwunde unbekannter Herkunft“ – so lautete in den Mittagsstunden des 20. Februar der Einsatzbefehl für zwei Polizisten, die an dem Sonnabend Dienst hatten und auf eine Parzelle in Bremerhaven gerufen wurden. Zwar sei man damals „sensibilisiert“ gewesen, sagt der Polizist Dienstag vor Gericht, doch dass das Opfer an den vermeintlich harmlosen Kopfverletzungen sterben würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand. Bereits nach einigen Minuten, so der 23-Jährige, seien ihm und seinem Kollege Zweifel gekommen, ob es tatsächlich nur ein Sturz war, der die schweren Verletzungen verursacht hatte. „Es passte einfach nicht. Die Wunde verlief von der rechten Kopfseite, über das Ohr, bis hin zum Nacken.“ Außerdem sei das Ohr halb abgerissen gewesen, auch das habe gegen einen gewöhnlichen Sturz gesprochen.

Einbruchspuren, eine kaputte Tür und zersplitterte Fenster hätten zudem den Eindruck geweckt, dass es sich eher um ein Verbrechen handeln würde als um einen Unfall. Ein Verbrechen, das dem 24-jährigen Ferdi M. zur Last gelegt wird. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, in das Parzellengrundstück eingedrungen zu sein. Als ihn das spätere Opfer dabei erwischt habe, soll er vermutlich mit einer Axt so heftig auf den Mann eingeschlagen haben, dass dieser an einer Schädelbasisfraktur und den damit verbundenen Hirnblutungen zwei Monate später im Krankenhaus verstarb.

Ferdi M. äußert sich am Dienstag nicht zu den Vorwürfen, eher hat es für Beobachter den Anschein, als würde ihn das Berichtete langweilen. Er lacht, gähnt mehrfach demonstrativ und unterhält sich angeregt mit seinem Dolmetscher, als am Richtertisch Tatortfotos in Augenschein genommen werden.

Polizei findet Axt in Tatortnähe

Es gibt weitere Hinweise, die dafür sprechen könnten, dass sich auf dem Parzellengrundstück ein Verbrechen abgespielt hat. Ein Zeuge (60), der das Opfer seit Jahren kannte und als erster am Tatort war, fand beim Eintreffen zunächst mehrere persönliche Dokumente, die verstreut auf dem Rasen gelegen haben sollen. Als er in den Schuppen gegangen sei, habe das Opfer mit heruntergelassener Hose an einem Tisch gesessen, die Strickmütze tief ins Gesicht geschoben. Kaum noch ansprechbar und mit verkrustetem Blut am Kopf, habe er den Rentner, den er als „hilfsbereit und zuvorkommend“ beschreibt, vorgefunden und den Notarzt verständigt. Später stellten die Beamten eine Axt sicher, die sie in Tatortnähe gefunden hatten.

Ferdi M. soll neben dem Mord drei weitere brutale Taten begangen haben. Auf einen Mann (77) soll er nur einen Tag später mit einer Vase eingeschlagen haben, nachdem er in dessen Wohnung eingebrochen sei. Wiederum einen Tag später soll er neunmal auf einen 31-Jährigen eingestochen haben. Ein weiteres mutmaßliches Opfer, das M. mit vollen Sektflaschen attackiert haben soll, konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

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